Ein moderner Triebwagen auf dem Weg nach Landsberg: Vielleicht gibt es das irgendwann nicht nur bei Sonderfahrten.

Fuchstalbahn: Spitzengespräch mit Minister Zeil

Schongau - Außer Sonderfahrten hat sich bei der Fuchstalbahn lange nichts mehr getan - meilenweit weg schien das große Ziel, den Personenverkehr auf der Strecke Schongau-Landsberg wieder aufleben zu lassen. Doch jetzt kommt plötzlich Bewegung in die Sache: Noch diesen Monat soll bei Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil über das Thema Fuchstalbahn gesprochen werden.

Seit Jahrzehnten fuhr kein Personenzug mehr auf der Strecke, nur Güterzüge waren unterwegs - die rund zehn Kilometer lange Verbindung zwischen Weißenhorn und Senden in Schwaben teilte das Schicksal vieler Nebenstrecken, die in den 60er, 70er und 80er Jahren für den Personenverkehr stillgelegt wurden. Doch kürzlich endete der „Dornröschenschlaf“, wie Verkehrsminister Martin Zeil sagte: Er war mit dabei beim Spatenstich, um die Verbindung für satte zehn Millionen Euro instandzusetzen. Vier neue barrierefreie Haltepunkte werden gebaut, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat dort Verkehr bestellt - schon ab Dezember werden moderne Triebwagen im Stundentakt fahren.

Das hat natürlich auch Tyll-Patrick Albrecht hellhörig werden lassen. Der Vorsitzende der Initiative Fuchstalbahn sieht in dieser ersten richtigen Reaktivierung im Freistaat einen Paradigmenwechsel. Denn bisher wurde bei derartigen Ansinnen immer gebremst. Jetzt aber wittert Albrecht Morgenluft. Denn Weißenhorn ist mit 13 000 Einwohnern vergleichbar mit Schongau, das Fahrgastpotenzial im Schongauer Land sei auf der rund 28 Kilometer langen Verbindung nach Landsberg sogar viel größer. Auch anderswo, etwa beim sogenannten Filzen-Express zwischen Ebersberg und Wasserburg, wird derzeit viel Geld in eine Nebenstrecke gesteckt, die nur durch massive Investitionen auf 1000 Fahrgäste am Tag kam und mit Tempo 50 als Höchstgeschwindigkeit der Verbindung Schongau-Landsberg nicht unähnlich ist. Und diese 1000 Fahrgäste hat die BEG als magische Untergrenze für eine Reaktivierung festgelegt.

Wiederholt hat Albrecht den örtlichen FDP-Bundestagsabgeordneten Klaus Breil um Hilfe gebeten, der stets öffentlich betont hat, sich für eine Reaktivierung einzusetzen. Und jetzt hatte Breil tatsächlich Erfolg: „Noch in diesem Monat wird es ein Gespräch mit Minister Zeil und hochrangigen Vertretern der Kommunen geben“, sagte Breil auf Nachfrage. Dem Vernehmen nach sollen auf jeden Fall die beiden Landräte Friedrich Zeller (Weilheim-Schongau) und Walter Eichner (Landsberg) mit dabei sein. Vor allem Zeller ist ebenfalls ein Unterstützer der Bahn-Reaktivierung. „Es ist gut, dass mit Herrn Albrecht ein Motor da ist, der die Sache am Laufen hält“, sagt Breil.

Albrecht erhofft sich von dem Gespräch vor allem eine Überarbeitung des Gutachtens von 2002, das erhebliche Fahrgastpotenziale gesehen hatte. Zuerst müssen die Kosten angepasst werden. Die reinen Baukosten dürften erheblich gestiegen sein. Andererseits hat die Bahn erst kürzlich die komplette Schienen-Infrastruktur erneuert, was einem möglichen Betreiber entgegenkommen dürfte. Außerdem wurden auch einige Bahnübergänge beseitigt.

Am Wichtigsten dürfte aber die Unterstützung der lokalen Politik sein. Was hatte der Neu-Ulmer Landrat Erich Josef Geßner beim Spatenstich für die Reaktivierung in Weißenhorn gesagt? „Unsere Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt.“

bo

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