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Schwerer Vorfall am unbeschrankten Bahnübergang in Unterdießen: Bei dem Zusammenstoß eines Güterzuges mit einem Kleinwagen wurde 2011 eine 24-jährige Hohenpeißenbergerin glücklicherweise nur leicht verletzt.

Unbeschrankte Bahnübergänge

„Er hat keine Chance, er weiß genau, es wird krachen“

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Die Unfälle der Bayerischen Regiobahn am UPM-Bahnübergang in Schongau haben auch die Serie von Unglücken an unbeschrankten Bahnübergängen auf der Strecke der Fuchstalbahn in Erinnerung gerufen. Zum Glück ist zuletzt nicht mehr viel passiert. Das liegt wohl auch daran, dass die Lokführer sehr vorsichtig fahren und die Autofahrer sensibler geworden sind.

Denklingen – „Offensichtlich sind die Autofahrer etwas disziplinierter geworden“, meint Jürgen Privinsky, Betriebsleiter bei der Augsburger Localbahn, die mit ihren Güterzügen täglich auf der knapp 30 Kilometer langen Strecke zwischen Schongau und Landsberg unterwegs ist. Die Unfallzahlen haben sich seinen Angaben nach deutlich reduziert.

Das war nicht immer so: Zwischen 2010 und 2016 hatte es auf der Strecke häufig gekracht. 2011 war ein besonders schwarzes Jahr, als es auf unbeschrankten Bahnübergängen in nur drei Monaten zu mehreren Unfällen gekommen war. In Denklingen, Leeder und Unterdießen kollidierten von August bis Oktober drei Autos mit Güterzügen. Zum Glück blieb es meist bei Sachschäden, nur eine junge Frau wurde bei dem Unfall in Unterdießen leicht verletzt.

In den Jahren darauf kam es immer wieder zu teils schweren Vorfällen: Im September 2013 schob die Localbahn den Anhänger eines Sprinterfahrers vom Gleis des unbeschrankten Bahnübergangs an der B17 bei Kinsau. Im April 2014 krachte es wiederum auf einem Übergang in Denklingen. Ein junger Mann hatte dabei großes Glück. Er setzte seinen Wagen im letzten Moment rückwärts vom Gleis, die Lok erwischte den Wagen nur noch an einem Scheinwerfer.

Bei all diesen Unfällen wird laut Betriebsleiter Privinsky oft übersehen, welch „große psychische Belastung das für unser Personal ist“. Die Lokführer sitzen seinen Worten nach machtlos im Führerhaus und sehen das Unglück auf sich zukommen. Die Züge sind auf der Strecke zwar nur mit höchstens 50 Stundenkilometern unterwegs, haben aber dennoch einen Bremsweg von 400 Metern. „Der Triebfahrzeugführer hat keine Chance, er weiß genau, es wird krachen“, beschreibt Privinsky das schreckliche Gefühl, das der Lokführer vor dem Unfall hat.

Die Triebwagenführer der Localbahn sind auf Strecke der Fuchstalbahn daher auch sehr vorsichtig geworden. „Sie wissen, wo es gefährlich ist, fahren langsamer und pfeifen auch an Stellen, wo es gar nicht vorgeschrieben ist“, berichtet der Betriebsleiter. Auch das könnte ein Grund sein, warum die Unfallzahlen auf der Strecke deutlich zurückgegangen sind.

Die Deutsche Bahn setzt zudem auch auf der Fuchstalbahn ihr Ziel um, möglichst viele Bahnübergänge gänzlich zu tilgen. So zählte die „Initiative Fuchstal-Bahn“ auf der Strecke zwischen Schongau und Landsberg 2015 noch 45 Übergänge. Nach Angaben einer Bahnsprecherin sind es aktuell nur noch 36, über die Sicherung kann sie keine Angaben machen, Schranken haben aber die wenigsten Übergänge. Zum Vergleich: Bayernweit hat die DB die Anzahl der Bahnübergänge in den vergangenen 25 Jahren von damals 7000 auf aktuell 3100 mehr als halbiert. „Vielfach führen heute Straßenbrücken über die Gleise oder kleinere Übergänge etwa für Feldwege werden gänzlich aufgelassen“, heißt es. Letztere wurden also komplett geschlossen, Autofahrer müssen Umwege in Kauf nehmen.

Das Schicksal hat auch den kleinen ungesicherten Bahnübergang am Postweg in Denklingen ereilt, der mittlerweile dicht ist. Ebenso sollte es nach dem Willen der Bahn dem Übergang in Denklingen in Richtung Epfach ergehen. Auch er ist nur mit einem Andreaskreuz gekennzeichneten. Die Gemeinde wehrt sich aber nach wie vor mit Händen und Füßen, ihn zu schließen – auch der neu gewählte Bürgermeister Andras Braunegger ist strickt dagegen, ließ er auf Anfrage wissen. Der dritte Übergang an der Manfred-Hirsch-Vogel-Straße wird bekanntlich wegen des hohen Verkehrsaufkommens seit einiger Zeit von einem Bahnmitarbeiter mit einem Band gesichert, wenn ein Güterzug naht. Ob und wann die menschliche Schranke durch eine mechanische ersetzt wird, steht in den Sternen. Von der Bahn heißt es lediglich: „Wir sind zur Zukunft der genannten Bahnübergänge mit den zuständigen Kreuzungspartnern aktuell in Gesprächen.“

Wie man jetzt in Schongau auf die jüngsten Unfälle reagiert, lesen Sie hier. 

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