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Einen beeindruckenden Klangteppich entfalteten Solisten, Chor und Musiker beim Konzert in der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ bei Mozarts Requiem.

Festlicher Sommer in der Wies

In Mozart klangbaden und mitreißen lassen

Wies - Was die Substanz der Konzerte des „Festlichen Sommers in der Wies“ so unverwechselbar macht, fasste Hausherr Prälat Gottfried Fellner in seiner Begrüßung zusammen: „Im Zentrum steht die Musik, Musik mit geistlichem Inhalt, die dort einen unübertroffenen Rahmen aus Architektur, Plastik, Gemälde, Licht, Farbe und Klang bekommt.“

Bei der Programmgestaltung eine Korrespondenz mit dem Mozart-Requiem, dem Zentralwerk des Abends, zu suchen, ist keine leichte Aufgabe. Mit drei vorangestellten A-Cappella-Sätzen schlug Dirigent und Künstlerischer Leiter Christoph Garbe jetzt eine weite Brücke von der Wiener Klassik Mozarts bis in unsere Gegenwart. Inhaltlich ideal zum Requiem hin führend, erhob sich mit dem Spiritual „Hear my Prayer“ von Moses Hogan ein tief berührender, warm gleitender Chorgesang, der keine Wünsche offen ließ in seiner Aufrichtigkeit.

Dem hervorragend verständlichen amerikanischen Text verlieh der Chor der Stadt Schongau vor allem mit lang und behutsam ausklingenden Konsonanten fast das Gefühl, wundersamen Glockenschlägen zu lauschen.

Energie erfüllte den Raum

Ohne Zögern schaltet das Chorensemble um in eine ganz andere Klangfarbenwelt bei Lajos Bárdos. Wie ein Befreiungsruf strahlt das „Libera me“ eine spürbare Energie in den Wiesraum. Ein großes Blühen erleben die zahlreichen Zuhörer im „Ubi Caritas“ des jungen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo.

Für das Hauptwerk des Abends in der sonnendurchfluteten Wies, Mozarts unvollendetes „Summus Finis“, hatte Christoph Garbe ein junges, in Volumen und Farbe homogenes Solistenquartett gewählt: Thomas Stimmel, dessen zwar nicht allzu großer, aber warm strömender Bass vor allem im „Tuba mirum“ erfreute. Tenor Andreas Hirtreiter, ein nach bester Evangelistenart plastischer Erzähler, Brigitte Lang mit samtig fließendem Alt und Anna Karmasin, deren klarer, mühelos leuchtender Sopran in weit angelegten Bögen strahlte.

Den Damen war es zueigen, eine besonders überzeugende Linienführung mit großen Atembögen zu gestalten, während die Herren nicht immer in der Phrasierung ähnlich weit und geschmeidig ausholen konnten. Mit zarter Behutsamkeit schmiegt sich vor allem das „Recordare“ des Quartetts ins Ohr. Hier wäre es schön gewesen, wenn sich das Orchester etwas mehr zurück genommen hätte.

Kleine Temposchwankungen in den Streichern der Neuen Süddeutschen Philharmonie kann Garbe auffangen, der in einer Mischung aus Präzision und Geschmeidigkeit vor allem den Chor im Fokus hat. Seine stets sanft schwingenden Tempi sind ein Balsam für gestresste Zuhörerseelen.

Eine Klangwolke nach der nächsten

In diesem Mozart darf man klangbaden und sich einfach mitnehmen lassen. Majestätisch fließend, immer in der Konzentration stehend, reagiert der Chor quasi auf Wimpernschlag, schichtet bereits im Introitus eine Klangwolke auf die nächste. Gerade der hohe Sopran zeigt sich in hellen Farben ganz ermüdungsfrei. Die Wechsel zwischen piano- und forte-Bereich sind akkuratest gearbeitet. Feuer brennt jedoch im „Dies irae“, doch kein peitschender Grimm. Beeindruckend ist, wie Garbe hier immer wieder nachfasst in der Intensität und so enorm dicht im Text steht.

Ein Abend, der vor allem in Chor und Soli in Gestaltung und Form, in Farbe und Zugriff große Kraft aufbaut und sich gleichzeitig dennoch in Demut vor dem Inhalt verneigt.

Dorothe Fleege

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