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Paul Huber war 1997 als himmlischer Beobachter „Paulator“ dabei – und 2012 unter selbem Namen als Fastenprediger.

Rückblick auf 20 Jahre

Erster Schockerberg war im Märchenwald

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Zum 20-jährigen Jubiläum des Schockerbergs, des traditionellen Starkbieranstichs der Schongauer CSU, gibt es am Wochenende erstmals drei Aufführungen. Die sind mittlerweile allesamt ausverkauft. Doch wie kam es eigentlich vor 20 Jahren zum ersten Schockerberg? Einige Protagonisten von damals erinnern sich.

Schongau – „Politiker-Derblecken – der CSU/JU hat’s Spaß gemacht“, titelten die Schongauer Nachrichten am Montag, 24. März 1997, über den erstmals ausgetragenen Schockerberg. Auch wenn es schon lange her ist, die Organisatoren von damals sind die gleichen geblieben: Luitpold Braun jun. und Michael Eberle. Nur, dass sie damals noch in der JU waren.

„Wir haben uns gesagt: Ein Starkbierfest gibt es in Schongau noch nicht, das probieren wir jetzt einmal“, erinnert sich Eberle. Ein Singspiel gab es anfangs noch nicht, das kam erst 2003 dazu. Dafür sorgten die Sängerknaben der JU für musikalische Unterhaltung mit ihren gereimten Versen wie „Schongau ist eine rote Stadt, weil sie jetzt den Zeller hat“ – knapp ein Jahr zuvor hatte Friedrich Zeller die Bürgermeisterwahl in Schongau für die SPD gewonnen.

So berichteten die SN am 24. März 1997 über den ersten Schockerberg.

Den Veranstaltern ging es damals vor allem ums Derblecken, und da waren gleich mehrere Protagonisten am Start. Zum Beispiel Zellers unterlegener Konkurrent Helmut Schmidbauer, der als Bruder Barnabas in die Mönchskutte schlüpfte. Laut Schmidbauer war der Schockerberg eine direkte Reaktion auf die verlorene Bürgermeisterwahl der CSU gegen Zeller. Er selbst stand jedes Jahr in unterschiedlichen Rollen auf der Bühne, in zum Teil abenteuerlichen Kostümen wie einem Pleitegeier oder auch als SN-Bazi. 2012 war sein letzter Auftritt, „da muss man auch die Jüngeren ranlassen“.

Helmut Schmidbauer in einer seiner letzten Rollen als Lurer-Luggi – beim Start 1997 war er Bruder Barnabas.

Von Schmidbauers erster Fastenpredigt weiß Eberle noch, „dass in den Schongauer Nachrichten etwas von vergifteten Pfeilen gestanden hat“. Richtig: Der Autor schrieb damals, Schmidbauer habe nicht nur SPD und UWV gescholten, sondern auch seine CSU. Mit dem Unterschied, „dass die in Richtung SPD abgeschossenen Pfeile allesamt vergiftet waren“.

Paul Huber durfte ebenfalls bei der Premiere mitmachen: Als „Paulator“ zusammen mit „Seppator“ Josef Reßle jun. betrachteten sie die Schongauer Szenerie als Himmelsredner von oben. „Im Fasching hatten Reßle und Franz Andergassen diese Rolle übernommen, das wollten wir einfach übernehmen“, sagt Huber. Weil Andergassen keine Zeit hatte, sprang kurzerhand Huber ein. „Ich war beim Redenschreiben mit dabei, das war kein Problem“, sagt Huber. Während andere immer wieder Rollen übernahmen – so war Luitpold Braun zwischenzeitlich ebenfalls lange Zeit Fastenprediger, während er heute Regisseur und unumstrittener Start des Singspiels ist –, kam Huber erst 2012 und 2013 wieder auf die Bühne; erneut als Paulator, aber dieses Mal nicht im Himmel, sondern als Fastenprediger.

Auch bei der Premiere dabei war Marianne Porsche-Rohrer. Sie ist im Gegensatz zu anderen Protagonisten bis jetzt dabeigeblieben und dürfte am Wochenende wieder mit ihren fein gereimten Bosheiten glänzen.

Auch wenn Eberle natürlich stolz ist, wie sich die Veranstaltung entwickelt hat – ein bisschen wehmütig denkt er an die Anfangszeit zurück, als man keine wochenlangen Vorbereitungen brauchte und es kein 16-Stunden-Programm an einem Wochenende gab. „Da haben wir noch kräftig mitgefeiert, das war organisatorisch kein großer Aufwand.“ Während der Auftakt noch an einem Abend in der Märchenwald-Gaststätte stattfand, wechselte die CSU zwischendurch ins Ballenhaus und dann ins Jakob-Pfeiffer-Haus, seit 2006 gibt es wegen des großen Andrangs dort zwei Aufführungen – und zum Jubiläum sogar drei. Trotzdem waren die Karten ruckzuck weg. Wer sich Tickets gesichert hat, darf gespannt sein, was für ein Spektakel sich die Schongauer CSU dieses mal ausgedacht hat.

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