Das bestehende Schutzgebiet für den Denklinger Brunnen soll mit der zweiten Brunnen-Fassung nach Norden hin ausgeweitet werden. Grafik: Hydroconsult
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Das bestehende Schutzgebiet für den Denklinger Brunnen soll mit der zweiten Brunnen-Fassung nach Norden hin ausgeweitet werden.

Denklingen erlaubt der Gennach-Hühnerbach-Gruppe eine zweite Quellfassung im Stubental

Zweiter Brunnen, aber „Denklingen first“

Auch wenn die Gennach-Hühnerbach-Gruppe (GHG) eine zweite Quellfassung in nur 120 Meter Entfernung errichtet, so bleibt das Vorrecht zur Wasser-Entnahme bei der Gemeinde Denklingen, die ihren Brunnen im Sachsenrieder Forst heuer in Betrieb nehmen wird. „Denklingen first“ lautet das Motto.

Denklingen – Ein Glas Mineralwasser aus einer Flasche „Krumbach-Quelle“ reichte Denklingens Geschäftsleiter Johann Hartmann dem Geologen Horst Tauchmann im Denklinger Bürgersaal, als der während seines Vortrags zur neuen Wasserfassung einen Hustenreiz bekam. Im ausführlichen Referat zeigte der das Vorhaben der GHG auf, die mit der Quellfassung im Staatsforst ein drittes Standbein für die Versorgung von acht Gemeinden im mittleren Ostallgäu schaffen möchte.

Die Räte waren mit großer Mehrheit dafür, dass die Gennach-Hühnerbach-Gruppe die Erlaubnis zur Grundwasserentnahme genauso beantragen kann wie die Erweiterung des Trinkwasserschutzgebietes. Nur einer stimmte mit nein: Stefan Müller, der Gemeinderat der Wählervereinigung Dienhausen.

Einzugsgebiet ist rund zehn Quadratkilometer groß

Das bestehende Schutzgebiet für den Denklinger Brunnen soll mit der zweiten Fassung für die GHG nach Norden hin ausgeweitet werden. So schilderte es Bernhard Huber vom Büro „HydroConsult“ aus Augsburg. Es gibt drei Schutzzonen; die zweite reicht im Norden künftig bis an die Straße von Osterzell nach Dienhausen heran.

Das Einzugsgebiet fürs Grundwasser ist ungefähr zehn Quadratkilometer groß. Es reicht im Süden bis in die Bidinger und Ingenrieder Gemarkung. Festgestellt wurde nach den Worten des Augsburger Geologen, dass 150 Liter Grundwasser pro Sekunde neu gebildet werden – fünfmal so viel, wie aus den beiden Brunnen entnommen werden soll.

Experte spricht von „bester Wasserqualität“

Huber, der in den vergangenen fünf Jahren die Denklinger Pläne für eine neue Fassung im Staatsforst begleitet hat, sprach von „bester Wasserqualität“. Das gesamte Einzugsgebiet sei schließlich Staatswald. Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger ergänzte, woanders sei durchaus das Problem mit hohen Nitratwerten gegeben. Das sei im Sachsenrieder Forst anders. Geologe Huber ergänzte, dass bei mancher Grundwassergewinnung der Nitratwert bei 120 bis 140 Milligramm je Liter läge. Im Staatsforst zwischen Sachsenried, Osterzell und Dienhausen liege er bei knapp zehn Milligramm je Liter.

Es habe schon in der Vergangenheit Zeiten gegeben, in denen das Wasser knapp geworden sei. Darum „erschrickt man erst mal“, wenn mal von den Plänen für einen zweiten Brunnen so nahe am eigenen höre, sagte Anton Stahl im Gemeinderat. Dass man „anfänglich“ durchaus Bedenken mit der Quellfassung der GHG hatte, räumte auch Bürgermeister Braunegger ein.

Maximale Entnahme von 30 Litern pro Sekunde und 500 000 Litern im Jahr

Auf Nachfrage von Michaela Killmann erklärte Geologe Huber, dass mit beiden Brunnen ungefähr 20 Prozent der Menge an Grundwasser ausgeschöpft werde, die im Stubental ankomme.

Wie berichtet, beantragt die GHG eine maximale Entnahme von 30 Litern in der Sekunde und maximal 500 000 Kubikmetern im Jahr. Beim 120 Meter weiter südlich liegenden Brunnen der Gemeinde Denklingen sind es 20 Liter pro Sekunde und maximal 300 000 Kubikmeter im Jahr. Das zweite Standbein für die Versorgung von Dienhausen, Denklingen und Epfach ist künftig der Anschluss an den Brunnen der Stadtwerke Schongau in der südlichen Denklinger Flur.

Die erste Bohrung im Stubental vom August 2020 sei ein „Flop“ gewesen, schilderte Geologe Horst Tauchmann. Er ist vom Ingenieurbüro „GeoUmweltTeam“ in Marktoberdorf und berät die Gennach-Hühnerbach-Gruppe. Da sei die Grundschicht nur zwischen 25 und 28 Meter tief gewesen.

Nur geringer Abfall der Grundwasser-Tiefe

Doch bei einer weiteren Bohrung nur 20 Meter weiter westlich sei man auf die Grundwasserschicht in 37 Metern Tiefe gestoßen. Man sei damit ins Zentrum der Grundwasserrinne gelangt und habe einen „Volltreffer“ gelandet. Ein weiterer Pumpversuch über einen längeren Zeitraum sei Anfang 2021 erfolgt. Das Grundwasser fließe weiter Richtung Aschtal und komme bei Lechmühlen beziehungsweise Mundraching am Lech als Quellwasser schließlich an die Oberfläche.

Bei den Pumpversuchen sei der Abfall beim Grundwasserstand nur gering gewesen, berichtete Tauchmann. Und bei einer weiteren Messstelle 600 Meter weiter südlich sei so gut wie keine Veränderung im Grundwasserspiegel festzustellen gewesen.

Gruppe braucht drittes Standbein

Beide Brunnen sind nah an der Grenze der Regierungsbezirke Oberbayern und Schwaben bzw. an der Grenze der Landkreise Landsberg und Ostallgäu. Die Denklinger Quelle, die in einigen Monaten in den Betrieb geht, befindet sich noch auf der Flur; die geplante Fassung der GHG-Gruppe ist - obwohl nur 120 Meter vom anderen Brunnen entfernt, noch auf der Gemarkung Kaltental, die dort eine Ausbuchtung nach Osten macht.

Die Wasser-GHG möchte, wie Geschäftsführer Hermann Heiß auf Nachfrage der Redaktion Auskunft gab, ein drittes Standbein aufbauen. Denn der Zweckverband steht gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt Kempten und dem Landratsamt in Marktoberdorf in der Pflicht, die bisherige Wassergewinnung komplett neu zu bearbeiten und Alternativen zu planen.

Johannes Jais

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