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Fonds geschlossen: Sparkassen-Kunden fürchten um Erspartes

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Schongau - Rudolf M. (Name geändert) ist besorgt. Der Schongauer besitzt über 800 Anteile an einem Immobilienfonds, der jetzt geschlossen wurde. Der Anleger, dem der Fonds in der Kreissparkasse ans Herz gelegt wurde, fürchtet nun, möglicherweise einen herben Verlust einzufahren.

Es sind über 50.000 Euro, die M. in den Fonds KanAM Grundinvest investiert hat. Geld, das seine Alterssicherung gewährleisten sollte. „Von der Sparkasse bin ich eigentlich Seriosität gewohnt. Und dort hat man mir gesagt, dass das eine ganz sichere Anlage ist“.

War es auch in der Vergangenheit. Noch 2009 stufte „Stiftung Warentest“ den Fonds unter 23 vergleichbaren Immobilienfonds mit den besten Aussichten auf dem Spitzenplatz ein. Aus gutem Grund, denn: Das dicke Plus des Fonds von 15,8 Prozent binnen eines Jahres fiel auf.

Hintergrund waren in erster Linie Währungsgewinne, weil der Dollar gegenüber dem Euro gestiegen war. Und weil der Wert der Immobilien nahezu unverändert geblieben war. Dennoch mahnte man bei Stiftung Warentest auch zur Vorsicht. „Die guten Wertentwicklungen können in den nächsten Jahren aufgrund von Mietausfällen wegen der Finanzkrise möglicherweise nicht erzielt werden“, hieß es. Und die Anleger wurden darauf hingewiesen, mögliche Verluste einzukalkulieren.

Rudolf M. fürchtet jetzt genau das. Zwar ist es möglich, die Fonds-Anteile an der Börse zu veräußern, doch müssen dann möglicherweise starke Verluste einkalkuliert werden.

Deshalb rät Sparkassenchef Fritz Lutzenberger auch dringend von übereilten Reaktionen ab. Er empfiehlt, „in Anbetracht der derzeitigen Rahmenbedingungen auf den Immobilienmärkten“ jedoch eher dazu, den geordneten Verkauf der Fondsimmobilien abzuwarten.

Bislang sind fünf Objekte – je zwei im London und Paris, eins in Houston (Texas) – bereits veräußert, noch in diesem Jahr soll der Erlös an die Anleger ausgeschüttet werden. Dazu Lutzenberger: „Anleger sollten sich nicht von der Rückzahlung in Teilbeträgen irritieren lassen. Dies ist auch rechtlichen Gründen erforderlich.“

Mut macht Lutzenberger den Anlegern auch in anderer Hinsicht. „Die Objekte sind derzeit zu 99 Prozent vermietet“, rät er von jedweder Panikmache ab. Und fügt noch hinzu: „Das Immobilienvermögen ist da, weshalb ich auch keine Sorge hinsichtlich eines Totalausfalls habe“, sagt der Sparkassenchef.

Warum es dann überhaupt zur Schließung eines derart erfolgreichen Immobilienfonds gekommen ist? Lutzenberger kann auch das erklären. „Ursprünglich war der Fonds für Privatanleger konzipiert. Doch als er sich immer besser entwickelte, entdeckten ihn auch die Großanleger und investierten zum Teil ganz erhebliche Beträge.“

So weit, so gut. Die Probleme tauchten jedoch auf, als eben diese Großinvestoren nach einer gewissen Zeit ihr Geld wieder abzogen, was zu Liquiditäts-Problemen bei der Gesellschaft KanAM führte. „Ich denke, dass den meisten Großinvestoren kurzfristige Gewinn reichten und da sehr spekulativ agiert wurde“, glaubt Lutzenberger.

Mario Lindauer, Direktor der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel, wehrt gleich ab, wenn die Rede auf Kan AM kommt. „Wir hatten mal kurzfristig Kontakt, haben das Produkt aber nicht angeboten.“

Stattdessen setze man auf hauseigene Produkte der Union Investment Gruppe wie die Immo-Fonds. „Da wissen wir genau, welche Immobilien drin sind“, sagt er und nennt Objekte wie Fünf Höfe, Riem-Arkaden oder das Hotel Hilton City – alle in München. Und: „Unser Fonds ist nur für Privatanleger offen“. Eine Aussage, die sein Kollege Markus Baunach von der Volksbank Schongau bestätigt. Auch dort wurde KanAM „nur in sehr geringem Maß ausgegeben“.

. Rudolf M., der weiß, dass im Raum Schongau etliche Bürger von Sparkassen-Mitarbeitern für diesen Fonds begeistert wurden, verfolgt die Entwicklung auch weiter sehr aufmerksam. „In der jüngeren Vergangenheit ist gerade auf dem Finanzsektor zu viel passiert“, sagt er, wobei ihm die Sorge ins Gesicht geschrieben steht.

Stephan Penning

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