Die Wieskirche im Süden und die Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg sprechen gegen einen Windpark südwestlich von Peiting.
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Die Wieskirche im Süden und die Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg sprechen gegen einen Windpark südwestlich von Peiting.

Mehrere K.o.-Kriterien

Zu hoch für das Wetterradar: DWD versetzt Windpark-Plänen in Peiting den Todesstoß

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Die Pläne für den Bau von drei Windrädern auf den Köpfinger Wiesen stehen endgültig vor dem Aus. Die Unesco, die die Wieskirche als Welterbe schützen will, ist aber nicht allein schuld daran. Nach Angaben von Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder gibt es weitere K.-o.-Kriterien. Am schwersten wiegt ein Wetterradar auf dem Hohen Peißenberg.

Peiting – Die Nachrichten sind noch so frisch, dass sie für die anstehende Gemeinderatssitzung zu spät gekommen sind. Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder wird nun erst am 22. Juni in aller Ausführlichkeit erläutern, warum der westlich von Kurzenried geplante Windpark vor dem Aus steht.

Planer rät vom Weitermachen ab

Der Planer hat dem Rathauschef mitgeteilt, dass die drei Windräder wohl keine Chance mehr haben: „Wir empfehlen, keine weiteren Planungsschritte zu unternehmen“, bekam es Ostenrieder schwarz auf weiß. Damit hat die Bürgerwind Pfaffenwinkel GmbH nicht nur tausende Stunden Arbeit vergeblich investiert. Laut Peitings Rathauschef Ostenrieder kratze man beim eingesetztes Kapital bereits an einer halben Million Euro.

Landrätin fürchtete um Status des Weltkulturerbes

Dabei sah es zuletzt noch danach aus, als könne mit der Unesco vielleicht doch noch ein gemeinsamer Weg gefunden werden. Wie mehrfach berichtet, hatte sich die in Paris ansässige Organisation quergestellt, weil sie um das landschaftlich-kulturelle Umfeld der knapp elf Kilometer entfernten Wieskirche fürchtete. „Sobald von der Wieskirche aus auch nur ein Stück Flügel zu sehen ist, fällt der Status des Weltkulturerbes weg“, warnte Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Oktober vergangenen Jahres im Umweltausschuss des Kreistages.

Wirtschaftsministerium bringt kommunales Denkmalkonzept ins Spiel

Vor allem die Grünen wollten aber nicht so schnell klein beigeben. Deren Landtagsabgeordnete Andreas Krahl sorgte mit einer Anfrage dafür, dass das Bayerische Wirtschaftsministerium „die Vereinbarkeit von Windkraftanlagen mit der Welterbestätte Wieskirche“ prüft. In einem achtseitigen Schreiben kam das Ministerium letztlich zu dem Ergebnis, dass ein kommunales Denkmalkonzept das geeignetste Mittel dafür wäre. „Ein solches Verfahren wäre aus denkmalpflegerischer Sicht im Fall der Wieskirche und ihrer Raumwirksamkeit wünschenswert“, heißt es in dem Schreiben.

Geschütze Vogelarten in Gefahr

Das Verfahren können sich die Beteiligten jetzt aber wohl sparen. Denn laut Peter Ostenrieder gibt es neben der „Riesenbaustelle Denkmalschutz“ auch noch zwei andere K.-o.-Kriterien. Eines davon ist seinen Worten nach der Artenschutz und dabei insbesondere der Rotmilan samt anderer Vogelarten, die offenbar zu tausenden rund um die Köpfinger Wiesen nisten.

Ein neues Vogelschutzsystem, das in einem Pilotversuch an Windrädern im Hofoldinger Forst bei München und im Fuchstal zum Einsatz kommen soll, ist für Peiting jedenfalls nicht geeignet, hat der Bürgermeister erfahren. Der Grund: Bei der Menge an Vögeln würde ein Sensor so oft anschlagen, dass die Windräder ständig still stünden.

Drittes K.o.-Kriterium wiegt am schwersten

Das dritte K.-o.-Kriterium wiederum wiegt laut Ostenrieder am schwersten: Es kommt vom Deutschen Wetterdienst (DWD), der auf dem nahen Hohen Peißenberg ein Wetterradar betreibt. Nach Angaben des Bürgermeisters wären die DWD-Experten bei einer maximalen Windradhöhe von 210 Metern (Turm plus Rotorblatt) noch mitgegangen. Aufgrund des Anfang 2021 geänderten Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) sind neue Windräder in der Regel nun allerdings 240 bis 250 Meter hoch. Kleinere können kaum mehr wirtschaftlich betrieben werden.

Gemeinde hätte das Projekt gerne durchgezogen

In der Summe spricht letztlich also alles gegen einen Windpark auf den Köpfinger Wiesen. Rathauschef Ostenrieder bedauert das sehr. Er betont, dass die Gemeinde das Projekt gerne mit der Bürgerwind Pfaffenwinkel GmbH durchgezogen hätte. „Wir haben einen Teilflächennutzungsplan, wir stehen dazu“, macht er klar. Nach den Beratungen im Peitinger Gemeinderat am 22. Juni wird das Thema dem Landkreis übergeben. Er ist laut Ostenrieder auch offiziell zuständig. Die GmbH will der Rathauschef aber nicht im Regen stehen lassen. „Es gibt ja einen guten Kontakt zur Gemeinde“, sagt Ostenrieder. Man könne sich mit „alternativen Projekten“ beschäftigen. Details dazu nennt der Peitinger Bürgermeister bislang aber noch nicht.

GmbH plant Alternative, schreibt Windenergie aber noch nicht ab

Dass etwas Alternatives zu den Windrädern geplant ist, lässt auch Franz Schwaiger von der Bürgerwind Pfaffenwinkel GmbH durchblicken. Die Windkraft will Schwaiger aber trotz der vielen Hindernisse noch nicht zu den Akten legen. „Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken, unsere Zeit wird noch kommen“, ist sich der GmbH-Chef sicher. Er hoffe auf ein politisches Umdenken, „wenn der Druck aus der Öffentlichkeit größer wird“.

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