Fohlenmarkt in Rottenbuch

Rottenbuch - Tradition, Volksfest, Geschäft: Der Rottenbucher Fohlenmarkt ist so vieles und doch einzigartig. Über all dem Trubel und dem Rummel steht jedoch eines: Die Liebe zum Pferd - egal ob blond oder braun, ob mit oder ohne perfekten Körper.

„Oh, des hat a bissl an kurzen Hals.“ Ein Blick genügt. Schon hat Josef Hartung herausgefiltert, wo das Problem bei diesem Stutfohlen liegt: Es ist die Ganaschenfreiheit. In Pferdesprache. Zu Deutsch: Ist der Hals zu kurz, ist das Tier im Genick immer zu steif, „die Backe ist zu nah am Hals dran.

Und das wirkt sich beim Fohlen auch aufs Laufen aus. Irgendwie sieht das Ganze beim Trablaufen auf dem Fohlenmarkt nicht mehr ganz so rund aus. „Das Tier drückt sich mit den Vorderläufen weg“, erklärt Josef Hartung. Otto Normalverbraucher wird davon zwar nichts verstehen. Aber Josef Hartung wird es schon wissen.

Seit 20 Jahren ist er Zuchtwertrichter. Hut, Bart, kleines goldenes Ringerl im Ohr, Zigarette im Mundwinkel - Josef Hartung aus Hopfen am See im Allgäu ist ein urig-cooler Hund. Mit Adleraugen. Ein Blick genügt, und selbst kleinste Makel am Fohlen sind gefunden.

Gemeinsam mit fünf Kollegen hat Hartung gestern insgesamt 117 Stut- und Hengstfohlen bewertet, die auf der Rottenbucher Fohlenhofwiese aufgetrieben worden sind. Wie schaut der Korpus aus? Wie die Gliedmaßen? Die Schulter, der Hals, die Gelenke? Wie ist die Bewegung im Trab? Die Bewegung im Schritt?

Vor allem das Laufen bereitet den kleinen Fohlen oft Probleme. „Die haben Angst, manche trauen sich nicht mal auf den Mulch“, weiß Josef Hartung aus Erfahrung. Oft gibt’s deshalb noch eine Runde Laufen obendrauf, „damit das Fohlen entspannter wird“.

Passt alles, dann gibt’s nicht nur Zuchtwertklasse eins, sondern auch noch die Rosette als Sonderauszeichnung. Darüber darf sich der Besitzer freuen. Denn das kann den Preis bei der Versteigerung wenig später nochmal anheben.

Aber nicht immer ist das der Fall. „Wir haben auch schon Rosetten-Fohlen gehabt, die wollte keiner“, erinnert sich Josef Hartung. Weil die Farbe zum Beispiel nicht gefallen hat. „Aber die geht den Richter nix an. Wir schauen nur auf die Bewegung und den Körperbau.“

Das zeigt: Die Geschmäcker sind eben verschieden. Auch bei Fohlen. Und nur die „körperliche“ Schönheit allein macht eben auch nicht alles aus. Doch was macht ein Fohlen letztendlich „schön“? Die Antwort vom Experten: „Das ist Liebhaberei - der eine steht auf Blonde, der andere auf Braune.“ Fast schon wie beim Menschen also.

bas

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Landratsamt meldet nur noch neue Fälle
Die Zahl der an Coronavirus-Erkrankten im Landkreis Weilheim-Schongau steigt weiter, allerdings nur leicht. In diesem News-Ticker finden Sie immer alle aktuellen …
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Landratsamt meldet nur noch neue Fälle
TSV Schwabbruck plant Anbau und hofft auf Finanzspritze des Freistaats
Die Mitglieder rennen dem TSV Schwabbruck förmlich die Türen ein. Längst können nicht mehr alle Belegungswünsche für den Gymnastikraum im Vereinsheim erfüllt werden. Ein …
TSV Schwabbruck plant Anbau und hofft auf Finanzspritze des Freistaats
Peitinger Ferienprogramm trotzt Corona - mit Einschränkungen
Ein Peitinger Sommer ohne Ferienprogramm? Das soll es auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht geben. Dafür will das Organisationsteam um Sonja Zila sorgen. Um …
Peitinger Ferienprogramm trotzt Corona - mit Einschränkungen
Tatverdächtige weiter in Untersuchungshaft, Ermittlungen dauern an
Knapp fünf Monate nach der Festnahme von zwei mutmaßlichen Brandstiftern in Thaining (Landkreis Landsberg) ist noch nicht klar, ob und wann die Männer vor Gericht …
Tatverdächtige weiter in Untersuchungshaft, Ermittlungen dauern an

Kommentare