Geglückter Einweihungssprung vom „Action mountain“: Mit einem Salto rückwärts von Sebastian (12) beginnt eine neue „Kinder-Spiele-Nachmittag“-Ära. foto: herold

Felsenspringer im Spaßbad

Schongau - Acht Jahre lang hat das große Gummiflugzeug die Kinder im Plantsch am Spielenachmittag in den Phantasiehimmel geflogen. Im großen Innenbecken schwamm das Gerät als Spaßmagnet. Das gute Stück wurde im Laufe der Zeit richtig hergearbeitet, ist daher flügellahm geworden. Ersatz ist notwendig.

Die Spannung steht den Kindern richtig ins Gesicht geschrieben. Stimmengewirr, offene Fragen, wilde Diskussionen. Was kann man mit diesem neuen Ding machen? Wie schwimmt es eigentlich, wo ist oben, wo unten? Das nagelneue Spaßgerät soll erstmals zu Wasser gelassen werden. Noch hängt das große Luftpolster in den Farben gelb-grün-blau unter der Decke über dem großen Innenbecken. Und Johannes (8) tritt aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Der Bub hat sich viel vorgenommen. Er will der erste sein, der den Gummifelsen erklimmt. Auf die Frage, ob er schon das Seepferdchen hat, zeigt er ganz stolz die nächst höhere Stufe, das Schwimmabzeichen in Bronze. Alles paletti, dem Gipfelsturm steht nichts mehr im Wege.

Beinahe feierlich lässt Rettungsschwimmer Andreas Echter den Gummifelsen mit der Elektrowinde von der Decke ins Wasser gleiten. Ähnlich wie bei einem Stapellauf eines Luxusliners, nur viel nüchterner. Die Schampusflasche hätte mit der Gummiwandung so ihre Schwierigkeiten. Aber geschmeckt hätte die prickelnde Flüssigkeit allemal. Mit vier Gummiseilen wird die Schwimminsel im Wasser genau fixiert, Sicherheit wird bei Thomas Bognar groß geschrieben. Der Meister für Bäderbetriebe gibt den Startschuss erst, wenn alle vier Endstücke fest verankert sind. Dann gibt es bei den Kindern kein Halten mehr. Erstaunlich: Nur Mädels sind da in langer Schlange, einzig Johannes steht in vorderster Reihe. Der Griff in die Halteschlaufen und ab nach oben. Wow, schaut auf einmal alles ganz anders aus. Die Höhe ist ungewohnt. Doch Johannes trägt es mit Fassung. Der geplante wilde Sprung weicht zwar einem sanften Rutschen, aber er hat als erster den „Action mountain“ bezwungen.

Eine der Stärken von Plantsch-Geschäftsführer Andreas Kosian ist, immer auf der Suche nach Neuerungen zu sein. Oder ist es gar eine Schwäche? Denn sieht Kosian etwas Kurioses, dann wird er förmlich schwach, unruhig. Und versucht, sich das Teil im Plantsch vorzustellen.

So war es im Sommer mit dem „Tauch ihn unter Becken“, was ein großer Erfolg wurde, so ist es jetzt mit dem Rutsch- und Sprungfelsen. „Das Ding muss her“, so der Gedanke von Kosian im vergangenen Jahr auf der „Inter-Bad“ in Stuttgart. Mit Thomas Bognar war er dort, um sich umzusehen. „Dass Andreas fündig wird“, war für Bognar klar. „Denn seine Ideen sind wie ein Sprudelbad.“ Doch nicht alle angebotenen Teile sind fürs Plantsch geeignet. Sicherheitsbedingungen müssen eingehalten werden, Abstände zum Beckenrand, Wassertiefe. Ein wichtiger Aspekt für den Kauf ist auch, wie viel Personal das Gerät bindet. Kosian nahm Verbindung zum Direkthersteller auf. Probleme gab es auch. Woher die Mittel nehmen? Das Ding kostet schließlich was. Doch da fand Kosian in dem Schongauer Elektrotechnikbetrieb Biebl einen großzügigen Sponsor, der die Kosten übernahm. Und wie kommt der neue Sprungfelsen bei den Kindern und Jugendlichen an? „Saustark, heiße Kiste oder affeng...“ Alle sind begeistert. Den ersten Sprung von der Klippe hat der zwölfjährige Sebastian gezeigt. Und das sehr gelungen.

Hans-Helmut Herold

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