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Rettung in luftiger Höhe: Der „verletzte“ Hausmeister Norbert Schelle liegt fest angeschnallt auf der Trage.

Feuerwehr und BRK üben am neuen Raiffeisen-Gebäude

Für die Katastrophe gerüstet

Ein neuer Kommandant, ein neuer Gebäudekomplex, eine neue Herausforderung. Ist es da nicht naheliegend, während der Aktionswoche der Feuerwehr eine Verbindung herzustellen? Es ist. Die Peitinger Floriansjünger probten den Ernstfall am neuen Raiffeisengebäude. Und holten sich dazu eine weitere schlagkräftige Truppe mit ins Boot: Das BRK.

Es ist schon ein beeindruckender Anblick, wenn man in abendlicher Stunde den neu angebauten Aufgang des Raiffeisengebäudes betrachtet. Vom gläsernen sechsten Stockwerk in luftiger Höhe ganz zu schweigen. Und ein Genuss, die Marktgemeinde mit dem Bergpanorama von der obersten Etage aus zu betrachten.

Doch was ist, wenn durch irgend etwas eine Notsituation eintritt. Wenn Personen aus luftiger Höhe aus dem Tagungsraum gerettet werden müssen, da Aufzüge nicht mehr benutzt werden dürfen und die Treppenhäuser blockiert sind. Dann ist Schicht im Schacht, Schluss mit lustig.

Diese Lage hat Klaus Straub, Kommandant der Peitinger Wehr, als Übung ausgearbeitet. Hat sich natürlich bestens angeboten, da Straub darüber hinaus auch Mitarbeiter der Raiffeisenbank ist. Er kennt die Örtlichkeiten, er weiß über die Abläufe während eines Einsatzes bestens Bescheid. „Diese Kombination wollten wir natürlich nutzen“, erklärt Raiba-Vorstand Stephan Rupprecht, der selbst vor Ort ist und die Übung aufmerksam verfolgt.

Rupprecht will Gewissheit haben, gerade in einem Ernstfall bei Nacht die Mieter der höheren Stockwerke sicher retten zu können. Die Übungslage: In der Tiefgarage entsteht bei Wartungsarbeiten eine Verpuffung. Starke Rauchentwicklung macht ein Betreten unmöglich. Die zwei arbeitenden Personen werden vermisst. Durch Kurzschluss fallen die Aufzüge aus, die Treppenhäuser total verraucht. Die Personen im Tagungsraum und Mieter in den oberen Stockwerken können nur mittels Drehleiter von außen gerettet werden.

Robert Turansky leitet ab jetzt den Einsatz. „Eine sinnvolle Maßnahme, da der Kommandant doch jede Schwierigkeit kennt. Er hat die Übung ja ausgearbeitet“, erklärt Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer am Rande als aufmerksamer Beobachter.

Die Peitinger Wehr rückt mit allen neun Fahrzeugen aus. Vom Bereitstellungsraum aus werden vom Einsatzleiter die jeweiligen Fahrzeuge abgerufen und in Position gebracht. Dadurch will man verhindern, dass nicht alle Kräfte bis zum Einsatzort vorfahren und die Wege blockieren. Während zwei Trupps mit schwerem Atemschutz in die Tiefgarage vordringen, geht an der Breitseite des Gebäudes die große Drehleiter in Stellung.

Großalarm auch beim Roten Kreuz. Die Helfer vor Ort aus Peiting, die als erste vor Ort sind, erkunden sofort einen Sammelpunkt für die Verletzten gegenüber auf dem Parkplatz. Dort wird das aufblasbare Versorgungszelt aufgebaut, in dem sich die BRK Bereitschaften von Schongau, Peiting, Peißenberg und Weilheim einrichten. 17 Rettungskräfte werden die Verletzten versorgen, vier Rettungwagen stehen für deren Abtransport in die Krankenhäuser zur Verfügung. Mittlerweile wird der erste Verletzte im obersten Stockwerk mit der Trage auf den Rettungskorb verbracht. Eine Herausforderung für die Retter....und auch für den Verletzten.

Für Hausmeister Norbert Schelle das erste Mal, mit einer Drehleiter in der horizontalen Lage mit Blick in den nächtlichen Himmel nach unten befördert zu werden. Fest angeschnallt, falsche Bewegungen unmöglich. Sein Kommentar am Boden: Ein erleichterndes Lächeln über das ganze Gesicht. Wechsel der Drehleiter an die Breitseite des Gebäudes. Weitere Personen werden gerettet. An diesem Abend acht.

Das Fazit von Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer: „Eine sehr anspruchsvolle Übung, bei der zehn Personen aus sehr missligen Lagen gerettet wurden.“ Fernsemmer weiter: „Respekt an das Rote Kreuz, das so aufwendig diese Übung unterstützt hat.“ Als Motto der Aktion wurde „wenn die Katastrophe kommt, sind wir bereit“ gewählt. „Mit dieser Übung habt Ihr alle bewiesen, dass Ihr dazu bereit seid“, so Fernsemmer bei der Abschlussbesprechung.

Auch Raiba-Vorstand Stephan Rupprecht zeigt sich sehr zufrieden zu wissen, dass in einem Ernstfall alle Personen sicher aus dem Gebäude gerettet werden können.

Hans-Helmut Herold

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