Die rote Linie markiert die neu geplante Hochspannungsleitung. Die blaue Linie zeigt die alte, bestehende Leitung. Der Ingenrieder Flur reicht von Mast 41 bis 55/56. Ebenfalls zu Ingenried gehören zwei Grundstücke, die im rot markierten Kreis liegen. Dort sollte nach Wunsch von Bürgermeister Xaver Fichtl der Knotenpunkt in Richtung schwarzer Punkt verlegt werden. Eine Erdverkabelung käme für Ingenried ab Mastennummer 44/45 in Frage. grafik: schelle

Erdverkabelung für Ingenried kein Muss

Ingenried - Grundsätzlich ist der Ingenrieder Gemeinderat mit dem Plan der neuen Hochspannungsleitung von LEW zufrieden. In einer Stellungnahme möchte man sich die Möglichkeit auf eine Erdverkabelung offen lassen.

Mit der von LEW geplanten neuen Hochspannungsfreileitung (110-kV) von Bidingen nach Schongau beschäftigte sich am Mittwochabend der Ingenrieder Gemeinderat. Zur Debatte stand auch hier: Freileitung oder Erdverkabelung? Rund drei Kilometer Ingenrieder Flur (siehe Grafik ab Mast 41), rund 700 bis 800 Meter nördlich des Hauptortes entfernt, sind von der Neuerung betroffen. Der Großteil der Trassenführung bleibt in diesem Abschnitt, verglichen mit der bestehenden Leitung, nahezu identisch. Deshalb sei man laut Bürgermeister Xaver Fichtl „grundsätzlich mit dem Vorhaben der Neuerung einverstanden“. In einer Stellungnahme, die die Gemeinde bis zum 28. Januar bei der Regierung einreicht, möchte er den Wunsch einer Erdverkabelung jedoch offen lassen.

Ein Grund dafür: Das Landschaftsbild. Die neuen Masten sind durchschnittlich - je nach Gelände - 36 Meter hoch. Die alten im Schnitt nur 26 Meter. „Wenn du vom Ortsteil Bahnhof in Richtung Gebirge schaust, siehst du dann keine Zugspitze mehr“, so Gemeinderat Peter Martin, der sich eine Erdverkabelung gut vorstellen könnte. Sinn mache die laut Fichtl „nach dem Wald, ab dem Stadel-Wies-Weg (siehe Grafik ab Mast 44/45).“ Vorausgesetzt, die direkt betroffenen Grundstücksbesitzer möchten das.

„Falls Interesse bei den Bauern besteht, werden wir nochmals eine Versammlung einberufen“, so Fichtl. Gemeinderat und Landwirt Martin Brugger ist zwar nicht direkt betroffen, kennt sich aber mit den Bodenbeschaffenheiten aus und gibt zu bedenken: „Wenn man den Boden einmal umgräbt, wird er nie wieder so sein wie vorher.“ Immerhin würde eine Erdverkabelung einen rund sechs Meter breiten Graben für die Leitung, sowie jeweils beidseitig eine drei bis vier Meter breite Baustraße für Bagger und Kipper erfordern. Die 30 auf 30 Meter Baufläche für einen der - nur auf Ingenrieder Flur - elf neuen Freileitungsmasten wären da nicht ganz so einschneidend.

Rein finanziell gesehen sind die Chancen auf eine Erdverkabelung ohnehin sehr mau. Laut LEW koste die Freileitung insgesamt 4,4 Millionen Euro. Da eine unterirdische Leitung maximal das 2,75-fache davon kosten darf, scheidet eine auf 14 Millionen Euro geschätzte Grableitung im Grunde aus. Wenngleich der Vorschlag von Schwabbrucks Bürgermeister Norbert Essich auch in Ingenried auf offene Ohren stößt. Er informierte sich über eine österreichische Firma, die Erdverkabelungen mittels bodenschonendem Pflugverfahren schon erfolgreich und wesentlich günstiger verlegen konnte. „Für geschätzte vier, fünf Millionen Euro mehr die Freileitung komplett verschwinden zu lassen, das würde doch Sinn machen“, bekräftigt Martin Peter nochmals sein Anliegen.

Falls es trotz Pflugverfahren letztlich doch zur neuen Freileitung kommt, wünscht sich Fichtl eine kleine Änderung der Trassenführung an einem Knotenpunkt an der Grenze zu Schwabbrucker Flur. Dort besitzt die Gemeinde zwei Grundstücke, die derzeit als landwirtschaftliche Nutzfläche an Landwirte verpachtet sind. Fichtls Vorschlag: „Den Knotenpunkt ein oder zwei Masten weiter westlich ansetzen, um einen etwaigen Abbau von Kies nicht zu gefährden.“ Das hat sogar zwei weitere Vorteile: „LEW spart sich einige Meter Weg und die Freileitung würde entlang eines Waldrandes das Landschaftsbild an dieser Stelle nicht ganz so negativ beeinträchtigen.“ Ebenso nicht beeinträchtigend dürfen laut Fichtl die Altlasten sein. „Für den Abbau der alten Leitung erwarte ich, dass die Altlasten zu 100 Prozent entsorgt werden.“

Terminhinweis

Für Landwirte und Grundstückeigentümer findet am Montag, 26. Januar, um 20 Uhr im Gasthof Sonne in Ingenried eine Versammlung zum Thema 110kV-Leitung zwischen Bidingen und Schongau statt.

Johannes Schelle

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