Interessiert: Franz Grundner (rechts) erklärt die Ausstellung und ihre Exponate. foto: RWG

Erster Weltkrieg im Stadtmuseum

Schongau - Im Schongauer Stadtmuseum läuft jetzt eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg. Der Historische Verein hat zahlreiche Exponate gesammelt. Darunter das Tagebuch eines Soldaten.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gibt Anlass für viele Ausstellungen, denn jede Stadt, jedes Dorf hat dazu seine eigene Geschichte. Auch der Historische Verein Schongau Stadt und Land hat allerlei interessantes Material aus dem Stadtarchiv sowie aus privatem Besitz gesammelt - und im Stadtmuseum ausgestellt. Nun wurde die Schau eröffnet.

In seiner Rede erläuterte der 2. Vereinsvorsitzende Franz Grundner nicht nur einzelne Ausstellungsstücke und die auf die Stadt bezogenen Hintergründe zum Thema „Erster Weltkrieg“. Er blickte auch in die Zukunft: „In diesem Jahr wird nur das erste Kriegsjahr 1914 behandelt“, sagte Grundner vor den versammelten Gästen, zu denen Bürgermeister Falk Slyterman und einige Stadträte zählten. Jedes weitere Kriegsjahr kämen neue Glaskästen und Vitrinen hinzu - auch das Jahr 1919, als Schongau besetzt war, werde einbezogen.

Das umfassende Thema in vier Bereiche aufzuteilen ist eine gute Entscheidung und strukturiert den umfangreichen Komplex. So widmet sich der erste Glaskasten natürlich dem Kriegsbeginn am 1. August 1914. Das Extrablatt der Schongauer Nachrichten liegt vor, das schon zwei Stunden vor der offiziellen Kriegserklärung des deutschen Kaisers Wilhelm II. die Bevölkerung über den bevorstehenden Kriegszustand informierte. Die Zeitung gibt die allgemeine Stimmung der Menschen zum möglichen Krieg wieder: „Überall herrscht das Gefühl vor, dass die Entscheidung unmittelbar bevorsteht, und es herrscht die bange Befürchtung, ob die Entscheidung nicht noch zum Schlimmen ausfallen wird“. Die allgemeine Stimmung wandelte sich dann aber doch bei der durch ein erneutes Extrablatt angekündigten Mobilmachung.

Schongau war keine Garnisionsstadt wie etwa Landsberg, hatte aber Manöver, Militärkapellen und Quartiere. Und so wurden die gemusterten Soldaten am Schongauer Bahnhof von einer zahlreichen Menschenmenge, einem musikalischen Gruß der Stadtkapelle und Hurra-Rufen verabschiedet - das belegt der zweite Teil der Ausstellung. Man erfährt, dass sich nicht nur die jungen Männer für eine Musterung bereitstellen mussten. Sondern es wurden auch Pferde angeliefert, die auf Tauglichkeit geprüft und dann als Zug- oder Reitpferde in den Krieg ziehen mussten.

Die persönliche Situation für einen Soldaten bei Kriegsbeginn wird im dritten Abschnitt behandelt. Der Schongauer Wagner Hans Klein erzählt in seinem ausgestellten Tagebuch über die Schwierigkeit seines Kriegseinsatzes. Postkarten von Kameraden vermitteln ein interessantes Bild der damaligen Zeit.

Das Thema des vierten Glaskasten ist zukunftsorientiert. Denn hier wird die erste Kriegsweihnacht 1914 beleuchtet. Die Bilanz von „nur“ 15 gefallenen Soldaten bis dahin, die Eroberung einiger Städte wie Antwerpen, die Tatsache, dass der Krieg noch ein überschaubarer Bewegungskrieg, und die wirtschaftliche Lage intakt war - all das sorgte für Zufriedenheit in der Bevölkerung. Ein Foto belegt, dass die Soldaten Weihnachten zuhause verbrachten - ein letztes Mal, wie die weitere Entwicklung zeigte.

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