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Asylbewerber vor der Ammermühle in Rottenbuch.

Ammermühle und fünf weitere Orte

Flüchtlinge: Schwierige Asylbewerber kommen in „Problemheime“

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Rottenbuch - Wohin mit „schwierigen“ Asylbewerbern? Gängige Praxis im Landkreis ist es, Problemfälle in Unterkünfte mit Sicherheitskräften zu verlegen. So werden „Problemheime“ geschaffen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nur drei bis fünf Prozent aller Asylbewerber im Landkreis Weilheim-Schongau „machen uns Schwierigkeiten“, betont Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamtes. Oft ist Alkohol im Spiel, wenn randaliert wird.

So auch am vergangenen Wochenende in der Ammermühle in Rottenbuch: Ein betrunkener Asylbewerber war mit einem Messer auf den Sicherheitsmann zugegangen, die Polizei musste einschreiten, den Mann in Gewahrsam nehmen. Doch was geschah weiter? Der junge Syrer wurde noch am Sonntag aus der richterlich angeordneten Sicherheitsverwahrung entlassen und von Rottenbuch in die Altenstadter Massenunterkunft verlegt.

Zu diesem ganz konkreten Fall erklärt Rehbehn, dass man zwei Asylbewerber in Rottenbuch habe trennen wollen. So sei einer geblieben. Und einer eben nach Altenstadt gebracht worden. „Wenn wir schwierige Leute haben, dann bemühen wir uns, die aus ihrem Umfeld rauszunehmen, wo sie Unruhe stiften.“

Also: Am besten alle Unruhestifter geballt auf einen Haufen, damit aus vielen kleinen Feuern ein Brandherd werden kann? Rehbehn verneint. „Wir versuchen zu vermeiden, dass schwierige Asylbewerber auf einen Haufen zusammenkommen.“ Keinesfalls wolle man Krisenherde schaffen, betont er.

Flüchtlinge: Landratsamt hilflos bei Unterbringung von schwierigen Fällen 

Der gute Wille: Er mag vielleicht da sein. Alleine in der Umsetzung zeigt sich die Hilflosigkeit des Landkreises. „Was sollen wir denn tun?“, räumt Hans Rehbehn schließlich ein, dass das Betten-Roulette in den Asylbewerber-Landkreisen keinesfalls an der Wurzel des Problems ansetzt. Gar alles noch schlimmer machen könnte.

Eine Verlegung in Privatwohnungen ist schon wegen der fehlenden Überwachung ausgeschlossen. „Was wir machen, ist doch eh falsch“, spricht er schließlich für die Landrätin. Die wollte sich noch am gestrigen Donnerstagnachmittag ans Telefon hängen, um bei der Regierung von Oberbayern etwas zu erreichen. „Wir möchten verhandeln, dass die uns die schwierigen Personen abnehmen“, spricht Rehbehn für Andrea Jochner-Weiß (CSU).

Angesichts der Tatsache, dass es insgesamt 20 Landräte in Oberbayern mit noch viel mehr Problem-Asylbewerbern gibt, dürfte das ein hoffnungsloses Unterfangen sein. Ein einsamer Don Quijote gegen die Windmühlen. Andrea Jochner-Weiß ist da nicht zu beneiden.

Ebenso wenig die Asylhelfer in den Brennpunkt-Unterkünften. Andrea Schmid ist eine davon. Sie koordiniert den Helferkreis in Rottenbuch, der auch die Menschen in der Ammermühle betreut. Die Rottenbucherin bestätigt, eine Aussage Rehbehns: Wenige Querulanten, so stimmen beide überein, kippen die Stimmung in der gesamten Unterkunft.

Schon seit Monaten beobachtet Andrea Schmid diese traurige Entwicklung. „Es wird immer schlimmer“, sagt sie. Ob es daran liegt, dass die Ammermühle eben eine Unterkunft mit Security-Personal und damit zu einem potenziellen Abschiebe-Ort für die Schwierigen geworden ist?

Schwierige Fälle: 50 bis 80 Flüchtlinge im Landkreis

1700 Asylbewerber sind aktuell im Landkreis Weilheim-Schongau untergebracht. Bei drei bis fünf Prozent schwierigen Fällen macht das immerhin 50 bis 80 Personen, die immer wieder massiv Ärger machen und nicht erst einmal die Polizei beschäftigt haben.

Unterkünfte mit Sicherheitsdienst gibt es im Landkreis sechs, zählt Rehbehn auf. Im Altlandkreis Schongau sind dies Altenstadt, die Ammermühle in Rottenbuch und Wildsteig. Im Bereich Weilheim die Unterkunft am Leprosenweg, die Hirschbergalm und Penzberg.

Macht – rein statistisch gesehen – acht bis 15 „Problem-Fälle“ pro überwachte Unterkunft. Eine Herausforderung für alle Beteiligten – Landkreis, Security, Anwohner und nicht zuletzt die friedlichen Mitbewohner.

Helferin über Ammermühle: „Ich könnte dort kein Auge mehr zu tun“

Ein Problem, dass schwierige Asylbewerber häufig in Unterkünften mit 24-Stunden-Überwachung geparkt werden, ist das nicht etwa für die Helfer, wie man vermuten könnte. Tatsächlich leiden die Bewohner darunter, „die sich bemühen, auf Kurs sind und sich hier integrieren wollen“, betont Andrea Schmid, Asyl-Koordinatorin in Rottenbuch.

Tatsächlich gibt es in der Unterkunft in Rottenbuch einige Bewohner, die zur Arbeit gehen oder die Schule besuchen. Einem halbwegs geregelten Leben nachzugehen, sich anzupassen: Das ist schwierig angesichts der nächtlichen Vor-, bzw. Überfälle in den Zimmern. Weil es keine Zimmerschlüssel gibt - die waren zwei Monate nach Eröffnung der Unterkunft eingezogen worden - gibt es keine Möglichkeit, sich gegen Übergriffe abzuschotten.

„Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Bett, schlafen. Und plötzlich platzt nachts einer rein, beschimpft Sie, randaliert in Ihrem Zimmer.“ So geschehen in der Unterkunft in Rottenbuch. Und zwar nicht erst einmal.

Viele Bewohner - die Friedlichen - würden täglich in Angst in der Unterkunft leben. Angst vor den Hierarchien, vor Angriffen, Anfeindungen. „Ich könnte dort kein Auge mehr zu tun“, sagt Schmid, spricht von Bewohnern, die ihr Bestes geben, aber sich schwer tun, in Deutschland anzukommen, wenn sie nachts nicht mal schlafen können.

Damit tut sich, neben vielen gemeinen Anfeindungen, Vorurteilen und üblen Pauschal-Urteilen eine weitere Kluft auf. Nicht in der Gesellschaft, sondern innerhalb einer Parallel-Gesellschaft, die längst in den Asylbewerberheimen entstanden ist.

bas

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