Flatterulme jetzt ein Naturdenkmal

Schongau - Sie findet kaum Beachtung. Dabei ist sie so ziemlich das Größte, was die Schongauer Altstadt zu bieten hat. Und das wird jetzt gewürdigt. Denn die Flatterulme im Schongauer Schlossgarten ist fortan als Naturdenkmal geschützt.

Sie wacht über Schongaus Altstadt. Mit einer gewaltigen Höhe von über 20 Metern und einem mächtigen Umfang von rund sechs Metern kann ihr lediglich der Turm der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt Paroli bieten. Die Rede ist von einer Ulme im Schlossgarten des Schongauer Landratsamtes, deren Äste fast schon königlich über die Stadtmauer ragen.

„Genauer bezeichnet wird der Baum als Flatterulme oder Flatterrüster“, erklärt Heike Grosser vom fachlichen Naturschutz für Garten- bau und Landespflege des Landratsamtes Weilheim-Schongau. Sein Markenzeichen sind Bretterwurzeln, die aufgrund ihrer Stärke seine Standsicherheit erhöhen. Und sein Erkennungsmerkmal: „Die asymmetrische Struktur der Blätter.“

Bevorzugt kommt er in den Lechauen vor, oder besser gesagt: ist er vorgekommen. Denn vor mehreren Jahrzehnten sorgte ein gefährlicher Pilz (Ophiostoma) für ein massives Ulmensterben. Zwar waren davon insbesondere die beiden anderen Arten - Berg- und Feldulme - betroffen, trotzdem sind die Flatterulmen in unserer Region mehr als rar gesät. „In Hohenfurch stehen noch ein paar Kleinere“, betont Grosser. Doch der auf 150 Jahre geschätzte Ulmus laevis (Latein) in der Schongauer Altstadt ist in seiner Größendimension nahezu einzigartig.

Dieses Alleinstellungsmerkmal wird jetzt gewürdigt. Denn ab dem heutigen, 15. November, ist der Baum naturdenkmalgeschützt. Damit ist der Flatterrüster einer von insgesamt 19 geschützten Bäumen im ganzen Landkreis Weilheim-Schongau. „Die meisten denkmalgeschützten Bäume sind Linden.“ Eine davon steht beispielsweise in Peiting-Ramsau. Direkt zwischen Radweg und der Umgehungsstraße Richtung Rottenbuch, auf Höhe der Einfahrt zu den dortigen Bauernhöfen.

Damit die Bäume auch so prachtvoll und schützenswert bleiben, müssen sie regelmäßig gepflegt werden. Mit aufwendigen Maschinen oder sogenannten Baumkletterern werden in luftiger Höhe die morschen Äste mittels Motorsäge entfernt. Und das ist teuer. „Solche Erhaltungsmaßnahmen kosten weit über 1000 Euro.“ Nur gut, dass diese Pflege in der Regel nur alle zehn Jahre erfolgen muss.

Im Jahr 2023 dürfte auch die Flatterulme im Schlossgarten wieder einen Schnitt vertragen. Doch bis dahin gilt es jetzt die Bürger auf sie aufmerksam zu machen. „Wir müssen am Eingang des Gartens noch ein Schild anbringen“, betont Hans-Günter Schenke vom Schongauer Landratsamt. Denn so groß der Baum auch ist, leicht zu finden ist er zwischen der alten Stadtmauer und den drei einzelnen Gebäuden des Landratsamtes in der Bauerngasse der Schongauer Altstadt nicht.

Johannes Schelle

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