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"Die erste Vikarstelle ist wie die erste Liebe"

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Hansgeorg Bauer
ist Oberkirchenrat und seit 1960 in Peiting.
Hansgeorg Bauer ist Oberkirchenrat und seit 1960 in Peiting.

Peiting - „Das ist wie mit der ersten Liebe, da erinnert man sich ewig daran“, scherzt Oberkirchenrat Hansgeorg Bauer. Warum sein Dienstantritt in Peiting an einen James-Bond-Film erinnert:

Als Hansgeorg Bauer 1960 von der evangelischen Landeskirche nach Peiting beordert wurde, wartete gleich eine große Herausforderung.

Frisch nach dem Studium wurde er mit dem Bau der Christuskirche betraut. Seinen Dienstantritt kann man sich ein bisschen so vorstellen wie eine Szene aus einem James-Bond-Film. Während seines Ökumene-Stipendiatenjahr in Thessaloniki erreichte ihn im August in Athen die Nachricht, dass er zum September eine Stelle in Peiting antreten sollte.

„Ich bin erst einmal in die deutsche Botschaft gegangen und habe mir dort in einem Atlas angeschaut, wo das liegt. Den Namen hatte ich noch nie gehört“, erinnert sich Bauer, der bei Neu-Ulm geboren ist und in München studiert hat. Als er sich dann beim Dekan in Weilheim vorstellte, überraschte der ihn mit der Frage: „Verstehen Sie was vom Bauen?“ Auf seine ehrliche Antwort, dass er davon nichts verstehe, wurde er beschieden: „Dann werden Sie es lernen.“

Eine Herausforderung, der sich Bauer damals gerne stellte. „Ich fand das alles schön und aufregend“, blickt er zurück. Das aufregende Abenteuer wurde aber angesichts der bestehenden Kirche schnell von der Realität eingeholt. Bauer: „Mitten in Peiting lag eine große unbebaute Wiesenfläche, auf der tatsächlich die Kühe des benachbarten Bauern weideten. Und am Südrand des großen Areals stand eine kleine, unscheinbare Holzbaracke, Überbleibsel vom Militär aus dem Krieg, nun von Stürmen gegerbt und von der Sonne verbrannt. Nur das etwas schief angenagelte Holzkreuz am Dachfirst ließ auf die Bedeutung schließen.“

Für die neue Kirche existierte zwar ein Beschluss, Geld war aber keines da. Die Finanzierung stand sozusagen noch in den Sternen. Zuschüsse mussten beantragt werden. Darüber hinaus waren ehrenamtliche Helfer mit frisch gedruckten Handzetteln und der Architektenzeichnung unterwegs, um Bettelbesuche zu machen und Spenden zu sammeln. Ein Pfarrhaus existierte damals noch nicht, sondern es wurde ein Zimmer für den Vikar angemietet. „Witzigerweise wohnte ich als Vikar bei der Familie Vikario in der Ammergauer Straße.“

In Erinnerung geblieben ist ihm der damals noch unverbaute Blick von seinem Fenster auf den Hohen Peißenberg, was besonders im Winter ein imposanter Anblick war. Ebenfalls in Erinnerung geblieben sind ihm seine Schüler im Religions- und Konfirmandenunterricht. Ein Thema, das ihn auf seiner weiteren Berufslaufbahn begleitet hat. Nach der Vikarstelle in Peiting trat er seine erste Pfarrstelle in der Nähe von Bamberg an, anschließend wurde er ans Landeskirchenamt in München berufen, wo er als Rektor des Predigerseminars für die Ausbildung zuständig war. Die letzten zwölf Jahre seines Berufslebens verbrachte er in Stuttgart, wo er bei der baden-württembergischen Landeskirche als Oberkirchenrat für Bildung, Schule, Erziehung und Jugend zuständig war. Seit seiner Pensionierung lebt Bauer in München.

Diesen Sonntag, 22. Januar, um 10 Uhr, hält Hansgeorg Bauer den Jubiläums-Gottesdienst mit Abendmahl, musikalischer Umrahmung durch den Schongauer Posaunenchor und anschließendem Kirchenkaffee in der Christuskirche ab. Er hofft auf bekannte Gesichter.

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