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Erster Mobilfunkmast für Böbing?

Böbing soll seinen ersten Mobilfunkmast bekommen. Im Rathaus liegt eine Anfrage der Telekom vor. Die Gemeinde lässt ein Standortgutachten erstellen. Besorgte Bürger kamen aber schon jetzt zu einer Infoveranstaltung.

Bürgermeister Peter Erhard hatte die Katze am 2. Juli in der Böbinger Bürgerversammlung aus dem Sack gelassen: Ein Mobilfunkunternehmen hatte sich wegen eines Mastes an die Gemeinde gewandt, teilte er mit. Große Reaktionen gab es nach seiner Aussage keine. Jetzt allerdings machten die ersten Einwohner angesichts des Vorhabens mobil – mit einem Infoabend. Dabei ging es um Gesundheitsrisiken, aber vor allem um Mitbestimmung.

Initiiert hatte dies Sabine Mühlbauer zusammen mit Josef Tralmer. Rund 50 Interessierte waren in den Gasthof Haslacher gekommen, darunter der Rathauschef und Hans Schütz von der Umweltinitiative Pfaffenwinkel. Mühlbauer hatte eigens einen Referenten gewonnen: Dieter Kugler aus Bad Heilbrunn. Der geobiologische Berater beschäftigt sich seit fast 30 Jahren mit der Strahlenbelastung durch Mobilfunk. Kugler erklärte laut Mühlbauer dessen Entwicklung, mögliche Schäden, und warf „einen kritischen Blick auf Mobilfunk und dessen Nutzung“.

Bevölkerung soll mit ins Boot geholt werden

Konkretes gibt es für Böbing allerdings noch nicht. Der Bürgermeister bestätigt, dass sich ein Betreiber kurz vor der Bürgerversammlung an ihn gewandt habe. Erhard spricht von „Bestrebungen, einen Sendemast zu errichten“, nennt aber keinen Namen. Dies tut Sabine Mühlbauer: Die Telekom habe Interesse an Böbing, erklärt sie gegenüber den SN.

Mühlbauer selbst arbeitet als Heilpraktikerin im Dorf. Mit der Veranstaltung ist sie zufrieden. „Das war eine sachliche Diskussion. Es ging um das Miteinander, um die bestmögliche Lösung zu finden.“ Die Mobilfunk-Pläne sieht sie mit Sorge. „Ich bräuchte keinen Mast.“ Noch stehe solch einer nämlich nicht im Ort. „Wir sind eine strahlungsfreie Oase.“ Doch querstellen will sie sich nicht komplett, Mühlbauer setzt auf das so genannte Dialogverfahren. Dieses ist ein offizieller Prozess: Eine Kommune versucht dabei, die Zügel in die Hand zu nehme, und lässt sich von einem Fachbüro eine Standortanalyse machen, die dem Unternehmen präsentiert wird. Dabei soll die Bevölkerung mit ins Boot geholt werden. Ziel laut Mühlbauer: „Um zu verhindern, dass Anbieter einfach bauen oder sich Privatleute zu einem Mast beschwatzen lassen. So möchte man Wildwuchs eindämmen.“

Der Auftrag fürs Gutachten wurde von der Gemeinde bereits an das Umweltinstitut in München vergeben. Dies bestätigt der Rathauschef. Das Institut sucht nun geeignete Standorte. Erhard: „Da werden die Belastungen gemessen und bewertet.“ Die Öffentlichkeit will er darüber nun in der Bürgerinfo aufklären. „Wir sind auf einem guten Weg, wenn wir mit dem Thema offensiv und ehrlich umgehen.“ Eines macht er aber deutlich: Es gehe letztendlich nicht um ein Ja oder Nein zu der Kommunikationstechnik. „Die Frage lautet, Mobilfunk wo und wie.“

Eine Bürgerinitiative wird es wohl im beschaulichen Böbing nicht geben. Sabine Mühlbauer hatte zwar daran gedacht, sich aber überlegt: „Hat es Sinn, sich wirklich dagegen zu stellen?“ Lieber wolle man auf den Prozess Einfluss nehmen. „Die Bürger müssen informiert werden.“

Im Rathaus erwartet der Bürgermeister „relativ schnell in den nächsten paar Monaten“ die Gutachten-Ergebnisse. Dann soll auch der Dialog mit den Böbingern laufen. (ab)

Telekom: "Ideal ist Dachstandort im Dorf"

„Wir haben derzeit in Böbing eine Mobilfunkversorgung, die nicht den Qualitätskriterien entspricht, die wir an uns selbst stellen und die unsere Kunden von uns erwarten“: So begründet die Deutsche Telekom AG die Anfrage. Ein neuer Standort werde standardmäßig mit GSM, UMTE und LTE ausgestattet. Welche Höhe dieser haben wird, lässt sich laut Pressesprecher Dr. Markus Jodl noch nicht sagen. Die Strecke zwischen Handy und Mast dürfe aber nicht zu weit sein. „Ideal ist ein Dachstandort im Ort.“ Laut Telekom sorgt ein „gleichmäßiges und dichtes Mobilfunknetz“ für möglichste niedrige Immissionen. „Wo immer möglich“, werde man auf die Wünsche der Kommune eingehen. Voraussetzung: Der Platz muss funktechnisch geeignet und finanzierbar sein. Sollte es im Ort nicht klappen, gibt es eine Alternative: „Dann muss man über einen Masten im Außenbereich sprechen“. Je nach Lage müsse der „20+X“ Meter hoch sein.“ (ab)

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