Die markanten Bögen der Echelsbacher Brücke sollen erhalten bleiben, der Rest wird neu gebaut. 30 Meter weiter südlich soll eine Behelfsbrücke den Verkehr aufnehmen. foto: archiv bse-pictures

Echelsbacher Brücke

Sanierung oder Abriss? Beides!

Rottenbuch - Lange wurde diskutiert, was mit der Echelsbacher Brücke passieren soll. Instandsetzen oder doch abreißen? Die Entscheidung:

Die Bögen sollen erhalten bleiben, der Rest wird abgerissen. „So etwas ist in ganz Bayern noch nicht gemacht worden“, betont Karl Goj von der Obersten Baubehörde in München.

So ein aufwändiges Dialogverfahren hatte es beim Staatlichen Bauamt in Weilheim noch nicht gegeben. Um allen Beteiligten gerecht zu werden, wurden die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden sowie Natur- und Denkmalschützer regelmäßig zu gemeinsamen Treffen eingeladen. Völlig ergebnisoffen wurde unter der professionellen Leitung von Wirtschaftmediator Markus Michalka diskutiert, insgesamt sechs Treffen gab es seit vergangenen Mai. „Die Atmosphäre war extrem konstruktiv, ich musste nie eingreifen“, lobt der Fachmann.

Dabei waren die Probleme schwer unter einen Hut zu bringen. Eine längere Sperrung der Echelsbacher Brücke wollten die Gemeinden nicht hinnehmen, das hätte auf der wichtigen Verbindung vom Schongauer Land ins Ammertal ein Verkehrschaos gegeben. Immerhin fahren täglich mehr als 9000 Fahrzeuge über die Brücke, davon mehr als sieben Prozent Lkw. Schon bei der dreitägigen Kontrollsperrung für schwere Lkw vergangenen September herrschte teilweise Chaos, berichtete Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim: „Obwohl wir den Schwerlastverkehr weiträumig umgeleitet haben, standen täglich 50 bis 60 Lastwagen vor der Brücke und wollten drüber.“ Neben dem Schleichweg über Morgenbach nutzten viele den Umweg über Pischlach und Rottenbuch, wo der niedrige Torbogen am Kloster ein Hindernis darstellt.

Strikt gegen einen Abriss waren die Denkmalschützer, auch dem Bauamt war nicht wohl dabei. Schließlich ist die 1929 erbaute Echelsbacher Brücke mit 182 Metern die längste Melan-Bogenbrücke der Welt und denkmalgeschützt. Und weil die komplette Ammerschlucht und ein Bogenstück der Brücke, in der die Fledermausart Großes Mausohr brütet, ein FFH-Gebiet sind, mahnten die Naturschützer vor allzu großen Eingriffen.

So kamen die Verantwortlichen im Dialogverfahren auf die ungewöhnliche Misch-Lösung. „Wir werden 30 Meter südlich eine Behelfsbrücke errichten. Damit entfällt eine Sperrung, die Gemeinden waren über diese Lösung sehr froh“, sagt Michalke. Und den Denkmalschützern, stellte sich heraus, geht es nicht unbedingt um die ganze Brücke, sondern vor allem um die markanten Bögen. „Deshalb bleiben die erhalten, nur der Rest der Brücke wird abgerissen und neu gebaut.“ Und die Eingriffe in die Natur sollen so gering wie möglich gehalten werden.

Karl Goj, der laut Kordon oberste Brückenbauer des Freistaats, sagte, im Innenministerium sei man mit der gefundenen Lösung „sehr zufrieden“. Die Bögen können beim Teil-Neubau statisch mit einbezogen werden oder als reine Dekoration verbleiben. Noch im März soll ein europaweiter Architektenwettbewerb gestartet werden, unter allen Vorschlägen werden sieben Büros ausgewählt, die in die Detailplanung gehen. Ende des Jahres soll ein Preisgericht, an dem auch Vertreter der Gemeinden beteiligt sind, einen Gewinner küren. „Wir sind schon gespannt, was für Lösungen da präsentiert werden“, sagt Goj.

Bis tatsächlich mit dem rund zweieinhalb Jahre dauernden Bau begonnen wird, alle Genehmigungen da sind, werden sicher noch fünf Jahre vergehen, glaubt Goj. „Und das ist ein sportlicher Zeitplan.“ An der Finanzierung - grob geschätzt werde die Teil-Sanierung 15 Millionen Euro kosten - werde es sicher nicht scheitern, die dürfte kein Problem sein, so Goj.

Heikler sind noch einige offene Fragen. So müssen für die Behelfsbrücke massive Bodenfundamente für die 30 und 60 Meter hohen Brückenpfeiler einbetoniert werden. „Ein Standort ist noch strittig“, gab Goj zu. Doch grundsätzlich sei die direkte Nähe zur bestehenden Brücke perfekt, weil das der ideale Standort sei. Und die Fledermäuse können weiter in den Bögen nisten: Die stören die Bauarbeiten nicht, heißt es.

(bo)

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