Seinem Freund und Ideengeber Friedrich Petz erklärt Hermann Ungurean (links) die Funktionsweise der Wegfahrsperre. Wie beim Auto könnte künftig das Fahrrad per Fernbedienung gegen unbefugtes Wegfahren gesichert werden. foto: os

Elektronische Wegfahrsperre fürs Fahrrad

Lechbruck - Die Idee hatte der Lechbrucker Metzgerwirt. Seine radelnden Gäste würden am liebsten ihren Drahtesel am Tisch anketten. Könnte man nicht ein Schloss erfinden, so Friedrich Petz, dass das Tretlager blockiert.

Diese fixe Idee ließ Hermann Ungurean nicht mehr los. Der Lechbrucker tüftelte und hat jetzt die elektronische Wegfahrsperre fürs Fahrrad zum Patent angemeldet. Man könne es zwar noch entwenden, aber „fahren kann man damit nicht mehr“. Die Idee, die Hermann Ungurean umgesetzt hat, ist so simpel wie genial. Ein Metallbolzen blockiert bei aktivierter Sperre das Tretlager, nur mit Hilfe der Fernbedienung lässt sich die Sperre lösen, nur dann kann man wieder radeln. Und wer versucht, die Wegfahrsperre zu knacken, so Ungurean, der zerstört das komplette Fahrrad. Einen guten Monat habe er gebraucht, nachdem ihm sein Freund von der Idee erzählt und ihn gefragt hatte, ob er sich nicht dazu Gedanken machen könne. Ungurean ist Bastler und Tüftler, besitzt selbst bereits mehrere Patente und restauriert leidenschaftlich alte Autos. Eine seiner Erfindungen, die wir täglich nutzen, ist das Pfandschloss an Einkaufswagen. Mehr als zehn Millionen hat er davon europaweit installiert. Irgendwann allerdings zog sich der studierte Maschinenbauer in den Ruhestand zurück und widmet sich seitdem der Familie und alten Autos. Gerade ist er dabei, ein Borgward Isabella Coupe herzurichten. Was ihn allerdings nicht hindert, eine Wegfahrsperre zu erfinden, die es so noch nicht gibt. Das hat er mittlerweile recherchieren lassen. Keines der weltweit zirka 150 Fahrradschlösser ist so wie die jetzt vorgestellte Erfindung. Die macht das Fahrrad für Diebe quasi wertlos. Man könne es zwar trotzdem noch klauen und mankönne das Rad auch noch rollen und lenken. Fahren könne man damit aber nicht mehr.

Eine Zeichnung beschreibt, wie sich der Erfinder das Schloss vorstellt. Man könne es ab Werk einbauen oder nachträglich, das mache keinen Unterschied. Mit speziellen Nieten wird das Schloss am Rahmen befestigt, ein Mechanismus drückt den Bolzen in eine Bohrung im Tretlager. Ein elektromagnetischer Motor gibt diesen Bolzen nach einem Funksignal wieder frei, eine kleine Lithiumbatterie, die beim Treten wieder aufgeladen wird, versorgt den Motor mit Strom. Ein Sicherungsstift soll eine unbeabsichtigte Sperre beim Fahren verhindern. Um das Schloss vom Rahmen zu lösen oder den Schließbolzen, bräuchte man schon eine Flex, ist Ungurean sicher. Damit aber würde man den Rahmen irreparabel zerstören, das Rad werde als Diebesgut wertlos.

Jährlich werden etwa 360 000 Fahrräder allein in Deutschland gestohlen, hat Ungurean ermittelt. Wobei fast jedes Schloss, besonders die Kabel- und Kettenschlösser, problemlos zu knacken sind für die Diebe. Die Wegfahrsperre dürfte ab Werk etwa so teuer sein wie ein hochwertiges Kabelschloss. Etwa 100 Euro, schätzt der Lechbrucker. Der nachträgliche Einbau werde vielleicht 250 Euro kosten und müsste von einem Fachbetrieb durchgeführt werden. Was angesichts der Preise für ein gutes Mountain- oder Elektrobike nicht ins Gewicht falle. Außerdem hat Ungurean dafür gesorgt, dass man ein entwendetes Fahrrad jederzeit mittels GPS wieder aufspüren kann.

Damit, so der Bastler, könne man der Polizei sagen, wo das Fahrrad steht, sollte es trotz Wegfahrsperre gestohlen worden sein. All diese Punkte hat sich der Erfinder mittlerweile schützen lassen, nun hat er ein Jahr Zeit, auf dieses Gebrauchsmuster ein Patent anzumelden. Gespannt ist Ungurean, inwieweit die Hersteller von Fahrradschlössern oder der Fahrräder selbst Interesse an seiner Erfindung zeigen. Ende des Monats ist in Friedrichshafen eine der bedeutendsten Fahrradmessen Europas.

Oliver Sommer

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