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Das Projekt Lernort Sozialdorf geht in die zweite Runde. Über den LEADER-Förderbescheid freuten sich von links: Ethelbert Babl (LEADER-Koordinator), Bruno Bernhard (LEADER- Bewilligungsstelle), Kirsten Hosse (Projektsachbearbeiterin Lokale Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel), Wilfried Knorr (Direktor Herzogsägmühle) und Andreas Kurz (Vorsitzender Dorfentwicklung und Landespflege Herzogsägmühle).

„Im Abseits oder mittendrin?“

Ganz Herzogsägmühle wird zur Ausstellung

Herzogsägmühle - Ein Sozialdorf wird Lernort. Der Grundstein wurde 2014 mit der Eröffnung des Museums in der ehemaligen Jungkolonie gelegt. Für die Fortführung des Projekts wurde jetzt ein Förderbescheid über 175 000 Euro aus LEADER-Mitteln überreicht.

Die Dauerausstellung „Im Abseits oder mittendrin?“, die am Beispiel der wechselvollen Geschichte der Herzogsägmühle auch einen Einblick in die deutsche Sozialgeschichte gibt, hat in den letzten zwei Jahren rund 1500 Besucher nach Herzogsägmühle gelockt. Zeitzeugeninterviews sowie Dokumente und Bilder aus dem Archiv wurden hier zusammengestellt und öffentlich zugänglich gemacht.

Geht es nach den Initiatoren des Projekts, den Mitgliedern des Vereins Dorfentwicklung und Landespflege Herzogsägmühle, soll das Projekt umfassend weitergeführt werden. Für den zweiten Schritt, die so genannte „Phase II“ soll unter dem Motto „Der Lernort lebt“ der ganze Ort in die Ausstellung einbezogen werden. Und zwar in Form von Themenwegen, die zeitgemäß digital als mediale Pfade umgesetzt werden. Das heißt, Nutzer können per GPS-gesteuerter Information mit Hilfe von Tablets im gesamten Ort Informationen über Geschichte, Menschen und Gebäuden sammeln. Die Daten sollen je nach Zielgruppe, wie zum Beispiel Schüler, Studenten, Besucher verschieden aufbereitet sein. Für Menschen mit Handicap sollen Tastmodelle, Hörstationen oder historische Fenster eingefügt werden. Das heißt, jeder kann soviel und umfassend in das Thema einsteigen, wie er möchte. Ein erster Themenweg mit dem Titel „Migration und Heimat“ soll bereits in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden.

Archiv-Zugriff auch für Forschung

Damit nicht genug, soll das Archiv der Herzogsägmühle digital aufbereitet und über eine Web-Schnittstelle für die interessierte Allgemeinheit, zum Beispiel für Forschungsarbeiten überregional nutzbar gemacht werden. Das alles in Kooperation mit Schulen, Hochschulen und der regionalen Museumslandschaft.

Andreas Kurz, Vorsitzender des Vereins Dorfentwicklung und Landespflege Herzogsägmühle ging sogar noch weiter. „Herzogsägmühle soll ein Kompetenzzentrum für kulturelle Teilhabe werden“, betonte er. Und erzählte von seiner Vision. Nämlich, die Geschichte nicht nur in digitalen Welten zu erleben, sondern ganz greifbar und vor Ort als Raum, wo sich Ideen sammeln. Dazu soll der Bau der ehemaligen Jungkolonie in dem das Museum untergebracht ist, sozusagen selbst zum Ausstellungsstück werden. Eine Einhausung aus Glas soll erstens für Haltbarkeit sorgen, aber auch neuen Museumsraum schaffen.

Um das wunschgerecht bis 2019 umzusetzen, sind allerdings noch Spendengelder von Nöten. Die LEADER-Fördermittel decken nämlich nur die Hälfte der geplanten Kosten, die bei rund 350 000 Euro liegen, ab. Die andere Hälfte muss der Verein selbst aufbringen.

Es ist Zeit, Dinge aufzuarbeiten

Immerhin hat der Verein es schon geschafft, die Lokale Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel e.V. als Voraussetzung für die LEADER-Förderung zu überzeugen und auch Bruno Bernhard von der LEADER-Bewilligungsstelle gab nach anfänglicher Skepsis sein ok. „Es ist der richtige Zeitpunkt solche Dinge aufzuarbeiten und Zeitzeugenberichte der Nachzeit zur Verfügung zu stellen“, meinte er.

Direktor Wilfried Knorr betonte, der Gipfel der Arbeit, die „Geschichte und Gegenwart der deutschen Sozialstaatlichkeit erlebbar zu machen“ sei noch nicht erreicht. Für alle Beteiligten hatte er eine Meditation zum Thema parat. Die Frage „Welchen Rat würde Ihr zukünftiges Ich meinem heutigen Ich geben?“

Ursula Fröhlich

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