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Ein 24-Meter-Trumm ist der Herzogsägmühler Maibaum, den die Rottenbucher gestohlen und jetzt wieder zurückgebracht haben.

Zum dritten Mal in Herzogsägmühle

Rottenbucher stehlen ihren Lieblings-Maibaum

Herzogsägmühle/Rottenbuch – Aller guten Dinge sind drei: Die Rottenbucher haben ihren Lieblings-Maibaum in Herzogsägmühle gestohlen - aus luftiger Höhe, aber unbewacht.

Die Rückgabe des Herzogsägmühler Maibaums, den eine Gruppe aus Rottenbuch vor mehr als einer Woche gestohlen hatte, glich am Mittwochabend einem Triumphzug. Vorweg gesichert mit einem Löschfahrzeug, ein zweites dahinter, und begleitet von einer langen Pkw-Schlange, bewältigte der Bulldog mit Adalbert Neuner die Steige an der Schnaidberger Alm. Im Schlepptau der knapp 24 Meter lange Baum, eingewickelt in Folien als Schutz. Wo vor anderthalb Wochen noch Verschwiegenheit und Heimlichkeit angesagt waren, schalteten die Kameraden an Engstellen wie im Peitinger Kreisel auch schon mal das Blaulicht ein, wurde der Verkehr sanft zum Anhalten oder Ausweichen bewogen, damit der Schlepper mit seiner kostbaren Fracht ungehindert passieren kann.

Direkt nach der Bürgerversammlung zugeschlagen

Direkt nach der Bürgerversammlung, erinnert sich Rottenbuchs Bürgermeister und „Mit-Dieb“ Markus Bader, habe man sich im Feuerwehrhaus getroffen, um sich zu besprechen. Ein Erkundungstrupp hatte die Kunde mitgebracht, wo der Maibaum, der heuer in Herzogsägmühle aufgestellt werden soll, lagert. Nach einem telefonischen Rundruf ging es dann spätnachts mit zwei Dutzend Helfern los. Gut vier Meter über dem Boden hatten die Herzogsägmühler ihren Baum gelagert, der dann mit Gurten und Seilen nicht nur hinabgelassen, sondern auch gleich noch gedreht werden musste, ehe man ihn auf die Lafette verladen konnte. Dabei betätigten sich die Diebe gleich noch als Hofhelfer: Zwei Ballen Heu bekamen die Angusrinder, die in der gleichen Scheune stehen, damit sie ruhig sind.

Aber auch so müssen die Diebe aufpassen. Mit seinem Bulldog kann Adalbert Neuner nur bis auf einige 100 Meter ranfahren. Sieht aber seine Kumpane von dort schon bei der Arbeit, durchschneiden doch die Lichtstrahlen ihrer Taschenlampen die Nacht. „Auch der Holzboden hat ordentlich geknarrt“, erzählt Markus Bader, der damals in Anzug (von der Bürgerversammlung) und Gummistiefel ein kurioses Bild abgibt.

Doch trotz allem, niemandem fällt der Transport auf, der sich nun in Richtung Rottenbuch in Bewegung setzt. Nur die Aufklärer wären beinahe geschnappt worden, gerieten sie doch in Peiting in eine normale Polizeikontrolle, bei der sie gefragt wurden, wo’s denn so spät noch hingehen soll. Auch der Weg durch Peiting verläuft ohne Probleme, immerhin könnte jetzt noch jemand den Diebstahl aufhalten.

Morgens um drei Uhr waren die Diebe wieder daheim

Um drei Uhr morgens erreichten die Rottenbucher mit ihrer Fracht den Heimatort. Erst durch die Mail, die Neuner der Herzogsägmühler Feuerwehr schickt, bemerkt man dort den Verlust. So bekommt Kommandant Daniel Comtesse den Auftrag, sich um die Wiederbeschaffung zu kümmern – Anweisung vom Direktor persönlich. Immerhin ist es schon das dritte Mal, dass die Rottenbucher den Maibaum der Herzogsägmühler stibitzen.

Wie es Tradition ist, werden die Diebe zu einem Essen eingeladen. Wenn sie den Baum bringen, gibt es Bier für alle. Aus diesem Grund, gesteht Comtesse, sei er eigentlich Kommandant und nicht Vorstand geworden, weil er sich um so etwas nicht kümmern will. Und erklärt auch, warum die Diebe leichtes Spiel hatten: „Hier ist doch nachts keiner.“ Und außerdem fehle es an den Vereinen, die sich die Nachtwachen teilen könnten. Dass der Baum aber auch in Rottenbuch nicht in Sicherheit war, weiß einer der Kameraden zu berichten. Man habe verdächtige Gestalten auf den Aufnahmen der Wildkamera entdeckt.

Wiedersehen werden sich die rechtmäßigen und kurzzeitigen Besitzer des Maibaums am 1. Mai. Dann werden die Rottenbucher beim Aufstellen helfen und dafür üppig bewirtet werden. Wenn sie nicht zwischendurch noch einen anderen Maibaum in ihren Gewahrsam gebracht haben.

Oliver Sommer

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