Fuchstalbahn: Verein steht vor Kauf eines Schienenbusses

Schongau - Der überwältigende Erfolg aus dem Vorjahr hat es wieder gezeigt: Dampflokfahrten auf der Fuchstalbahn zwischen Schongau und Landsberg haben eine riesige Anziehungskraft. Schon bald könnten Fahrten mit historischem Wagenmaterial zur Regel werden: Der Verein steht kurz vor dem Kauf eines alten Schienenbusses.

Wer etwas Geld mitbringt, kann sich ohne Probleme einen jahrzehntealten Schienenbus in den Vorgarten stellen. Einfach nur im Internet die richtigen Seiten anklicken, dann steht eine ganze Palette an Fahrzeugen der legendären Baureihe VT 98 zur Verfügung. Davon gibt es noch genügend, weil sie mit ihren stabilen MAN-Motoren und der Holzverkleidung sehr widerstandsfähig sind. Und genau so ein Fahrzeug, das bis 1984 auch zwischen Schongau und Landsberg gefahren ist, haben sich Fuchstalbahn-Vorsitzender Tyll-Patrick Albrecht und seine Mitstreiter ausgesucht.

Das erste Angebot kam vor einigen Monaten aus Ostdeutschland von der ehemaligen Sächsisch-Böhmischen Eisenbahngesellschaft. Die fuhr bis Ende 2010 noch im Regelverkehr mit den alten VT 98 in der Region Zittau bis nach Tschechien, musste dann aber den hohen Ausschreibungs-Anforderungen Tribut zollen und kam gegen moderne Triebwagen nicht mehr zum Zug. Besitzer Bernd Heinrichsmeyer, laut Albrecht „ein absoluter Eisenbahnfreak“, dem auch die Hochwaldbahn nahe Trier gehört, verkaufte anschließend einen Teil der Schienenbusse, andere stellte er an seinem Firmensitz ab. Dort hatte sich Albrecht schon einmal umgesehen - und war begeistert: „Da stehen 25 Schienenbusse herum, das ist toll, wie in alten Zeiten.“ Das Angebot: Für 80 000 Euro hätte die Fuchstalbahn ein komplett hergerichtetes Fahrzeug mit Trieb- und Steuerwagen bekommen. „Das würde sich wohl auch finanzieren lassen, wir haben da im Vorfeld schon Gespräche geführt“, so Albrecht.

Doch weil das finanzielle Abenteuer nicht unbedingt erzwungen werden soll, wurde ein anderes Angebot näher beleuchtet. In Wilburgstetten bei Nördlingen etwa steht ebenfalls ein kompletter Schienenbus mit Trieb- und Steuerwagen, für nur 60 000 Euro - allerdings ohne Hauptuntersuchung. Ein Problem: „Denn was die kostet, wissen wir nicht.“ Und auch nicht, welches Unternehmen die durchführen könnte. Deshalb winkte Albrecht abermals ab - und kam auf Möglichkeit Nummer drei.

Es geht um ein Fahrzeug der Mainschleifenbahn, einer nur zehn Kilometer langen Nebenbahn bei Würzburg, auf der mit den roten Schienenbussen touristischer Verkehr stattfindet. Die rührigen Vereinsmitglieder hatten sich vor einiger Zeit zu ihrem Trieb- und Steuerwagen noch einen zusätzlichen Waggon gekauft, um mehr Fahrgäste unterbringen zu können, aber leider ein Hindernis übersehen: Weil es auf der Strecke eine starke Steigung gibt, schafft der relativ PS-schwache Schienenbus es mit dem Zusatzgewicht von mehreren Tonnen nicht mehr den Hügel hinauf.

„Der Wagen ist in der Nähe, er ist rollfähig, damit hätten wir wenig Aufwand“, so Albrecht. Und, was noch wichtiger ist: Er kostet nur 8000 Euro. Dass der Waggon nicht einmal motorisiert ist, stört Albrecht nicht: „Da könnten wir mit einer Lok der Augsburger Localbahn vorneweg fahren, auch um den Kinsauer Berg raufzukommen. Das würde auch früher auf der Strecke nach Landsberg so gemacht.“ Die Leihgebühr für die Lok betrage nur 80 bis 100 Euro pro Stunde, Lokführer hat der Verein selbst genug - es wäre ein relativ problemloser, schneller und billiger Einstieg in einen möglicherweise regelmäßigen Wochenendverkehr.

Zu guter letzt ist vor einigen Tagen noch einmal ein weiteres Angebot aufgetaucht, erneut von den Wilburgstettenern: Die haben einen ebenfalls unmotorisierten Schienenbus bei Halfing nahe Rosenheim stehen. Und es soll nur 3000 Euro kosten. „Wenn das Fahrzeug passt, machen wir Nägel mit Köpfen“, so Albrecht. „dann könnten wir theoretisch schon an Ostern fahren.“

Bei einem Stammtisch

am heutigen Mittwoch um 20 Uhr im Schongauer Brauhaus soll über den Kauf des Schienenbusses gesprochen werden. Eingeladen sind neben dem Vorstand auch alle anderen Mitglieder.

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