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Bier, Gerede und Verwirrungen gibt es in dem Stück „Freibier“ aus der Feder des Gauvorsitzenden Walter Sirch, nachdem ein Kühllaster mit argentinischem Rindfleisch auf der Gsteig verunglückt ist – ein herrlicher Spaß! 

Theaterpremiere im Oberen Lechgau-Verband

Freibier und andere Unfälle bei der Theaterpremiere im Oberen Lechgau-Verband

Es war in doppelter Hinsicht eine Premiere: Erstmals hat der Obere Lechgau-Verband ein Theaterstück aufgeführt. Auf der Bühne standen Darsteller aus einem halben Dutzend Trachten-und Theatervereinen zwischen Wildsteig und Seeg. Gezeigt wurde das von Walter Sirch geschriebene Stück „Freibier“. Rund 250 Zuschauer genossen die Premiere in der Lechhalle in Lechbruck.

Lechbruck – Auf der Gsteig hat es gescheppert, ein Rums, der im ganzen Dorf zu hören war. Ausgerechnet am 66-er-Abend. Natürlich müssen alle raus und helfen, der Feuerwehrkommandant, der Tierarzt, der Wirt vom Ochsen und der Sägewerksbesitzer sowie der Dorfschupo.

Wir schreiben das Jahr 1993, als in der Dorfwirtschaft noch geraucht werden durfte, die Zeit vor der großen Inflation – es gab noch die gute alte D-Mark. „Die Welt war noch in Ordnung“, beschrieb Walter Sirch, seines Zeichens Gauvorsitzender und Autor des Theaterstückes, die Rahmenbedingungen für seine Geschichte in drei Akten.

Die fünf Hauptakteure haben wir schon kennengelernt, dazu kommt noch Mario, der Eisbollajongleur, manchmal liebevoll auch als Eisbollatandler gerufen, seines Zeichens Eisdielenbesitzer. Ein bestens integrierter und akklimatisierter italienischer Allgäuer, der es mit den sturen Allgaier Dickschädeln zu tun hat. Genauer gesagt des Dorfwirts hübscher Tochter Gabi, die auch in ihn verliebt ist. Dazu kommen noch zwei bessere Hälften, Amalie und Rosa sowie der Bedienung Uschi und einem korrekten, trotzdem dem Gerstensaft nicht abgeneigten Hauptwachtmeister.

Im Oberen Lechgau wird viel und gerne Theater gemacht respektive gespielt; oft im Trachtenverein, manchmal auch als eigenständige Gruppe. Manche machen „Bauerntheater“, andere Gruppen holen die großen Klassiker auf die Bühne oder verschönern die Weihnachtszeit mit selbstgeschriebenen Stücken, die oft genug mit einem Augenzwinkern Land und Leute karikieren und immer ein Happyend haben.

In diese Tradition hat Sirch sein Stück eingereiht. Nimmt der Gauvorsitzende als Starkbierredner kein Blatt vor den Mund und hat Einblick in das, was sich so in den Dörfern das ganze Jahr über abspielt, nutzt der Marktoberdorfer sein Wissen diesmal, um eine Geschichte um einen Unfall und einen quasi Mundraub zu schreiben. Verarbeitet darin noch eine Liebesgeschichte à la Königskinder – Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen wären rein zufällig.

So also hatte Sirch seine Geschichte angelegt und dazu Theaterer aus dem ganzen Gau zusammengebracht. Dazu noch Akteure hinter den Kulissen aus Bernbeuren und den anderen beteiligten Gemeinden. Weshalb man verschiedenste Dialekte zu hören bekommen werde, versprach Sirch eingangs daher.

So also entwickelt sich die Geschichte, es rumst, und ein Kühllaster mit argentinischem Rindfleisch liegt quer über der Straße. Kann man die Berge von Gefrierbeuteln mit dem guten Fleisch einfach liegenlassen? Auch auf die Gefahr hin, dass das verwesende Fleisch das Grundwasser gefährdet? Als guter Christenmensch doch ohnehin nicht, und so sammeln fast alle Beteiligten das Fleisch und deponieren es, in Ermangelung von noch mehr Tiefkühltruhenplatz, in der Kühlung vom Ochsenwirt. Für die fünf Stammtischfreunde gibt’s daraufhin Freibier, Schädelweh inklusive.

Und fürs brave Töchterchen die Gelegenheit, dem Vater den Freund als einen Wunder vollbringenden Schwiegersohn schmackhaft zu machen. Denn die Polizei rückt an, vom lieben Töchterchen anonym informiert, um das geklaute Fleisch zu suchen.

Zwei Akte dauert es, vom quasi Mundraub bis zu dem Punkt, an dem die Liebenden zusammenkommen können. Geschickt eingefädelt von Gabi und mit Unterstützung von der Uschi, der Bedienung, die so viel mehr kann, als nur volle Ascher zu leeren und Bier zu servieren.

Damit wäre das Theater, so stellen Gabi und ihr Mario fest, vorbei. Doch einen letzten Akt soll es noch geben, um die Verlobung zu feiern, und um den Wirtsleut‘ eine Lektion zu erteilen wegen ihres Handelns.

So heißt es nach knapp zweieinhalb Stunden: Ende gut, alles gut. Drei Akte, in denen manch ein Zuschauer Szenen aus dem wirklichen Leben zu sehen bekam – und andere wiederum einen Lachanfall angesichts der augenzwinkernden Sätze und Anspielungen. Zweieinhalb Stunden, in denen er selbst auch Tränen habe lachen müssen, wie Sirch schlussendlich feststellte. Der Autor und Regisseur hatte in der letzten Reihe Platz genommen und zum ersten Mal sein Stück als Zuschauer genossen. Und meinte schließlich: „Guat machat s‘es“.

Weitere Aufführungen: Nach der Premiere kann man das Stück „Freibier“ übrigens nochmals am kommenden Freitag, Samstag und Sonntag (21., 22. Und 23 April) genießen, jeweils um 20 Uhr in der Lechhalle in Lechbruck.

Oliver Sommer

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