Das bisherige Gebäude mit Wohnbereich und Praxis an der Frühlingstraße in Denklingen. Es soll saniert und erweitert werden.
+
Das bisherige Gebäude mit Wohnbereich und Praxis an der Frühlingstraße in Denklingen. Es soll saniert und erweitert werden.

Gemeinde Denklingen muss für Bauvorhaben eigenen Mini-Bebauungsplan aufstellen

Statt Praxis: Friseur und vier Wohnungen

Wo bisher an der Frühlingstraße die Praxis der Hausärztin untergebracht ist, die im Sommer an die Hauptstraße umzieht, sollen im Norden Denklingens ein Friseursalon und vier Wohnungen entstehen. Die Gemeinde befürwortet das Vorhaben und beugt sich zähneknirschend einer Forderung des Landratsamtes. Die Behörde verlangt nämlich, dass für das Projekt ein Bebauungsplan aufgestellt wird.

Denklingen - Hartmut Neupert von der Bauverwaltung verwies gegenüber der Gemeinde Denklingen darauf, dass schon das bestehende Gebäude mit 330 Quadratmeter überbauter Fläche die größte Grundfläche im Quartier habe. Weiter westlich steht am Eck Frühlingstraße/Nelkenstraße zwar ein Bauernhof, der größer ist. Aber das landwirtschaftliche Gebäude könne nicht für den Vergleich herangezogen werden.

Durch die neu eingereichten Pläne mit dem Friseurladen und vier Wohnungen erreiche man eine überbaute Fläche von 475 Quadratmeter. Damit würde sich der geplante Baukörper nicht in die Bebauung der Umgebung einfügen. Das Vorhaben des Investors werde als nicht genehmigungsfähig angesehen.

Die Ansicht zu dem geplanten Gebäude an der Frühlingstraße im Norden Denklingens.

Gleichwohl stimmt die Bauverwaltung der Gemeinde und dem Architekturbüro in der Auffassung zu, dass Innenverdichtung gegenüber der Beanspruchung neuer Flächen im Außenbereich Vorrang habe. Doch könne Innenverdichtung in größerem Umfang nur über die Mittel der Bauleitplanung erfolgen. Heißt: Es muss ein Bebauungsplan her.

Die Gemeinderäte bissen in den sauren Apfel und fassten den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Frühlingstraße. „Wir wollen ja, dass er bauen kann“, sagte Gemeinderätin Barbara Reichhart (Epfach) am Ende einer längeren Diskussion. Mit er meinte sie den Investor, der in Denklingen zu Hause ist. Reichhart hatte zuvor nachgefragt, ob die Forderung des Landratsamtes eher willkürlich sei oder mit der Größe des Vorhabens zu tun habe.

„Das liebe Landratsamt“ lehne den Baukörper ab, führte Bürgermeister Andreas Braunegger ein. Aber es gebe nur drei Alternativen: erstens nicht bauen, zweitens eine Realisierung mit Bebauungsplan oder drittens eine Klage vor dem Verwaltungsgericht.

Braunegger sah das Projekt im Norden Denklingens von der baulichen Veränderung her „nicht so dramatisch“. Irgendwann werde man fürs Dorf unzählige Bebauungspläne haben. Der Rathauschef bedauerte, dass der Weg des Bebauungsplanes gegangen werden muss: „Uns sind aber die Hände gebunden.“

Im Gemeinderat kam die Erinnerung daran hoch, dass auch für den Bau des Kindergartens vor zwei Jahren vom Landratsamt ein eigener Bebauungsplan erforderlich war. Simon Hefele stellte diesen Vergleich an: Für den Umbau der bisherigen Arztpraxis mit Wohnbereich zu einem Friseursalon und vier Wohnungen verlange die Behörde einen eigenen Bebauungsplan. Beim Grundstück der früheren Landwirtschaft Schelkle mitten in Denklingen habe man hingegen keine Bauleitplanung benötigt, obwohl auf diesem Areal in den vergangenen Jahren 60 Wohnungen errichtet worden sind.

Stephan Egner meinte, man dürfe den Mitarbeitern im Landratsamt mal gehörig auf die Füße treten. Wolfgang Martin war schließlich für einen ergänzenden Hinweis in Richtung Landratsamt, dass der Gemeinderat trotz der Zustimmung die Sinnhaftigkeit so eines Mini-Bebauungsplanes anzweifle.
JOHANNES JAIS

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare