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Auf dem Lechbrucker Floß können Gäste feiern und die Aussicht mit Musik genießen. Das ist in Schongau ausgeschlossen – hier geht es um den Bildungsauftrag.

Förderzusage

Trotz Kritik-Flut: Lechfloß am Lido kommt

Schongau - Das seit langem diskutierte Erlebnis-Floß auf dem Schongauer Lido kommt: Der Lenkungsausschuss hat die erhoffte Leader-Förderung genehmigt – allerdings nur hauchdünn und mit der Androhung finanzieller Rückforderungen.

Es war der letzte Punkt auf der Tagesordnung des Lenkungsausschuss der LAG Auerbergland-Pfaffenwinkel. Und auch der, der am meisten Zeit verschlang. Knapp eine halbe Stunde nahm sich Schongaus Tourismusverbands-Vorsitzender Hans Hartung Zeit, um die Details für das angedachte Lechfloß vorzustellen. „Wir brauchen die entsprechenden Fördermittel, damit das ganze Wirklichkeit werden kann“, sagte Hartung. Er zeigte einen alten Stich, der ein Floß auf dem Lech zeigt. Man wolle an die seit vielen Jahrhunderten existierende Tradition der Flößerei anknüpfen. Seit 1376 habe Schongau das Recht einer Floßmeisterei gehabt, mehr als 4000 Flöße pro Jahr seien an Schongau vorbeigekommen.

Eine Ergänzung zu Erlebniswanderungen

Historische Fakten, die den Gästen der Stadtführungen aber zumeist gänzlich unbekannt seien, bedauerte der Stadtführer. Weshalb man nun, auch als Ergänzung zu den Erlebniswanderwegen, das Floß einsetzen möchte. Am Lido, dem Schongauer Stadtstrand, betreibe der Tourismusverein ein Bootshaus, dort wolle man das Floß stationieren und bei den Führungen auch erklären, skizzierte Hartung die Idee. Ein weiterer Punkt sei die Ergänzung des Bildungsangebotes im mittleren Lechtal, die „Erlebbarmachung der Natur. Darum geht es uns auch“, schob er nach. Bisher habe man immer nur vom Höhenweg aus den Naturraum mit seiner vielfältigen Flora und Fauna, darunter viele interessante und geschützte Vogelarten, betrachten können.

Die Kritik der Lenkungsausschuss-Mitglieder ließ nicht lange auf sich warten. Markus Keller, Vertreter des Bund Naturschutz, verwies auf die Widerstände von Fischern und Jagdpächtern. „Wir haben nicht alle aufs Floß holen können“, versuchte Bürgermeister Falk Sluyterman zu beschwichtigen. Seitens des Tourismusverbandes erklärte Susanne Lengger, man wisse alle Umweltverbände hinter sich. Gerade die Umweltinitiative Pfaffenwinkel würde das Floß gerne auch für Touren nutzen, war sich Lengger sicher. Sei doch die Möglichkeit, den Naturraum zu erkunden, ohne ihn zu betreten, ein Gewinn. Landrätin Andrea Jochner-Weiß betonte, sie freue sich auf das Lechfloß in Schongau, und Max Streif, Bürgermeister von Rieden, betonte die Attraktivität des Floßes in Lechbruck.

Es dürfe keine Konkurrenz für Lechbruck sein

An dieser Stelle hakten sowohl Albert Hadersbeck als auch der Koordinator für die Leaderförderung, Ethelbert Babl, ein. Ein Konkurrenzangebot zu Lechbruck, das ebenfalls über Leader gefördert wird, dürfe es nicht geben. Damit schlossen beide definitiv „Gaudifahrten“, wie man sie am oberen Lech-Stausee in Lechbruck anbietet, ausdrücklich aus. Sollte ein entsprechendes Angebot gemacht werden, könnten die Fördermittel gestrichen werden. Eine Rückforderung drohte Babl auch an, falls die Einnahmen – die Floßfahrten sollen eine gewisse Summe kosten – die Ausgaben extrem übersteigen. In der Checkliste, die für jedes Projekt angelegt wird, lag das Lechfloß noch gerade so, mit 24 von 42 möglichen Punkten, innerhalb der Förderkriterien.

Auch Markus Schmorell, Leiter des Forstamtes in Weilheim, schloss sich den Kritikern an. Er wollte wissen, was an dem Projekt denn innovativ sei. Die Flößerei könne, wer will, an der Isar erleben. „Ich frage mich, muss man jede letzte Flussstrecke touristisch erschließen?“ Argumente, die Max Streif mit dem Hinweis auf die Zeitgeschichte abwehrte: Hier könne man etwas vermitteln, „was sonst nicht vermittelbar ist“. Argumente, der sich schließlich die Mehrheit der Ausschussmitglieder anschlossen und die Förderzusage für die Hälfte der 33 000 Euro erteilte.

os

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