St.-Anna-Kirche in Burggen mit Blick Richtung Dorf
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Ein Teil der Fläche bei der Wallfahrtskirche St.-Anna soll bebaut werden. Elf Häuser könnten dort Platz finden, die Sichtachse soll aber frei bleiben. Der Entwurf für den Billigungsbeschluss fiel dennoch im Gemeinderat durch.

Aus dem Gemeinderat Burggen

Denkmalschutz hat große Bedenken

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Acht Monate liegt der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Bei der Wallfahrtskirche St.-Anna“ zurück. Das Vorhaben steht auf der Kippe: Denkbar knapp lehnte der Gemeinderat Burggen den Entwurf ab. Pikant: Das Grundstück, das die Gemeinde vom Bruder des Bürgermeisters erworben hat, ist vielleicht überhaupt nicht bebaubar, zumindest nicht aus Sicht der Denkmalschützer.

Burggen – Elf Häuser mit maximal zwei Wohneinheiten könnten auf der insgesamt 2,1 Hektar großen Fläche zwischen St.-Anna- und Hausenriedstraße, die nun überplant wird, gebaut werden. Diese Planung mit Grundstücken bis knapp an die 1000 Quadratmeter war zumindest im Juli vorgestellt worden. In gleicher Sitzung hätte auch bereits über den Billigungsbeschluss des Entwurfs abgestimmt werden sollen. Dieser war jedoch noch einmal vertagt worden, um mit Anwohnern – nichtöffentlich – zu sprechen (wir berichteten). Weil persönlich beteiligt und damit befangen – das Grundstück gehörte dem Bruder –, hatte Bürgermeister Josef Schuster eingangs der jüngsten Sitzung das Wort für den Tagesordnungspunkt Bebauungsplan bei der St.-Anna-Kirche an Vizebürgermeister Hans Welz abgegeben. Wie Schuster noch kurz erläuterte, sei man seitens der Gemeinde wegen eines Schreibens vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), das die Gemeinderäte erst über viele Umwege auf den Tisch bekommen hatten, „irritiert“ gewesen.

Das Vorhaben scheint unter keinem guten Stern zu stehen

Das Vorhaben scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Denn Dr. Thomas Hermann vom BLfD kommt laut Welz zu dem Schluss, dass „das Baugebiet aus denkmalschützerischen Gründen nicht durchführbar ist“. Die E-Mail war über die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt an Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer gelangt, der diese an Bruno Faller vom Arbeitskreis Dorfgeschichte weitergab. Erst über einen betroffenen Unternehmer, Georg Lieb, wurde offensichtlich der Inhalt auch den Gemeinderäten bekannt. „Das Schreiben war ein internes Behördenpapier und nicht für die Öffentlichkeit gedacht, nicht einmal für den Gemeinderat“, erläuterte der Bürgermeister auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten.

Die Beurteilung des Denkmalamtes ging merkwürdige Wege

Die Beurteilung des Denkmalamtes war großes Thema in der Sitzung: Als „äußerst komisch“ bezeichnete das späte Versenden Richard Lang, „weil der Inhalt meine Entscheidung durchaus beeinflusst“. Auch das Ankaufsmodell für das Baugebiet stoße ihm auf, „das machen andere Gemeinden anders“. Die Gemeinde Burggen sei finanziell in der Bredouille, müsse das Baugebiet aus finanzieller Sicht eigentlich weiterführen. „Aber die St.- Anna-Kirche ist zu schützen, sie hat ein Alleinstellungsmerkmal.“

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan erfolgte im Dezember (Plan). Hinzu kommt nun noch eine andere Zuwegung von der St.-Anna-Straße aus.

Der Gemeinderat ging das Thema sehr sachlich und nüchtern an. Verschiedene Modelle für das Baugebiet seien diskutiert worden, die Auskunft über das Ankaufsmodell von einem Schongauer Notariat gewesen. Auch habe es viele Bauwerber gegeben. „Beim damaligen Kenntnisstand haben wir keine Fehler gemacht“, so die Beurteilung Schnacks. Allerdings sei es schwierig, dieses Baugebiet zu überplanen, nicht nur wegen des Denkmalschutzes, auch die Familie Lieb müsse als Unternehmen Bestandschutz haben. Einen weiteren Aspekt nannte Schnack: Die Bauwerber hätten bereits Geld ausgegeben. „Ich möchte alle Informationen auf dem Tisch haben, um sachlich und objektiv urteilen zu können“, warb er im Gremium dafür, dem Billigungsbeschluss zuzustimmen. Der merkwürdige Gang der E-Mail mit so wichtigem Inhalt habe aber auch ihn irritiert, so Stefan Schnack. Planer Martin Eberle hätte dem nachgehen müssen.

Die Meinung im Gemeinderat war zweigeteilt

Die Räte spielten sich die Bälle pro und contra Baugebiet abwechselnd zu. Thomas Kirchhofer sei von dem Gespräch mit den Anwohnern „sehr betroffen“ gewesen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die künftigen Bewohner dort klarkommen mit dem Gewerbe, das kann nicht gut laufen.“ Außerdem würden landwirtschaftliche Flächen ohne Zustimmung überplant. Gabi Höfler wiederum fand, dass immer alle Seiten gehört werden müssten, nicht nur die Anwohner, sondern auch die Bauwerber. Und sie lobte die Arbeit des Planers: „Wenn man den Abstand zu St.-Anna betrachtet, hat Herr Eberle sicher ganz sensibel geplant.“ Die Bürger sollten in Burggen bleiben können, und nicht wegziehen müssen.

Mit 6:6 Stimmen wurde der Entwurf abgelehnt und es kommt – zumindest vorerst – nicht zur Auslegung. Der Architekt wurde aufgefordert, das weitere Vorgehen mit der Gemeinde zu besprechen. Voraussichtlich soll Ende August erneut über die Planung diskutiert werden.

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