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Die Reaktivierung der Fuchstalbahn hätte viel mehr Möglichkeiten und Anschlüsse als gedacht

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Auf dem Podium: Moderatorin Anke Butscher mit (v.l.) Wolfram Ruoff (Bürgerforum Buntes Fuchstal), Norbert Moy (Fahrgastverband Pro Bahn) und Verkehrsplaner Andreas Holzhey.
Auf dem Podium: Moderatorin Anke Butscher mit (v.l.) Wolfram Ruoff (Bürgerforum Buntes Fuchstal), Norbert Moy (Fahrgastverband Pro Bahn) und Verkehrsplaner Andreas Holzhey.  © Jais

Es geht um mehr als um die Strecke von Schongau nach Landsberg: Die Reaktivierung der Fuchstalbahn brächte in Kaufering Anschlüsse nach München und Augsburg sowie ins Allgäu, und in Schongau weiter in den Pfaffenwinkel. Das betonte Verkehrsplaner Andreas Holzhey bei einem Info-Abend.

Denklingen – Eingeladen zu diesem Informationsabend hatte das „Bürgerforum Buntes Fuchstal“ zusammen mit dem Arbeitskreis Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel ins Hofgartenhaus in Leeder. Verkehrsplaner Holzhey schilderte, dass der Gleiskörper der 29 Kilometer langen Fuchstalbahn-Strecke, auf dem derzeit nur noch Güter befördert werden, in einem guten Zustand sei.

Geplant sei, dass zwischen Schongau und Hohenfurch, aber auch nördlich des Bahnhofs Kinsau, noch Arbeiten ausgeführt werden. Die Sicherungstechnik in Landsberg und Schongau sei jedoch veraltet und müsse saniert werden. Dies sei laut Holzhey aber sowieso notwendig – unabhängig davon, ob der Personennahverkehr auf der Strecke wieder aufgenommen wird.

Kleinere Haltepunkte bräuchten keine Bahnhofsgebäude

Holzhey verglich, dass im Jahr 2001 noch 49 Bahnübergänge zwischen Schongau und Landsberg vorhanden waren. 20 Jahre später waren es noch 36. Davon waren fünf technisch gesichert. Im Fall eines Personennahverkehrs seien aber noch einige Übergänge zu schließen. „Ich denke, das ist vertretbar“, kommentierte der Verkehrsplaner, der aus Schongau stammt.

Unter den Besuchern: Peter Satzger (orangenes T-Shirt) von der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Landsberg. Er ermunterte dazu, dass sich die Bürger in Denklingen bei dem Thema mehr einmischen.
Unter den Besuchern: Peter Satzger (orangenes T-Shirt) von der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Landsberg. Er ermunterte dazu, dass sich die Bürger in Denklingen bei dem Thema mehr einmischen.  © Jais

Entlang der Strecke seien alle Bahnhofsgebäude verkauft worden, so Holzhey. Er selbst ist Besitzer der Bahnhöfe in Murnau, Landsberg und Schongau. Doch entlang der Strecke bräuchte man an kleineren Stationen keine Bahnhofsgebäude, so der Verkehrsplaner.

In Denklingen würden wenige Stellflächen für Autos ausreichen. Der Bahnhalt sei ziemlich zentral am Ort. Da könnten Nutzer der Fuchstalbahn zu Fuß oder mit dem Rad kommen. Wichtig seien daher „Bike and Ride“-Plätze.

80 bis 100 Stundenkilometer wären möglich

Zur Fahrzeit gab Holzhey die Devise aus: „So schnell wie nötig, aber nicht so schnell wie möglich.“ Entscheidend sei, dass die Zwischenhalte ohne Ausnahme bedient würden. Möglich sei ein Ausbau für eine Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometer, abschnittsweise sogar auf 100 Stundenkilometer. Langsamfahrstellen müssten möglichst vermieden werden.

Wie denn die Zeitschiene bis zur Realisierung der Fuchstalbahn aussehe, wollte bei dem Info-Abend Anke Butscher aus Hamburg erfragen. Sie ist Gesellschafterin einer Beratungsfirma in Hamburg, hat Verbindungen nach Seestall und moderierte den Info-Abend.

Der politische Prozess sieht sich

„Ich bin da ernüchtert“, bekannte Verkehrsplaner Holzhey. Man müsse da mehrere Jahre für den politischen Prozess einplanen, in den die Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg genauso eingebunden seien wie die Bayerische Eisenbahnverkehrsgesellschaft (EVG).

Harald Baumann aus Schongau, Sprecher des Arbeitskreises Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel, sagte zu den politischen Bemühungen: „Es liegt im Moment am Anfang des Flaschenhalses.“ Der Arbeitskreis wolle, dass der Freistaat Bayern auf die vier von ihm aufgestellten Kriterien für eine Reaktivierung verzichte. Der Staat solle selber eine Fahrgastprognose bei einem Verkehrsplaner in Auftrag geben.

Mehr Engagement der Bürger und Gemeinden angemahnt

Ein Bürger fragte nach, wo in Denklingen konkret Platz für einen Bahnhalt wäre, wenn der frühere Bahnhof schon verkauft sei. Holzhey erwiderte, an der Dr. Manfred Hirschvogel-Straße gebe es Flächen, die der Deutschen Bahn gehören. Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn (Weilheim) merkte an, das Thema der „Park and Ride“-Plätze werde mitunter überschätzt.

Peter Satzger, Kreisvorsitzender beim Bund Naturschutz, forderte zu mehr Engagement beim Thema Reaktivierung auf. „Wenn sich die Bürger nicht einmischen, wird’s in Denklingen keinen Halt geben.“

Verkehrsplaner Holzhey meinte mit Blick auf manche Kommune und den Staat, man solle nicht mit „uralten Argumenten“ eine Wiederbelebung verhindern.

An dem Info-Abend in Leeder nahmen Gäste von Schongau bis Landsberg und auch von auswärts teil. Anwesend waren einige Bürgermeister und Gemeinderäte. Auffallend war jedoch, dass kein Kommunalpolitiker aus Denklingen und Hohenfurch dabei war. Dort steht man einer Reaktivierung weit kritischer gegenüber als zum Beispiel in Fuchstal. Dessen zweiter Bürgermeister Stephan Völk sagte, man stünde bei der geplanten Reaktivierung „am Anfang des Prozesses“. Die Gemeinde wolle das keinesfalls verhindern. „Dies sollte in jeder Kommune so sein.“

Johannes Jais

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