Laden statt tanken: Der Wessobrunner Bürgermeister Helmut Dinter, Marcus Reichenberg, der Schongauer Stadtrat Siegfried Müller, Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl und Professor Stefan Emeis sind von Elektroautos überzeugt. Foto: Schubert

Elektro-Mobilität auch auf dem Land möglich

Wies - Optimismus herrschte am vergangenen Samstag beim Wieser Zukunftsforum zum Thema „Wir bewegen uns! Was ist der Preis der Mobilität?“. 30 Teilnehmer zählte die Veranstaltung in der Landvolkshochschule.

Die konventionellen Fahrzeuge, die fossile Treibstoffe brauchen, Kohlendioxid produzieren und so zum Klimawandel beitragen, können nach Einschätzung der Teilnehmer schon heute durch Elektroautos ersetzt werden. Außerdem könnten integrierte Verkehrssysteme den Individualverkehr mit all seinen negativen Folgen reduzieren.

Dass die Elektro-Mobilität auch auf dem Land möglich ist, hat laut Professor Peter Sperber das Projekt „E-Wald“ bewiesen. Im Bayerischen Wald haben sich sechs Landkreise und 87 Gemeinden an einer Gesellschaft beteiligt, die 180 Autos und 100 Ladesäulen betreibt. Die Autos, die dauerhaft oder für einzelne Fahrten gemietet werden können, haben insgesamt rund 1000 Nutzer.

Laut Sperber sind die Fahrer begeistert von den Autos: „Wer einmal Elektroauto gefahren ist, will es nie mehr hergeben.“ Probleme, etwa mit der Reichweite, sähen nur die, die keine Erfahrung hätten. Die Praxis habe gezeigt, dass Elektroautos alltagstauglich sind. Nur für lange Urlaubsfahrten seien sie nicht geeignet. Der Urlaubstipp des Professors: „Geh zum Autovermieter und hol dir einen Diesel - oder fahr mit dem Zug.“

Für Marcus Reichenberg, der selbst ein Elektroauto fährt, spielt noch ein ganz anderen Gesichtspunkt eine Rolle: „Elektroautos sind längst zum Lifestyle-Produkt geworden.“

Aber auch wirtschaftlich sinnvoll sind diese Autos, wie Sperber vorrechnete. Bei gemeinsamer Nutzung im Verband eines Carsharings würden die Vollkosten bei 250 Euro im Monat liegen. Hinzu komme noch ein wirtschaftlicher Nutzen für die Region. Der Strom für die Autos könne aus Sonnenenergie erzeugt werden, es würde also kein Geld - für den Kauf von Benzin oder Diesel - aus der Region abfließen.

Karl-Heinz Grehl sieht die Schuld am langsamen Vorankommen der Energiewende, zu der auch Elektroautos beitragen, bei Politikern. „In der großen Politik versagt man vor sich hin“, so der Vize- Landrat. Er fordert: „Man muss auch mal politisch einen Arsch in der Hose haben, um in der Energiewende etwas voran zu bringen.“ Aber auch jeder einzelne Bürger könne etwas tun. „Wer nicht fliegt, hat seinen Beitrag zum Klimaschutz schon geleistet“, so Grehl, seit 1998 Stammgast beim Zukunftsforum.

Die mangelnde Bereitschaft, Neues zu wagen, sieht Matthias Groher von „Institut neue Mobilität“ als Risiko für die Wirtschaft in Deutschland. „Wir werden rechts und links überholt“, so Groher, „und merken es nicht einmal.“ Wenn sich nichts ändere, würden ostasiatische Länder das Rennen um die Elektro-Mobilität für sich entscheiden.

Die Kommunen zeigen noch wenig Interesse an dem Thema. Nur eine machte die Ausnahme. „Wessobrunn ist ein Vorbild“, so die Moderatorin Sylvia Hindelang, „die sind gleich mit Bürgermeister und drei Gemeinderäten da.“

sts

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