Bundestagsabgeordneter Michael Kießling bekam im Bundestag Besuch aus seinem Wahlkreis
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Oliver Simon (links) aus Germering, Peter Aßner aus Denklingen (rechts) und Martin Eickelschulte aus Starnberg  besuchten Michael Kießling (2.v.li.) in Berlin und verstreuten mit ihm Heimaterde.

Besuch im Bundestag

Michael Kießling wäre fast im falschen Ausschuss gelandet

Spannende Wochen hat der frühere Denklinger Bürgermeister und jetziger CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Kießling hinter sich. Fast wäre er im falschen Ausschuss gelandet.

Berlin/Denklingen – Die Wege sind verwinkelt. Wer sich nicht auskennt, kann zwischen Reichstag und anderen zum Parlamentsbetrieb in Berlin gehörenden Gebäuden schnell die Orientierung verlieren. Das ist nicht politisch gemeint. Im riesigen Regierungsviertel sowie im neuen Politikbetrieb den Überblick zu behalten, gehört zu den ersten Aufgaben eines neuen Bundestagsabgeordneten. Das gilt auch für Michael Kießling, den CSU-Abgeordneten für die Landkreise Landsberg, Germering und Starnberg. Inzwischen gehört der frühere Bürgermeister Denklingens im Politbetrieb zu den alten Hasen. Sieben Reden hat er bereits im Bundestag gehalten.

Einblicke in Michael Kießlings Alltag im Bundestag

Kießlings Abgeordnetenbüro liegt in einem Bundestagsgebäude weit außerhalb des Reichstages. Es wirkt noch etwas kahl, denn bislang fehlte ihm die Zeit, passende Bilder auszusuchen und aufzuhängen. Kießling will aber noch Bilder aus seinem Wahlkreis aufhängen.

Zeit ist ein Problem für alle Abgeordneten. In den 21 Sitzungswochen des Bundestags sei der Arbeitstag mit Plenarsitzungen, Terminen mit Verbänden, Vorträgen und parlamentarischen Abenden ausgefüllt, erzählte Kießling jetzt einer Besuchergruppe aus seinem Wahlkreis: „Freizeit bleibt keine übrig“, so Kießling.

Glück hatte der Ex-Bürgermeister seinen Worten nach dagegen bei der Wohnungssuche: Ein ausscheidender Bundestagsabgeordneter hat ihm seine Wohnung in Parlamentsnähe als Nachmieter überlassen. „Eine tolle Lage, ich kann bei schönen Wetter sogar mit dem Fahrrad zum Reichstag fahren.“

Die ersten Wochen waren Lernwochen: „Als Abgeordneter bin ich Arbeitgeber für meine wissenschaftlichen Mitarbeiter.“ Dafür gab es Schulungen. Inzwischen arbeiten vier wissenschaftliche Mitarbeiter für ihn. Auch ansonsten sei der Politikbetrieb in Berlin gewöhnungsbedürftig, zumindest im Vergleich zu seinem vorherigen Job als Bürgermeister von Denklingen. „Natürlich hat man Vorstellungen, manches ist auch so gekommen, es gab aber auch Überraschungen.“

Kießling sitzt im Bauausschuss

Michael Kießling hat sich für zwei Ausschüsse beworben: Familien und Bau. Das wäre beinahe schief gegangen: Als Bauingenieur wollte er in den Bauausschuss. Die Zuständigkeit lag damals beim sogenannten Umweltausschuss.

Die Zusage kam auch prompt. Dann aber wurden nach den Koalitionsverhandlungen die Zuschnitte der Ausschüsse geändert, und Michael Kießling saß plötzlich im falschen Ausschuss. Kießling bewarb sich neu und sitzt nun im richtigen. „Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen“.

Verbindung zwischen Wahlkreis und Bundestag

„Kann man als einer von 709 Abgeordneten eigentlich etwas bewegen?“, ist Kießling jetzt von seiner Besuchergruppe gefragt worden. Er verstehe seine Rolle als Mittler zwischen den Bürgern und dem Politikbetrieb, sagt Kießling, aber auch als Mittler zwischen Bürgermeistern, Verbänden oder Betrieben und der Bundespolitik. „Ich versuche zu helfen, wo ich kann.“ Im Bauausschuss setzt sich Kießling dafür ein, die ausufernde Bürokratie, beispielsweise beim Kauf und dem Betrieb einer Solaranlage, zu reduzieren.

In Berlin geht alles etwas langsamer als in Denklingen oder in einem konstruktiv arbeitenden Gemeinderat. Pragmatische Lösungen seien im Bundestag schwieriger zu erreichen, da in den Ausschüssen oft Parteipolitik eine Rolle spiele und ideologische Hürden aufgebaut würden.

Ein wichtiges Thema, das den Denklinger im Bauausschuss begleitet, ist die zivile Zukunft des Penzinger Fliegerhorstes. 2019, soviel kann Kießling sagen, soll das Gelände an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übertragen werden, die sich dann um die Vermarktung kümmern soll. Letztlich sei es aber noch abhängig von der endgültigen Außerdienststellung der Transall-Flotte.

Kießling hat, als die Besucher aus seinem Wahlkreis gerade bei ihm in der Bundeshauptstadt war, eine der spannendsten Wochen als Abgeordneter erlebt. Vor den Haushaltsberatungen geriet die Welt zwischen CDU und CSU bekanntlich wegen Horst Seehofers „Masterplan Migration“ aus den Fugen. „Auch ich bin davon total überrascht worden“, gibt Kießling zu.

Siegfried Spörer

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