1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau

"Fühle mich an den Pranger gestellt"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Auf dieser Homepage des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sollen die Einträge erfolgen. spe
Auf dieser Homepage des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sollen die Einträge erfolgen. spe

Schongau - Ab dem heutigen 1. September sollen Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen - egal, ob in Gaststätten, Betriebskantinen, Supermärkten, Bäckereien oder Metzgereien - auch im Internet nachzulesen sein.

Eine Transparenz, die nicht überall auf Zustimmung stößt. Der „Müller-Brot“-Skandal hat in der jüngsten Vergangenheit für viel Unverständnis in der Bevölkerung gesorgt. „Zu recht“, wie Dr. Michael Siebenhüter vom Veterinäramt Weilheim, das für Lebensmittelkontrollen zuständig ist, meint. Und der deshalb auch glaubt, „dass solche Veröffentlichungen im Internet gar nicht schlecht sind, weil sich mancher vermutlich noch mehr überlegt, wie er Betrieb bzw. Geschäft präsentiert.“ Im Übrigen würden sogenannte Saubären auch heute schon in Internetblogs bloßgestellt. „Die wissen das oft nur nicht“, so Siebenhüter.

Einer, dem die neue Regelung nicht sonderlich passt, ist der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, Benedikt Pentenrieder aus Aidenried bei Pähl. „Da kommt man sich vor wie an den Pranger gestellt“, wettert er. Schlecht sei, dass man seinem Verband bislang noch nicht mitgeteilt habe, wie das Ganze abgewickelt und ein Eintrag im Internet bleiben soll. „Sollte das ein halbes Jahr oder länger sein, der Fehler aber inzwischen abgestellt sein, wäre das geschäftsschädigend“.

Und er legt nach: „Das muss genauso schnell wieder draußen sein, wie es hineingekommen ist“. Zudem müsste die gesamte Lebensmittelbranche gleichbehandelt werden, nicht nur Gastronomen.

Der Peitinger Bäckermeister Heribert Aicher sieht die Neuerung unterdessen gelassen. „Wer seinen Betrieb sauber beieinander hat, wird auch keine Probleme bekommen.“ Sein Betrieb sei bislang noch nie beanstandet worden. Und weiter: „Wir leben nun mal in einem modernen Medien-Zeitalter. Da ist Internet normal, gehört dazu. Wer nicht online ist, hat die Entwicklung verpasst.“

Auch der Altenstadter Metzgermeister Peter Filser („Wir werden gewissenhaft und präzise weiterarbeiten“ sieht keinen Grund zur Besorgnis. „Bei den vergangenen Kontrollen war nie etwas“, fügt er dann noch hinzu, verweist allerdings darauf, „dass eine solche Kontrolle immer nur Momentaufnahme sein kann“. Deshalb müsse der Eintrag auch wieder aus dem Internet verschwinden, wenn der Makel behoben sei.

Hans Rehbehn, Presseprecher des Landratsamts, wartet derweil noch auf den „Feinschliff“, den er, die Vertreter des Veterinäramts und Kollegen anderer Ämter am 11. September in München zu diesem Thema erhalten sollen. Was er heute schon weiß ist, dass die Einträge ein halbes Jahr im Internet bleiben sollen. Allerdings mit dem Vermerk, dass die Angelegenheit erledigt ist, sobald der Übelstand beseitigt wurde.

Und wie läuft das Ganze ab? Lebensmittelprüfer stellen Mängel fest und bewerten dann den Betrieb auf das Bußgeld hin. In schweren Fällen kann dies 350 Euro betragen. Dann kommen zwei unabhängige Labors ins Spiel, die ihrerseits bewerten. Kommen sie zum gleichen Ergebnis, folgt ein Anhörungsverfahren. Der Verursacher hat dann fünf Tage Zeit, Stellung zu nehmen und gegebenenfalls eine Einstweilige Verfügung zu erwirken. Erst wenn die rechtskräftig ist, geht das Verfahren weiter.

Und was wird im Internet aufgeführt? Der Namen des Unternehmens, der Grund der Beanstandung, die Bezeichnung des Produkts, die Grenzwertüberschreitung, die einstellende Behörde, einige allgemeine Bemerkungen und die gegebenfalls erfolgte Mängelbeseitigung. Noch einmal Dr. Michael Siebenhüter: „Ich denke nicht, dass angesichts dieses Zeitfensters wirklich viele im Internet aufgeführt werden.“

Auch interessant

Kommentare