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Felix Brunner: "Tolles, geiles, lebenswertes Leben" - auch mit Handicap

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Felix Brunner bei seinem bewegenden Vortrag. foto: uf
Felix Brunner bei seinem bewegenden Vortrag. foto: uf

Herzogsägmühle - Ein Schicksalsschlag hat vor drei Jahren sein Leben komplett verändert. Seit einem Bergunfall sitzt der 22-jährige Bergsportler Felix Brunner im Rollstuhl. Trotzdem hat er seinen Lebensmut nicht verloren und will auch andere damit anstecken.

Auf Einladung des Freizeit- und Bildungswerks hielt Felix Brunner einen Motivationsvortrag vor über 200 Besuchern im Rainer-Endisch-Saal, Herzogsägmühle.

„Der Felix wird wahrscheinlich sterben“, bekamen seine Eltern im Krankenhaus zu hören, als Felix Brunner nach seinem Unfall eingeliefert worden war. Auf dem Rückweg von einer Eiskletterwand war der damals 19-Jährige auf einem ganz normalen Wanderweg ausgerutscht und dreißig Meter tief in ein Bachbett gestürzt. Becken und linker Oberschenkel waren zertrümmert, durch eine Verletzung der Beinvene hatte er etwa vier Liter Blut verloren. Felix Brunner hat überlebt.

Seit seinem Sturz lag er acht Monate im Koma, musste 60 Operationen über sich ergehen lassen und verbrachte anschließend 13 Monate auf der Intensivstation. Als er schließlich nach Hause entlassen wurde, war er ein Pflegefall. Bettlägrig und von Medikamenten abhängig. Felix Brunner nennt seine damalige Abhängigkeit von Schmerzmitteln schlicht „drogensüchtig“. Heute hat er einen Entzug hinter sich, macht wieder Radtouren auf einem speziellen Liege-Mountainbike und erste Gehversuche mit Krücken. Sein Ziel: Wieder auf eigenen Beinen einen Berggipfel zu erklimmen. Dabei hat Felix Brunner mit seinen 22 Jahren schon mehr Berggipfel gesehen, als manch einer in seinem ganzen Leben. Einst war er mit 16 Jahren der jüngste Bergretter Bayerns, engagierte sich bei der Bergwacht und beim Alpenverein. Jetzt motiviert er Menschen, auch nach harten Schicksalsschlägen nicht aufzugeben. Demonstriert, wie man auch mit Handicap ein „tolles, geiles, lebenswertes Leben“ haben kann. Der Unterschied zu früher könnte größer nicht sein. Von der Leinwand grinst ein muskulöser, strohblonder junger Mann mit modischer Sonnenbrille selbstbewusst ins Publikum. Felix Brunner vor vier Jahren. Kaum zu glauben, dass das der zierliche Junge im Rollstuhl sein soll, der jetzt vor den Zuschauern sitzt. Und bei dem lediglich die angespannten Gesichtsmuskeln verraten, wie sehr ihn die Bilder, die ihn vor seinem Unfall zeigen, bewegen. „Ohne meine Eltern und meine Freunde hätte ich das alles nicht durchgestanden. Man versteht erst, wenn man sie braucht, wie wichtig sie sind“, bekennt er.

Ein weiterer Baustein zum Überleben waren die zarten Bande zu einer Schweizerin, die ihn ein halbes Jahr lang jedes Wochenende im Krankenhaus besuchte und die Pläne, die Felix Brunner trotz seines Zustands schmiedete. Ein Urlaub mit den Eltern im Wohnmobil, seine Freundin nach einem halbjährigen Aufenthalt in Neuseeland vom Flughafen abzuholen. Pläne, die er ein ums andere Mal begraben musste. Ein Krankenhauskeim erforderte eine weitere Operation mit anschließendem künstlichem Koma, ein Hüftgelenk musste ausgetauscht werden, die Beziehung zerbrach.

Neuen Lebensmut schöpfte Felix Brunner erst, als er in der Reha-Klinik Florian Fischer, querschnittsgelähmt und Mitglied der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft, kennenlernte. Was der geschafft hatte, wollte er auch erreichen: Beruf, kleiner, wendiger Rollstuhl, cooles Auto und eine Frau.

Und er ist auf einem guten Weg. Die Freundin hat er schon, im Herbst fängt er an, das Fachabitur nachzumachen. Seine Krankenpflegerausbildung konnte er wegen des Unfalls nicht abschließen. Und er motiviert andere mit Benefizveranstaltungen und Vorträgen.

Denn Felix Brunner ist sich sicher: „Hinter dem Horizont kommt noch etwas!“ ursula fröhlich

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