Facharbeiter sucht verzweifelt Arbeit

Schongau - „Fachkräfte händeringend gesucht“ - über diese Schlagzeile kann sich Josef F. (Name geändert) nur noch wundern und ärgern. Denn er ist eine Fachkraft, die seit Monaten hängeringend einen Arbeitsplatz sucht - und keinen bekommt.

„Warum gibt man mir keine Chance?“, fragt sich Josef F. jeden Tag. Knapp 70 Bewerbungen hat der gelernte Maschinenbauer in den vergangenen zwei Jahren schon verschickt und bisher nur Absagen erhalten. Als deprimierend empfindet er vor allem, dass er bei seinen vielen Bewerbungen nur zweimal die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch bekommen hat.

Mit seinen 44 Jahren könnte Josef F. eigentlich noch voll im Berufsleben stehen. An Erfahrung fehlt es ihm nicht. 24 Jahre lang hat er als Maschinenbauer gearbeitet und dann seine Stelle verloren. Doch mit Arbeitslosigkeit wollte er sich nicht abfinden. „Ich will mir meinen Lebensunterhalt selber verdienen“, hat er sich immer wieder gesagt.

Um seine Chancen auf eine Beschäftigung zu vergrößern, hat er sich in Kirchseeon zum Technischen Zeichner umschulen lassen. Das war nicht billig, hat ihm aber bisher auch nicht weitergeholfen - obwohl er durchwegs gute Zeugnisse vorweisen kann.

„Ich schaue jeden Tag in den Briefkasten und warte auf Rückantworten, doch meistens kommen nur die Bewerbungsunterlagen zurück oder auch nicht“, sagt ein enttäuschter Facharbeiter. Dass die meisten Betriebe es bedauern, ihn nicht einstellen zu können, hilft ihm aber nicht weiter.

Im ganzen Oberland - von Weilheim bis Füssen - hat sich Josef F. bei zahlreichen Unternehmen beworben. Auf alle Stellenanzeigen hat er geantwortet und auch selber die Initiative ergriffen, indem er Betriebe, die für ihn in Frage kommen könnten, aufgesucht hat - doch bisher waren alle Bemühungen vergebens.

„Die meistens Personalchefs haben mich nicht mal angehört“, reagiert der 44-jährige Maschinenbauer sauer und kann seine Enttäuschung nicht verbergen. Das Wort „Fachkräftemangel“ (siehe Bericht unten) kann er nicht mehr hören. Denn dann kommt bei ihm die Wut hoch.

Im Gespräch mit der Heimatzeitung zeigt Josef F. seine Hände her. Man sieht es ihnen an. Die können zupacken. Und die wollen auch zupacken. „Ich bin auch ein guter Schweißer“, sagt der 44-Jährige. Und auch für Schichtarbeit ist er sich nicht zu schade. „Ich bin kein Drückeberger. Ich würde alles machen“, sagt der arbeitslose Facharbeiter. Nur eins will er nicht: dem Staat zur Last fallen.

Auch nach Monaten der Arbeitslosigkeit gibt Josef F. die Hoffnung nicht auf. Irgendwann bekommt er Arbeit, ist er sich sicher. Doch in den nächsten Tagen steht ihm noch ein schwerer Gang bevor. Das Arbeitslosengeld läuft für ihn aus, jetzt bleibt ihm nur noch der Weg zum Jobcenter - um Hartz IV zu beantragen. „Wenn ich Familie hätte, müsste ich sie zum Betteln schicken“, verdeutlicht der arbeitslose Maschinenbauer seine Lage.

Michael Gretschmann

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