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Beim Faschingszug in Epfach ging es recht lustig zu. So manche Begebenheit wurde aufs Korn genommen. Fotos: Mergel

Faschingsumzug Epfach

Riesengaudi trotz Frau Holle

Der gestrige Faschingsumzug in Epfach war zwar nasskalt, aber dennoch reich an närrischen Besuchern. Die Lechrainer haben mit ihren Gästen aus Hohenfurch, Burggen, Reichling und Schongau die große Politik aufs Korn genommen – jedoch noch mehr die kleine.

Epfach – Im Fasching ist auch mal der Kleine groß: das David-Prinzip. Die Epfacher sind zwar in der Gemeinde Denklingen nur der Juniorpartner. Dennoch wird Bürgermeister Michael Kießling „seine Epfacher“ wohl nicht so schnell vergessen, sollte er nach der kommenden Bundestagswahl nach Berlin gehen. Beim Faschingsumzug war auch der CSU-Politiker Ziel der Humorparade. Aber weil Kießling dafür bekannt ist, dass er Spaß versteht, fiel der Spott eher liebevoll aus.

Da wurde die Termin-Kollision bei der jüngsten Bürgerversammlung mit einem Termin des Epfacher Faschingsclubs von Altpräsident Thomas Becher erwähnt, für die Kießling einen großen Kalender überreicht bekam. Becher: „Da sind auch nur drei Termine von drauf. Aber eine Schnapsrunde für den Elferrat sollt drin sein!“

Auf einem Wagen wurde eine Rechnung der Denklinger Gemeinde für den Faschingsclub präsentiert. Höhe: ganze 1,12 Euro für den Wasserverbrauch beim Dorfadvent. Für die Epfacher Narren war klar: „Das Stadion und das Rathaus in Denklingen müssen ja finanziert werden!“

Faschingsumzug in Epfach - die Bilder

Und ein anderer Wagen fuhr – zu Kießlings moralischer Unterstützung und zum allgemeinen Gaudium – als „Enschi-Mobil“ mit: Dekoriert in schwarz-rot-gold mit einer Person in orangem Jackett und mit der unvermeidlichen Fingerraute: eine sehr, sehr jugendliche Angela Merkel halt.

Der Epfacher Faschingsumzug ist eine echte Traditionsveranstaltung. Seit 1900 stellen sie die Lechrainer – mit einigen Jahren Pause – auf die Beine – und immer wieder mit tollen Gastdarbietungen aus den Nachbardörfern, und auch bei schlechtem Wetter. Dieses Mal meldete der Faschingsclub auf Facebook am Tag davor: „Wir lassen uns von Frau Holle den Faschingsendspurt natürlich nicht nehmen und freuen uns über jeden Maskerer, ob Besucher oder Teilnehmer, der das Ende der schönsten Jahreszeit nochmal richtig mit uns feiert!“

Und so war es auch. Rund 400 fröhliche Maskierte waren gekommen, es gab auch was zu sehen. Das Thema „Russisches Staatsdoping“ war mit Abstand das beliebteste. Neben dem Bobteam von Epfacher Faschingsclub mit einem Fahrzeug und einer Rampe griffen es die Landjugend Hohenfurch und die Jugend Burgen auf.

Die Rotter Landjugend hatte einen Käfig auf einen Wagen montiert und sich dort unter dem Motto „Vogelgrippe“ selbst in Quarantäne gestellt. Die Landjugend Reichling brachte den US-Präsidenten Donald Trump mit „Make Carnival great again“ ins Schongauer Land. Etwas näher (und damit auch witziger) war der Wagen von einigen „Epfacher Bauernburschen“, die die kritische Größe von nun 30 000 Einwohnern (für Prostitution) der Kreisstadt Landsberg als Motto wählten: Die mehr oder weniger attraktiven „Damen“ in luftiger Bekleidung turnten auf dem Wagen herum, mit dem Hinweis: Ab jetzt kann es mit dem Gewerbe in Landsberg richtig steil aufwärts gehen – mit dem horizontalen nämlich.

Viele regionale Sachen, die über übers Jahr im Dorf passierten, über die jeder Bescheid wusste und lachte, kamen nun aufs Tablett: Das „Gülleproblem der Epfacher“ etwa: Der eine Bauer odelte die Kreisstraße, weil der Schieber nicht zu war, der andere aus Versehen die Wand vom Sportheim. Ein anderer bekam sein Fett weg – Namen werden selbstverständlich beim Faschingsumzug nicht genannt – weil er die Gegend mit großformatigen Schildern plakatierte. Und darauf mehr Wildabschuss forderte, um die Bäume zu schützen.

Auf Kinderbulldogs forderten die allerjüngsten Narren mehr Integration der „Zuagroasten“, die sich ja durchaus in den Vereinen engagieren könnten. Manches versteht vielleicht der ortsfremde Gast nicht hundertprozentig – die Kostüme waren jedoch originell, und die Gaudi riesengroß.

Mit den Garden aus Schongau und Hohenfurch gab es in der Turnhalle noch „Klassisches Faschingsprogramm“, DJ Harry heizte musikalisch ein. Und das wie immer bis spät in die Nacht – in Epfach ist der Fasching erst aus, wenn der Letzte heimgegangen ist.

Mehr Bilder vom Epfacher Faschingszug bei merkur.de

Klaus Mergel

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