Die große Werkzeugmaschine, die bei Schuster Maschinenbau in Denklingen für einen Elektromotorenbauer konstruiert und hergestellt wurde: Auf dem Bild (v.l.) Jürgen Dommer (Geschäftsführer) mit den Anwendungstechnikern Michael Fisch und Christian Götz sowie Qualitätsprüferin Angelika Pusch.
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Die große Werkzeugmaschine, die bei Schuster Maschinenbau in Denklingen für einen Elektromotorenbauer konstruiert und hergestellt wurde: Auf dem Bild (v.l.) Jürgen Dommer (Geschäftsführer) mit den Anwendungstechnikern Michael Fisch und Christian Götz sowie Qualitätsprüferin Angelika Pusch.

Denklinger Firma Schuster Maschinenbau im Porträt

Vertikale Spindel als Erfolgsrezept

An den Produkten der Präzisionstechnik, die bei der Firma Schuster Maschinenbau in Denklingen für Firmen im Elektrobereich, für Automobilzulieferer und für Kunden mit Sonderapplikationen hergestellt wird, zeigt sich, dass kleine Veränderungen eine große Wirkung haben können. Bestes Beispiel dafür ist die vertikale Spindel.

Denklingen – Eine vertikale Spindel bringt deutliche Zeitersparnis, benötigt weniger Platz, ist leicht zugänglich und ermöglicht – weil die Späne nach unten fallen – einen Betrieb ohne Unterbrechung. Solche vertikale Spindeln befinden sich auch in der großen Werkzeugmaschine, die ab Mitte März bei einem Schuster-Kunden in Baden-Württemberg zwei Wochen lang aufgebaut und dann eingefahren wird. Sie ist bei Schuster Maschinenbau in Denklingen über drei Monate lang konstruiert und geplant worden.

Sechs Monate dauerte alleine das Zusammenstellen der einzelnen Elemente mit der Inbetriebnahme. Und nochmals drei Monate sind für das „Einfahren des Fertigungsprozesses“ notwendig gewesen, erklärt Jürgen Dommer, Geschäftsführer bei Schuster Maschinenbau in Denklingen.

Großauftrag für rund fünf Millionen Euro

Was ist das „Herzstück“ der großen Anlage, die immerhin einen Platz von rund 200 Quadratmetern in der Produktionshalle benötigt? Keine Teile wie Bohrer, Stifte, Schrauben oder eine Spindel. Sondern vielmehr „das abgestimmte Zusammenspiel aller Funktionen“, wie es Dommer beschreibt.

Die erwähnte große Werkzeugmaschine ist eines der größten Projekte, das bei Schuster Maschinenbau bisher realisiert worden ist. Es ist ein Großauftrag für knapp fünf Millionen Euro. Bestimmt ist die Maschine für einen Hersteller von Elektromotoren. Anwendungstechniker aus der Denklinger Firma werden dazu für Aufbau und Einfahren am neuen Bestimmungsort zuständig sein.

Kunden in ganz Europa

Noch im Februar wurde ein weiterer Großauftrag verhandelt und erwartet. Es geht um vier Maschinen, mit denen Teile für Elektromotoren hergestellt werden. Die einzelnen Geräte sind ziemlich baugleich, jede Maschine entspricht einem Auftragsvolumen von 2,5 Millionen Euro.

Auch in diesen Bauteilen wird die Hauptspindel wieder vertikal fixiert. Sie ist fürs Bearbeiten des Werkstücks, also fürs Drehen, Bohren, Fräsen, Schleifen ebenso zuständig wie für den automatischen Ablauf.

Kurzarbeit war infolge der Corona-Pandemie wie in vielen anderen Betrieben auch bei Schuster Maschinenbau angemeldet. Sie soll diesen Monat aber zu Ende gehen. Durch den Rückgang bei Aufträgen wurde 2020 fünf Mitarbeitern gekündigt.

Kleine, schlagkräftige Truppe

Doch Jürgen Dommer blickt voraus. Das Ziel ist es, bis zum Herbst wieder Personal einzustellen. Angestrebt wird eine Zahl von zirka 100 Mitarbeitern. Das sei immer noch eine Größe, die intern wie extern eine „kleine, schlagkräftige Truppe“ darstellt. Das würden die Mitarbeiter selbst, aber auch die Lieferanten und Kunden, so wahrnehmen.

Die überschaubare Firmengröße sei förderlich für kreative Ideen der Mitarbeiter. Auch ermögliche sie es, rasch auf individuelle Anforderungen der Interessenten einzugehen, beschreibt Dommer. Ungefähr 50 Kunden sind es in Mitteleuropa. Dazu gehören auch Kunden aus der Region von Augsburg bis Innsbruck. Sie alle setzen die Maschinen aus der Firma Schuster für die Großserienfertigung ein.

Zur Firmen-Historie: Schuster Maschinenbau wurde im Jahr 2009 von der Dreps Holding aus dem Landkreis Ravensburg übernommen. 2015 wurde die neue Produktionshalle in Betrieb genommen. Zwei Geschäftsführer tragen Verantwortung: Christian Steidle seit dem Jahr 2009 sowie Jürgen Dommer, der im Oktober 2019 eingestellt wurde.

Geschäftsführer hat noch viel vor

Der 51-Jährige ist in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Er ist diplomierter Kaufmann und hat eine Zusatzausbildung im Maschinenbau absolviert. Berufliche Erfahrung konnte er über viele Jahre im Familienbetrieb sammeln, der in den Bereichen Metallbau und Kunststoff produzierte.

Dommer führt eine Wochenendbeziehung; seine Frau ist in Stuttgart zu Hause, und die Kinder studieren dort. Unter der Woche wohnt er in einem Mikro-Apartment in Kaufering, das als Zweitwohnung dient.

Der Geschäftsführer („Ich bin ein hemdsärmeliger Macher und packe gerne überall an“) möchte bei Schuster in Denklingen noch einiges voranbringen. Was ihn besonders reizt, ist die „schlagkräftige Truppe“.

Und vor allem, dass Maschinen so konstruiert und hergestellt werden können, dass sie für jeden Kunden am besten passen. Wenn ein großes Bauteil zweimal geordert werde, sei das bereits eine Ausnahme. Sollte eine Maschine viermal benötigt werden, sei das schon „ganz selten“.

Johannes Jais

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