Neue und alte Besitzer: Robert Seitz (36) übernimmt den Laden von Elisabeth (60) und Konrad Wild (62). foto: sak

Erinnerung an Pornodiebe und Flohmärkte

Peiting - 40 Jahre lang sorgte das Ehepaar Wild dafür, dass Schulränzen mit den richtigen Heften gefüllt sind. Jetzt ziehen sie sich zurück, der Schreibwarenladen bleibt aber bestehen.

Braune Tische im Verkaufsraum, einfache Regale an den kahlen Wänden - so hat es im Schreibwarengeschäft Wild vor 40 Jahren ausgesehen. Und jetzt? Prinzessin Lillifee, Batman und die Turtles verschönern langweilig Schulhefte, regen zum träumen an.

„Früher war das alles ganz anders. Da gab es nur einen Füllfederhalter und einen Bleistift und kaum linierte Hefte“, erzählt Konrad Wild (62). Nur einfarbige und langweilige Schulutensilien hätte er den Kindern verkaufen können. Wenn er von den Anfängen erzählt, schweift sein Blick in die Ferne. Ein bisschen nachdenklich mache es ihn schon, nach 40 Jahren jetzt tatsächlich aufzuhören - und das, obwohl er weiterhin in dem Haus wohnen bleiben wird. „Doch in meinem Alter macht man sich langsam schon Gedanken, wie es weitergehen soll.“ Schließlich will das Ehepaar noch viel erleben.

Viel zu erzählen haben die beiden allerdings schon jetzt. Wie sie nächtelang einem jungen Dieb aufgelauert haben, der sich immer an dem frisch gelieferten Stapel pornografisch Heftchen vergriff. Oder an die vielen Flohmärkte, die das Ehepaar rund um ihren Laden ausgerichtet hat. Ganz besonders in Erinnerung bleiben wird ihnen aber das 25-jährige Jubiläum: „Es gab Weißwürste. Und ehe wir uns versahen, ist die Feier in ein Straßenfest ausgartet“, strahlt Elisabeth Wild (60). Richtig schön sei das gewesen.

Die Liebe zu der Branche entdeckte Wild schon bei der Bundeswehr: „Da war ich für Büroartikel zuständig.“ Wieder in Peiting, eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth in der Schongauer Straße einen kleinen Laden. Im Jahr 1977 wurde dann am jetzigen Standort an der Peitinger Mittelschule gebaut.

In den 90er Jahren habe sich ihre Sortiment ganz wesentlich geändert. Grund: Der Computer war auf dem Vormarsch. Da waren Papier für Schreibmaschinen und Durchschlagpapier nicht mehr so gefragt. Das Schöne: Viele Kinder, die früher für sich selbst eingekauft haben, sind jetzt selbst Eltern und decken ihre Schützlinge mit Schulbedarf ein. „Alles Stammkunden über Generationen hinweg“, freut sich Wild. Gerade, was bunte Motive betreffe, habe sich schon viel verändert. Die Preise jedoch hätten gar keinen so großen Sprung gemacht. Für Schulhefte verlangen die Wilds „bestimmt seit 20 Jahren den gleichen Preis“. Was Eltern freut, liegt aber hauptsächlich am Wettbewerb. „Der Konkurrenzdruck ist schon groß“, seufzt er. Und ist damit gleich beim nächsten Thema: Ein Einzelgeschäft aufzubauen wie seines, sei heutzutage kaum mehr möglich.

Darum übernimmt das alteingesessene Geschäft nun auch Robert Seitz (36). Er hat schon Filialen in Kaufbeuren, Schongau West und Marktoberdorf. Auch er kommt einer Schreibwaren-Familie. Trotz neuem Besitzer bleibt einiges beim Alten: Alle fünf Mitarbeiter werden übernommen. „Mir ist wichtig, dass die Kunden weiter die selben Ansprechpartner haben“, betont er.

Ab Juli übernimmt Seitz den Laden. Am kommenden Freitag und Samstag wird Inventur gemacht - „die ersten beiden Tage, die wir in 40 Jahren das Geschäft komplett schließen“, betont Konrad Wild. Dass die Eheleute mit Sicherheit öfter mal bei Seitz im Laden stehen werden, damit rechnet er fest: „Immerhin bleiben sie in dem selben Haus wohnen und ich freue mich schon darauf.“

Sabine Krolitzki

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