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Christoph Garbe dirig iert in der Stiftskirche in Rottenbuch das Publikum beim Abschlusskonzert des Wiessommers.

„Festlicher Sommer in der Wies“ in Rottenbuch

Musik ist die Sprache der Seele

Rottenbuch - Als außergewöhnlich kontrastreich erwies sich das für dieses Jahr letzte Konzert der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“. Allein schon aus dem Grund, dass die beinah zweistündige Veranstaltung an zwei Abenden hintereinander aufgeführt wurde.

Die Aufführungen waren einmal am Freitag im gemütlich warmen Saal des Schongauer Ballenhauses und dann in der ungeheizten eiskalten Pfarrkirche in Rottenbuch, was die Zuhörer aber nicht störte – auch die Kirche war gut besucht.

Und auch das umfangreiche Programm des Adventskonzertes „Immanuel“ lebte von Gegensätzlichkeiten. Bekannte Stücke wie „Maria durch ein Dornwald ging“ oder der wunderschöne „Advent-Jodler“ des Österreichers Lorenz Maierhofer konnte man genießen.

Aber die musikalischen Leiter Kristina Kuzminskaite und Christoph Garbe hatten sich viel mehr einfallen lassen. Aus ganz unterschiedlichen Ländern wurden Lieder zum Advent präsentiert und auch hierbei ging es von a-Capella Gesang über Orchestermusik bis hin zu einer Uraufführung mit Chor und Orchester sehr kontrastreich zu.

Für Abwechslung sorgte auch, dass das Konzert aus drei Teilen bestand. Der Rottenbucher Kirchenchor unter der Leitung von Kristina Kuzminskaite startete mit „Veni, Veni Emmanuel“, einem Lied aus dem 13. Jahrhundert eines unbekannten Komponisten. Ein sehr unter die Haut gehendes „Ossèh Shalom“, ein jüdisches Gebet nach einer Melodie von Nurit Hirsh aus Israel, und ein „Jubilate Deo“, ein interessantes Arrangement des ungarischen Komponisten Halamos Lászalo wurden ausdruckstark präsentiert.

Der Chor der Stadt Schongau begab sich musikalisch unter der Leitung von Christoph Garbe dann weiter in ganz verschiedene Länder. Eine außergewöhnliche Messe, die „Missa simplex“ von Rihards Dubra aus Lettland war unter anderem zu hören. Man wurde mitgenommen nach Russland und kam in den Genuss des sehr berührenden Stücks „Tebje Pojem“ von Dimitrij Bortnjanskij, das die russische Seele nahezu verkörperte und in die sich jedes Chormitglied hinein zu fühlen schien, so eindrucksvoll wurde hier gesungen.

Eindrucksvoll war auch der überraschende Soloauftritt von Christoph Garbe. Geplant war eigentlich ein Trio-Gesang des englischen Komponisten William Byrd, aber eine Sängerin war erkrankt. „Ich singe Ihnen heute das älteste überlieferte deutschsprachige Weihnachtslied“, erklärte Garbe dem Publikum. Und mit wunderschöner Bass-Bariton-Stimme sang Garbe dann das „Sei willkommen, Herre Christ“ einmal in mittelhochdeutsch und einmal in deutsch.

Eine Überraschung und zugleich Auflockerung war es dann, dass man mitsingen durfte. Nicht am Ende, wie es bei manchen Konzerten zur Abrundung vorkommt. Nein, hier sang man unerwartet mittendrin gemeinsam das Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“ und das gleich mit allen vier Strophen.

Nun übernahm das Streichorchester der Stadt Schongau die musikalische Gestaltung. Mit gewohnt betontem Körpereinsatz und hoch konzentriert führte Dirigentin Kuzminskaite ihr Orchester durch Werke von Michel Corrette (Frankreich), Benjamin Britten (England), und auch zwei Sätze aus der „Sonate A-Dur“ des deutschen Komponisten Georg Philipp Telemann wurden präsentiert.

Dass zum Abschluss dieser hervorragenden Veranstaltung noch vom gesamten Chor und Orchester das Stück „Immanuel“ von Christoph Garbe zur Uraufführung kam, war nach diesem kontrastreichen Programm noch das Tüpfelchen auf dem i.

Die anfänglichen Begrüßungsworte von Rottenbuchs Pfarrer Josef Fegg bewahrheiteten sich nach diesem Konzert: „Musik ist die Sprache der Seele. Sie ist Ausdruck, was in Worte nicht zu fassen ist“.

Regina Wahl-Geiger

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