Nach Rettungsaktion auf B17

15 Kilometer im Delirium - Großes Lob für Polizisten

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Zu einem Kindergeburtstag samt Kinobesuch war die Augsburgerin (28) mit Tochter und deren Freundin (beide sieben Jahre alt) aufgebrochen. Von Landsberg bis Denklingen dauerte dann die unglaubliche Fahrt im Diabetes-Delirium – das sind rund 15 Kilometer auf der B17. Die Polizei erhält viel Lob für ihre Rettungsaktion.

Denklingen – „Saubere Polizeiarbeit!“, „Respekt!“ und „Das haben die Beamten mit Bravour gelöst!“: Voller Lob für die Polizisten, die am Freitag bei Denklingen das Auto einer bewusstlosen Diabetikerin ausgebremst haben (wir berichteten), sind die Leser der Schongauer Nachrichten.

„Wir hatten Glück, dass wir davon erfahren haben, bevor etwas passiert ist – normalerweise kommen wir als Polizei immer erst hinzu, wenn der Unfall schon geschehen ist“, so Franz Kreuzer, Sprecher bei der Polizei in Landsberg. Auch sei es ein glücklicher Zufall gewesen, dass zu diesem Zeitpunkt gleich zwei Streifenwagen in der Nähe waren, so Kreuzer weiter. Ersten Anrufen von Zeugen zufolge muss die Augsburgerin sich bereits ab der Landsberger Anschluss-Stelle der A 96 nicht mehr unter Kontrolle gehabt haben. Den Kreisverkehr zur B 17 hat sie wohl mindestens zweimal durchfahren. Und touchierte laut Polizeibericht mit ihrem Auto mehrfach die Leitplanken. Ähnlich wie bei einer Fahrt unter starkem Alkoholeinfluss, war ihr auch die eigene Straßenseite zu schmal für die Schlangenlinienfahrt.

Eingeholt hatten die Beamten das Fahrzeug Höhe Abfahrt zur Firma Hirschvogel. „Die Örtlichkeiten waren geradezu ideal“, so Kreuzer. Zwei Fahrspuren, wenig Verkehr. Der erste Polizeiwagen – am Steuer ein 41-Jähriger aus Landsberg – überholte, bremste vorsichtig ab und ließ die zu diesem Zeitpunkt nahezu bewusstlose Augsburgerin kontrolliert auffahren. Danach bremste er mit seinem Pkw beide Fahrzeuge bis zum Stillstand ab. Der zweite Wagen, gesteuert von einem 23-jährigen Landsberger Polizisten, fuhr währenddessen links neben dem Seat und sicherte den Gegenverkehr ab.

Im Lehrbuch stehen solche Bremsaktionen natürlich nicht – „das kann man auch nicht üben“, so Kreuzer. Zwar gebe es Fahrsicherheitstrainings bei der Polizei, aber dabei gehe es in erster Linie um das Beherrschen des eigenen Fahrzeugs in Grenzsituationen, erläutert Toni Müller von der Schongauer Polizei. Oder um das Anhalten eines anderen Fahrzeugs bei Kontrollen. Die Beamten aus Schongau waren am Freitag ebenfalls im Einsatz. Sie nahmen den Unfall der Kollegen zu Protokoll.

Die Landsberger Beamten reagierten am Freitag in dieser Situation ausgesprochen besonnen. Sie retteten dadurch nicht nur das Leben der Diabetikerin, die sofort ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie bewahrten auch die zwei mitfahrenden Kinder vor schlimmeren Verletzungen. Die Kinder trugen lediglich Hämatome davon – entstanden durch die Sicherheitsgurte. Und die Polizei verhinderten mögliche Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Auch wenn bis auf etwas Blechschaden nichts passiert ist, wird sich die Fahrerin wegen Körperverletzung der Kinder und Gefährdung im Straßenverkehr verantworten müssen. „Wir sind verpflichtet, dies der Führerscheinstelle zu melden“, so Kreuzer. Auch die Staatsanwaltschaft muss sich mit dem Fall befassen. In der Regel wird in solchen Fällen eine ärztliche Untersuchung eingefordert. Festgestellt werden muss, ob die Erkrankung – in einen so schweren Unterzucker fällt man, wenn man zu viel Insulin spritzt und zu wenig Kohlenhydrate isst – kontrollierbar ist. Wie Kreuzer einschätzt, kann ein medizinisch-psychologisches Gutachten angefordert werden. Je nach Ergebnis kann es auch zum Führerscheinentzug kommen.

Rubriklistenbild: © dpa

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