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Nostalgie pur: Gerhard Brahmer mit einer Aufnahme seiner dritten Grundschulklasse.

Erinnerungen an die Schulzeit

Die Grundschule als Zuhause

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Schongau - Er hatte den kürzesten Schulweg aller Klassenkameraden: Gerhard Brahmer wohnte mit seinen Pflegeeltern und Geschwistern in der Schongauer Grundschule. Fast 40 Jahre ist das her, doch etliche Erinnerungen sind geblieben. Vor dem anstehenden Abriss kommt bei Brahmer Wehmut auf.

Gerhard Brahmer, heute 58 Jahre alt, kam als kleiner Knirps in die Pflegefamilie Donderer. Dort wuchs er gemeinsam mit drei älteren Brüdern auf. Sein Pflegevater arbeitete bei der Stadt Schongau als Kraftfahrer für den Bauhof. Und der hatte seine Heimstatt seinerzeit im Köhlerstadel. Da die Mitarbeiter auch Dienstwohnungen gestellt bekam, waren die Donderers in der Grundschule untergebracht.

„Es war eine wunderschöne Zeit, ich konnte eine unbeschwerte Jugend verleben“, blickt Brahmer zurück. Zwar habe man materiell nicht viel gehabt, „aber es ging ja stetig aufwärts“. Und: „Ich habe da viele Freunde gehabt, mit denen ich spielen konnte.“ Musste er nicht in die Schule, „bin ich in der Früh zu Freunden rübergegangen und erst abends zurückgekehrt“.

Mit Seifenkiste in der Schule: Gerhard Brahmer daheim.

Bis zur Turnhalle hinter sei damals alles Wiese gewesen, erzählt Brahmer. „Zum Klassenzimmer waren es 60 bis 80 Meter. Das war ausgesprochen praktisch – vor allem bei Regen oder im Winter“, erinnert er sich. Von seinen Klassenkameraden wurde er glühend beneidet, „weil ich morgens länger liegenbleiben konnte“. Bis 1975 hat er mit seinen Pflegeeltern dort gewohnt, ehe er als 17-Jähriger mit seiner Pflegemutter – der Vater war inzwischen verstorben – in die Altenstadter Straße umzog.

Dass die Grundschule jetzt abgerissen wird, „finde ich irgendwie schade“. Überhaupt werde in Schongau wenig erhalten. Brahmer glaubt, „dass ganz einfach im Laufe der Jahre zu wenig investiert wurde in das Gebäude“. Und er ist überzeugt, „dass die nächste Generation Schüler so große Klassenzimmer, wie wir sie hatten, nicht mehr bekommen wird“. Er habe bereits entsprechende Reaktionen aus dem Lehrerkollegium vernommen, das besorgt im Hinblick auf die Zukunft und die neuen Klassenzimmer sei.

"Heutzutage gibt es viel zu viele Einzuelgänger"

Mit dem Abriss des Hauses geht für ihn ein Stück Erinnerung verloren, ein Baustein seines Lebens. Heute wohnt Gerhard Brahmer, der viele Jahre als Kraftfahrer für die Spedition Ressle gefahren ist, heute in der Warenannahme von UPM beschäftigt ist und schon 40 Jahre aktiven Dienst bei der Schongauer Feuerwehr tut, mit seiner Frau etwa zwei Kilometer entfernt im Ahornweg. Seine drei Söhne im Alter von 34, 31 und 21 Jahren sind schon außer Haus.

Wenn er die alten Zeiten mit heute vergleicht? „Die Kindheit war wunderschön, ich konnte mich frei bewegen, Verbote gab es kaum und der Zusammenhalt war meines Erachtens nach viel besser“, fasst er zusammen. Damals sei man als Clique aufgetreten, heutzutage gebe es viel zu viele Einzelgänger.

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