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Deutliche Worte: Auch die Filiale in Altenstadt ist geschlossen.

Filialen geschlossen

Nichts geht mehr bei der EVG

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Bernbeuren/Altenstadt - Das Tor verrammelt, die Fensterläden dicht – seit einigen Tagen geht nichts mehr bei der EVG. Die Filialen in Altenstadt und Bernbeuren sind zu, auch das Lager in Lechbruck. Hinter verschlossenen Türen wird mit Interessenten verhandelt.

Dass die EVG Erkheim finanzielle Probleme hat, kam für Beteiligte zwar nicht überraschend. Aber offensichtlich waren diese größer als angenommen. Am 24. August war wegen Liquiditätsengpässen eine sogenannte Sanierung in Eigenverwaltung begonnen worden, um den Fortbestand der Genossenschaft zu sichern. Doch zwei Monate später, mit Beschluss vom 28. Oktober, wurde das Regel-Insolvenzverfahren über die Ein- und Verkaufsgenossenschaft eG eröffnet. Weil bisher kein Investor für eine Gesamtlösung gefunden worden war, bedeutet dies für die 16 Märkte in der Region, im Allgäu und in Oberschwaben die Kündigung von insgesamt 193 Mitarbeitern. Außerdem soll die EVG zerschlagen, die einzelnen Filialen verkauft werden.

Vor allem für die Landwirtschaft ein Verlust

„Die Versorgungslage hat sich in jedem Fall noch einmal verschlechtert“, bedauert Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner die Schließung. Drei Mitarbeiter sind seinen Informationen nach vor Ort betroffen. Vor allem für die Landwirtschaft sei dies ein Verlust und für all diejenigen, die nicht mobil seien. Angeboten wurden in Bernbeuren auch Gartengeräte und Friedhofsbedarf. In Lechbruck befindet sich in den EVG-Räumlichkeiten nur noch ein Lager für Sicherheitsschutzkleidung in der Forst- und Waldwirtschaft.

Groß war hingegen das Angebot in Altenstadt. „Ich bedauere es, dass es das nicht mehr gibt“, so Bürgermeister Albert Hadersbeck. Er habe schon Kontakt aufgenommen mit dem Vermieter der Immobilie, der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel. Aber derzeit sei gar nicht klar, was dort passieren wird. Weil auch die gelben und blauen Müllsäcke der EVA über die EVG-Filiale vertrieben wurden, hat man eine Lösung gesucht: Diese gibt es nun im Rathaus, allerdings nur zu den Öffnungszeiten am Vormittag. „Das ist aber derzeit das geringste Problem.“

Bis auf Weiteres bleiben alle EVG-Filialen geschlossen, heißt es seitens des vom Amtsgericht bestellten Insolvenzverwalters Thomas Karg (Memminger Kanzlei Dr. Karg, Puhlmann & Kollegen). Es gebe viele Interessenten, die sich für einzelne Objekte, aber auch für den Warenbestand und die Immobilien interessieren würden. Um konkrete Aussagen treffen zu können, wie es mit den EVG-Filialen weitergeht, sei es daher zu früh. Die erste Gläubigerversammlung ist für den 19. Januar angesetzt (Stadthalle Memmingen). Zutritt haben nicht nur Gläubiger, sondern auch Genossen.

Bisherige Insolvenzverwaltung war wenig kooperativ

Bis das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet wurde, ist offensichtlich nicht alles gutgelaufen. „Das war ein wenig kooperatives Auftreten der Insolvenzverwaltung, die haben uns ziemlich abblitzen lassen“, kritisiert Hinterbrandner. Der Bernbeurer Bürgermeister hatte sich dafür eingesetzt, dass zumindest zu Allerheiligen geöffnet bleibt bzw. jene Waren bestellt und verkauft werden, die die Landwirte dringend brauchen, um alles winterfest zu bekommen. Nichts zu machen. „Das hat einen ganz bitteren Beigeschmack“, unterstreicht Hinterbrandner. „Auf der Gläubigerversammlung müsste man die Frage stellen, ob überhaupt ein ernsthaftes Interesse bestand, einzelne Filialen weiterzuführen.“

Gesprochen hatte Hinterbrandner bis dahin mit Sanierungsvorstand Martina Hengartner (Pluta Rechtsanwalts GmbH), die mittlerweile aus der Genossenschaft ausgeschieden ist. Man sei auch an ihn herangetreten, ob nicht etwa die Gemeinde die EVG übernehmen wolle. Dass das Engagement der Gemeinde funktionieren kann, zeigt sich etwa in der Nachbargemeinde Burggen. Dort hatte sich die EVG überraschend Ende 2012 zurückgezogen, die Gemeinde hatte kurzfristig das Ruder in die Hand genommen (wir berichteten).

Jegliche Diskussionen über die EVG Bernbeuren waren jedoch von Vornherein im Keim erstickt worden. Wie Hinterbrandner berichtet, hatte der Sanierungsvorstand ihm einen derart engen Maulkorb anlegen wollen, dass er nicht einmal die Mitglieder des Gemeinderates hinter verschlossenen Türen hätte miteinbeziehen dürfen. Hinterbrandner: „Auf so einer Basis brauche ich gar nicht zu verhandeln.“ Im Gegensatz hierzu signalisiert die jetzige Insolvenzverwaltung Offenheit für Gespräche. Karg: „Wir sind jederzeit erreichbar."

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