+
Teilnehmer der Euro-Tandem-Tour gestern früh vor dem Rathaus in Schongau mit Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer (vorne, Dritter von rechts).

Raus aus dem Tunnel

Euro-Tandem-Tour: Grüße aus Colmar

Schongau - Ein Leben mit einem letzten Sehrestvermögen, ein Leben im Dunkeln, ein Leben in Isolation – Unvorstellbares ist für Menschen mit Netzhauterkrankungen tagtägliche Realität. Darauf will die Euro-Tandem-Tour aufmerksam machen, die seit Ende August durch vier Länder radelt und jetzt auch in Schongau angekommen ist – mit Grüßen aus Colmar.

„Noch gibt es keine Therapien und Heilungschancen für diese Augenkrankheiten, wohl aber unterstützungswerte Forschungsansätze und begründete Hoffnungen auf zukünftige Heilungsverfahren“, sagt Maren Schwerger, die mit den Tandem-Radlern unterwegs ist und Tagebuch führt. Ihr Vater, Horst Schwerger, hat eine Stiftung gegründet – zur Verhütung von Blindheit.

Unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments radeln insgesamt 17 Tandem-Teams (Pilot sehend, Copilot blind/sehbehindert) und sieben Einzelfahrer/rinnen (Ersatzpiloten) aus fünf europäischen Ländern in Begleitung eines Info-Busses durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich, wo sie die Öffentlichkeit auf die Belange von Menschen aufmerksam machen wollen, die von altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) und Retinitis Pigmentosa (RP) betroffenen sind.

Projekt wird unterstützt

Dazu zählt zum Beispiel Knut Junge (42) aus Rosenheim, der zusammen mit seinem sehenden Freund Thomas Müller (42) auf einem Tandem-Radl unterwegs ist. Knut Junge leidet an einer Retinitis Pigmentosa. Bei ihm hat sich die Netzhaut in der Mitte abgelöst. Dort sieht er nichts, nur außen herum kann er seine Umwelt wahrnehmen. Bei Maren Schwerger ist es genau umgekehrt. Sie sieht nur einen kleinen Bereich in der Mitte und außen herum nichts.

Unterstützt wird dieses Aufklärungsprojekt auf politischer und wirtschaftlicher Ebene durch zahlreiche Empfänge in den Rathäusern, durch Einladungen renommierter Unternehmen, der Aktion Mensch und den Sponsoren.

Veranstalter der Tandem-Tour ist die HEM-Schwerger Stiftung, die mit finanziellen Mitteln aus Spenden die Wissenschaft und Forschung unterstützt.

„Ich habe auch schon mal einen Sehbehinderten betreut“, erklärte Schongaus Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer, der gestern früh den Teilnehmern der Euro-Tandem-Tour einen Empfang vor dem Rathaus bereitet hat. „Eine Supersache“, zollte Kalbitzer den Organisatoren und Akteuren der Tour volles Lob.

Nächste Etappe geht nach Colmar

Die Euro-Tandem-Tour hat insgesamt zehn Etappen. Start war in Tübingen. Die zweite Etappe führte nach Colmar. Dort wurde Maren Schwerger gebeten, Grüße nach Schongau zu übermitteln. Stationen zuvor waren unter anderem Basel, Schaffhausen, Bregenz und Sonthofen.

Gestern ging es auf der achten Etappe von Schongau nach Gräfelfing, Etappe neun hat heute Dillingen zum Ziel, und morgen endet die Tour in Esslingen. Der 150 Meter lange Tross hat Begleitschutz von der Polizei.

Michael Gretschmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Tradition mit den Krautköpfen
Sauerkraut aus der Supermarkt-Dose? Nicht in Schwabbruck. Es ist gute, alte Tradition in der Schönachgemeinde, am Kirchweihsamstag die Krautköpfe selbst zu hobeln. Die …
Die Tradition mit den Krautköpfen
Investitionsstau bei Schongauer Straßen „keine Strategie“
Bei Gegnern der Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs) in Schongau ist oft zu hören, dass die Stadt an den Straßen seit Ewigkeiten nichts gemacht hat. Es steht der …
Investitionsstau bei Schongauer Straßen „keine Strategie“
Grundstücksvergabe vertagt
Lange Bank und lange Gesichter in Apfeldorf gab es bei der jüngsten Gemeinderatssitzung: Die Neuregelung der Grundstücksvergabe durch die Gemeinde sollte eigentlich …
Grundstücksvergabe vertagt
Wer hat das Zeug zum Rettungshund?
Sie sind bei der Suche nach vermissten Personen eine unverzichtbare Hilfe. Die Rede ist von Rettungshunden mit ihren Führern, die eine komplexe Einheit bilden. Auf der …
Wer hat das Zeug zum Rettungshund?

Kommentare