Walter Ernst und seine „exotischen“ Neuzugänge (v.l.): Glen Ogbebon (Nigeria), Dominic Johnson (Tansania) und Besrat Zeleke (Äthiopien) gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der Spielvereinigung S’Bruck/S’Soien. foto: BSE-Pictures

Fußballer integrieren Flüchtlinge

Schongau - Ein Vorzeigeengagement in Sachen Integration zeigen derzeit die Fußballer aus Schwabbruck und Schwabsoien. Sie haben drei Schongauer Asylbewerber in ihren Verein aufgenommen.

Sie sind aus ihrer Heimat geflüchtet, um ihr eigenes Leben zu retten. Glen Ogbebon aus Nigeria, Dominic Johnson aus Tansania und Besrat Zeleke aus Äthiopien wurden politisch verfolgt und haben den Weg in ein sicheres Land gesucht. Im Schongauer Asylbewerberheim fanden sie eine Bleibe. Doch es fällt ihnen schwer, sich mit der dortigen Umgebung anzufreunden, sich zu identifizieren. „Obwohl du frei bist, fühlt sich das Leben im Asylbewerberheim an wie in einem Gefängnis, weil du außerhalb einfach keine Leute kennst, keine Kontakte knüpfen kannst, um raus zu kommen“, beschreibt Glen.

Doch die drei hatten Glück. Nach der Podiumsdiskussion um ein neues Asylbewerberheim im ehemaligen Forstamt Schongau organisierten Tobias Kalbitzer, Roman Horner und Michael Meichelböck ein Fußballspiel zwischen Einheimischen und Asylbewerbern. „Danach haben wir gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, in einem Verein regelmäßig mitzutrainieren“, erklärt Besrat.

Horner und Meichelböck zögerten keine Sekunde, um den dreien einen Platz in ihrem Verein anzubieten. Seither fahren Glen, Dominic und Besrat zweimal wöchentlich mit ihren Fahrrädern nach Schwabbruck oder Schwabsoien zum Fußballtraining der Spielvereinigung S’Bruck/S’Soien. Noch besser: Seit knapp drei Wochen besitzen sie sogar Spielerpässe und konnten bereits erste Punktspielerfahrungen sammeln.

Ganz zur Freude ihres Trainers Walter Ernst. „Sie ziehen im Training gut mit, Besrat hat sogar gute Chancen auf einen Stammplatz in der ersten Mannschaft.“ Er war es auch, der beim allerersten Auftritt - in der zweiten Mannschaft - gleich zwei Tore erzielen konnte. Die sportliche Leistung stimmt also.

Dabei geht es den Verantwortlichen nicht nur um den Fußball. „Wir möchten die Jungs richtig in unserem Verein integrieren“, betont Abteilungsleiter Florian Göhrlich.

Dazu gehört auch das Essen im Vereinsheim, Siege feiern sowie Niederlagen verdauen - als Team. In diesem Vereinsleben sind die drei „Exoten“ mittlerweile vollends angekommen. „Natürlich machte der ein oder andere Spieler am Anfang große Augen“, beschreibt Meichelböck die Reaktion seiner Mannschaftskollegen beim ersten Auftritt der Neulinge. Doch Gegner oder Unstimmigkeiten hat es von Beginn an keine gegeben. „Wir sind hier von allen Beteiligten sehr freundlich aufgenommen worden“, sagt Besrat, der wie Dominic und Glen vor allem die Unterstützung außerhalb des Platzes zu schätzen weiß.

„Wir haben Klamotten bekommen, Lichter für unsere Fahrräder, werden auf Partys eingeladen oder waren sogar schon auf Sightseeing“, erzählt Glen begeistert. Dominik Schreiber, ein weiteres Vereinsmitglied, wanderte mit ihnen auf die Brunnenkopfhütte und zeigte den Flüchtlingen das königliche Schloss Linderhof.

Vielleicht gelingt es Glen, Dominic und Besrat ja, sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen. Erste „echte“ Freunde, die sie dabei unterstützen, haben sie dank des Engagements der Schwabsoiener und Schwabbrucker Fußballer bereits gefunden.

Johannes Schelle

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