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Der alte Fiat hat alles geschafft – auch Pässe wie hier auf 4655 Meter. (v.l.) „Wolle“, „Seven“ und Finks“.

Drei Burggener auf Tajik-Rallye

„Germanski, muuuh, muuuh!“

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Burggen - 10 538 Kilometer durch zehn Länder. Durch Geröll, über Schotterpisten – mit Ziegen-Burger und kasachischen Bekanntschaften der Extra-Klasse. Drei junge Burggener haben in 19 Tagen die Tajik-Rallye – ein Autorennen von München nach Tadschikistan – gemeistert. Ein unvergessliches Abenteuer, ein irre menschliches Erlebnis.

Ab Kasachstan ging es nur noch mit Offroad-Reifen. „Da gab’s Schlaglöcher – da hättest du einen Lkw verstecken können“, sagt Sven Berchtold („Seven“). Noch heute, drei Wochen nach dem Erlebnis, muss er den Kopf schütteln. Wenn man’s nicht selbst gesehen hat, kann man sich’s einfach nicht vorstellen, sagt er. „Ein Feldweg bei uns, das ist dagegen eine Autobahn.“

10 538 Kilometer, von München durch den Ostblock nach Zentralasien. Durch zehn Länder: Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Georgien, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan. Die Reise haben sie angetreten mit einem 15 Jahre alten Fiat Marea Weekend. Eine 350-Euro-Schrottkiste.

196 000 Kilometer hatte das Auto vor der Abreise auf dem Tacho. Selbst repariert schaffte die Karre noch die ganze Strecke bis Tadschikistan. Komplett pannenfrei. Der Super-Gau ist ausgeblieben. Die drei Burggener haben es sogar als neunte Mannschaft von insgesamt 39 Rallye-Teilnehmern ins Ziel geschafft. Respekt!

Die Route der drei Burggener führte durch zehn Länder.

Zu verdanken ist das nicht ihrer übergroßen Freundschaft (ja, die ist tatsächlich durch die beengten Umstände mit 13 Übernachtungen im Mini-Auto noch gewachsen!). Michi Finkenzeller („Finks“, 23), „Seven“ (23) und Ulli Wohlfahrt („Wolle“, 25) haben sich schnell ein System ausgeklügelt, wie man sich durchschlägt – durch insgesamt 38 Polizei- und vier Militärkontrollen. „Wir haben nach ein paar Mal ein richtiges Theaterstück aufgeführt“, schildert Sven. Der Fahrer bleibt sitzen, die Beifahrer steigen aus. Schütteln kräftig Polizisten- und Militär-Hände. Und lassen die Uniformierten vor ihrem Boliden mit Stierkopf für einen heiß-begehrten Selfie posieren. Dabei rufen die Burggener so oft wie möglich: „Germanski Muuuuh, muuuuuh!“ Mehr als 40 Mal sind sie so ohne Schmiergeld weitergekommen und haben auf ihrem Auto immerhin die Unterschriften von 50 Polizisten und Militärs gesammelt.

"Bergziege" für guten Zweck versteigert

Der Fiat wurde übrigens inzwischen für einen guten Zweck in Tadschikistan versteigert. Ein bisschen traurig ist das schon – der treue Begleiter für kleines Geld, er hat zum Abschied nur leise Servus gesagt. Und sich einen Namen gemacht. „Bergziege“, so der Spitzname, den sich der Fiat auf holprigem Gelände hart erarbeitet hat. 980 Kilometer hat er sogar mal an einem Tag geschafft. Durch Bulgarien und die Türkei. Aber auch mal nur 125 Kilometer. In neun Stunden. Kurz vor der Ziellinie. Der letzte Weg in Tadschikisten sollte einer der schwersten werden. Aber was ist schon schwer?

Noch schwerer ist den Dreien vielleicht der Schafs-Burger in Kirgistan im Magen gelegen, dessen Bestandteile erst im Mund ihren vollen Geschmack und ihre tierische Herkunft entfaltet haben.

Abenteuerlich war es schon zuvor: In Rumänien haben die drei einen Braunbären auf dem Parkplatz getroffen. Die meisten menschlichen Begegnungen hatten sie in Kasachstan. Der Familienvater, dem sie kurzerhand die Ölwanne vom Lader reparierten und im Haus schlafen durften – eigentlich wollten sie nur nach dem Weg fragen. Oder der Kasache, der ihnen hausgebrannten kasachischen Vodka servierte und die Frau schimpfte laut fluchend aus dem Schlafzimmer – ungesehen versteht sich. Sprachkurs inklusive.

Kasachstan: Beim Aufwachen liegen die Haustiere im Bett

Schlafen bei kasachischen Spontan-Gastfamilien: Das ist ein Erlebnis für sich. Beim Aufwachen liegen die Haustiere mit im Bett. Kein Strom kein Licht. „Glenleiten is nix dagegen.“

13 Nächte genießen die drei das Sardinen-Gefühl der Freiheit im Meriva. Im Kofferraum. Mit improvisiertem Bett und Plane über der Heckklappe. Hinzu kommt: Autogefahren wird vom Morgengrauen bis in die Abenddämmerung. Der Freundschaft der „Black Foxes“ hat das keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: „Es hat uns zusammengeschweißt.“

Nach dem Treffen mit den Schongauer Nachrichten stehen sie noch in der Landtechnik-Werkstatt, dem Treffpunkt in Burggen. Heimgehen? Von wegen. „Wir müssen das nächste Projekt besprechen“, sagt einer augenzwinkernd. Eine Rallye am Nordkap, durch Afrika, Südamerika. Die Gedanken sind frei. „Wir müssen erstmal schauen, ob unsere Frauen das mitmachen“, sagt Sven. Die haben sich bereits per What’sApp-Gruppe zusammengeschlossen. Die „Strohwitwen“. Man hat den Eindruck: So schnell sollten die Damen die Gruppe nicht schließen.

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