Ex-MdL Peter Widmann hat seinen letzten Kampf verloren

Wildsteig - Der frühere Landtagsabgeordnete Peter Widmann aus Wildsteig ist im Alter von 81 Jahren seinem schweren Krebsleiden erlegen. Zwei Jahrezehnte lang - von 1970 bis 1990 - hat er als CSU-Politiker und Stimmkreisabgeordneter das politische Geschehen im Landkreis maßgeblich mitgeprägt.

Dass er nicht mehr lange zu leben hatte, das war Widmann aus Wildsteig durchaus bewusst. Schon vor Monaten zeichnete sich ab, dass er den Kampf gegen den Krebs nicht überleben würde. Auch Chemo-Therapien konnten dies nicht mehr verhindern - höchstens noch hinauszögern.

Die seltene Form von Bauchfellkrebs hat Widmann im Alter von 81 Jahren aus dem Leben gerissen. Raucher und Bauarbeiter, die viel mit Asbest zu tun haben, werden in der Regel von dieser Krebsart befallen. Widmann war weder Raucher, noch hatte er mit Asbest zu tun. Deshalb fragte er sich immer wieder, wann er mit diesem Stoff in Berührung gekommen sein könnte. Vielleicht vor 50 Jahren, als er beim Bau seines Hauses in Wildsteig mit Eternit-Platten zu tun und dabei Asbestfasern eingeatmet hatte? „99 Prozent dieses Krebses bricht oft erst nach 40 oder 50 Jahren aus“, hat sich Widmann von einem Professor sagen lassen.

Erste Anzeichen des Krebses haben sich bei Widmann im Mai und Juni des vergangenen Jahres bemerkbar gemacht. „Ohne Schmerzmittel geht’s nicht mehr“, hatte der 81-Jährige im vergangenen Herbst gesagt. Nur ungern unterzog er sich Chemo-Therapien. Heuer im Februar ging es dem Ex-Landtagsabgeordneten zeitweilig sogar etwas besser. Er durfte sich wieder etwas Hoffnung machen. Doch in der Karwoche vor Ostern wurde eine Einlieferung ins Krankenhaus notwendig. Dort zeichnete sich ab, dass Widmanns Leben zu Ende gehen würde. Deshalb wollte er wieder heim nach Wildsteig, wo er gestern im Kreise seiner Familie eingeschlafen ist.

Geistig war Peter Widmann bis zuletzt voll auf der Höhe und hat - wie berichtet - in den vergangenen Monaten vom Krankenbett aus noch einen Kampf gegen geplante Windräder im Voralpenland geführt.

Gekämpft hat Peter Widmann, der 1930 in München geboren wurde und auf Gut Laufzorn aufgewachsen ist, ein Leben lang. Er stammte aus einer Generation, die in jungen Jahren das Kriegsende noch hautnah miterlebt hat. Die ideologische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und den Kommunismus hatte ihn viel beschäftigt und später auch seine politische Arbeit beeinflusst.

„Ich habe meine politische Aufgabe immer ernst genommen“, konnte Widmann stets mit gutem Gewissen behaupten. Schon früh hatte er sich in der Jugendarbeit und Erwachsenenbildung engagiert, war viele Jahre Vorsitzender des Kreisjugendrings sowie stellvertretender JU-Kreis- und JU-Bezirksvorsitzender.

Mit 29 Jahren wurde er 1960 in den Kreistag Schongau gewählt, dem er (ab 1972 hieß es Weilheim-Schongau) bis 2002 angehörte - also 42 Jahre lang. Widmann war früher auch CSU-Kreisvorsitzender (1967 bis 1972) und stellvertretener Landrat (1972 bis 1975).

Im Herbst 1955 war Peter Widmann als Landwirtschaftslehrer in den Landkreis Schongau versetzt worden. Dort hatte er 1963 die Leitung der Landwirtschaftlichen Berufsschule Schongau übernommen. 1970 in den Bayerischen Landtag gewählt, vertrat er den Stimmkreis bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1990 (in verschiedenen Ausschüssen).

In den vergangenen Jahren hat ehemalige CSU-Abgeordnete immer wieder bedauert, dass der Graben zwischen Wählern und Politikern immer tiefer wird.

Intensiv hat sich der Wildsteiger auch mit der Auseinandersetzung innerhalb der katholischen Kirche in Fragen der Geburtenregelung befasst. Da schreckte Widmann auch vor einem umfangreichen Briefwechsel mit Rom und Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., nicht zurück.

„Ich hätte nie geglaubt, dass ich mal 80 Jahre alt werde“, hatte Widmann im September 2010 gesagt. Danach waren ihm nur noch eineinhalb Jahre vergönnt.

Hinweis:Die Beerdigung von Peter Widmann findet am Samstag, 21. April, um 10 Uhr in Wildsteig statt.

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