Ein Erinnerungsbild überreichte Vorstand August Sieber (links) an Pfarrer Günther Bäurle.

Dunkle Wolken über dem Ulrichsritt

Steingaden - Man musste gestern beim Ulrichsritt schon mit dem Schlimmsten rechnen. Doch am Ende hatte der Sturm alle Wolken vertrieben, und es herrschte wieder strahlender Sonnenschein auf dem Kreuzberg südlich Steingaden.

„Schauen wir auf den Heiligen Ulrich und erkennen, was in unserer Gegenwart wichtig ist.“ Pfarrer Günther Bäurle appellierte an die über 1000 Gläubigen bei seinem letzten Ulrichsritt, am überlieferten Brauchtum festzuhalten. Das gebe dem Leben Strukturen und zeige bei der Pferdeprozession deutlich auf, „dass wir mit anderen Geschöpfen verbunden sind“. Pfarrer Bäurle wörtlich: „Wir brauchen für unser Leben Verwurzelung, was will ich, wo will ich hin?“

Dass sie an ihrer Tradition festhalten, beweisen die Steingadener alljährlich beim Ulrichsritt. Mit Ausnahme von 1984, als wegen der Maul- und Klauenseuche der Ritt ausfallen musste, sind sie bisher bei jedem Wetter geritten. So waren die Bauern wiederum schon früh aufgestanden und hatten den Blumenschmuck in die Mähnen und Schweife ihrer Pferde - gestern waren es 96 - geflochten.

Ebenfalls zeitig auf den Weg machte sich das Team des Bayerischen Fernsehens. Markus Sturm wird in der Dokumentarreihe „Bayern feiern“ am Samstag, 15. September, über den Ulrichsritt berichten. Mit Kameramann Stefan Spoo und Tontechniker German Strigl war er unermüdlich im Einsatz.

Über Jahrzehnte im Einsatz waren Leo Eicher und Georg Riesemann, deshalb durften sie heuer zusammen mit Bürgermeister Xaver Wörle und stellvertretender Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der Ehrenkutsche Platz nehmen. Leo Eicher ist selbst 27 Jahre mitgeritten, ehe er als Feuerwehrkommandant für die Organisation Verantwortung trug. Die Familie von Georg Riesemann stellt nun schon seit 18 Jahren das Pfarrerross. Sicherlich trug die brave Stute „Ramona“ mit dazu bei, dass Günther Bäurle die Tradition der Pfarrer von Steingaden fortsetzte und selbst 13 Jahre mitritt. Dafür bekam er nun zu seinem Abschied von Vorstand August Sieber ein Erinnerungsbild, gemalt von Johanna Strauß.

Bäurle erinnert sich gerne an die Zeit in Steingaden zurück, auch wenn der Abschied etwas zu stürmisch ausfiel. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Noch nicht ganz oben angekommen, zogen schwarze Wolken auf und ein heftiger Sturm setzte ein. Gar manchen Reiterhut wehte es davon und am Altar Bücher weg, und selbst das Kreuz fiel um. Da musste während der Eucharistiefeier kurzfristig die Entscheidung gefällt werden, den Gottesdienst auf eine Wortgottesfeier zu verkürzen. Zu groß war die Gefahr, dass es auch den „Leib Christi“ wegweht.

Viele der Gläubigen warteten auch nicht ab, bis die Reiter nach der Benediktion dreimal um die Kirche geritten waren. Sie traten schon vorher den Heimweg an, ganz in der Sorge, nass zu werden. Doch nach der Veranstaltung zeigte sich der Kreuzberg vor der traumhaften Kulisse wieder von seiner schönsten Seite. gerhard heiss

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