Hammer-Urteil im Diesel-Skandal gegen VW: BGH-Entscheidung ist gefallen

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Burgenforscher Joachim Zeune bei der Führung entlang der Stadtmauer. foto: os

"Gar herrenmäßig aufferbaut"

Schongau - Der Tag der Städtebauförderung, an dem Schongau heuer teilnahm, stand ganz im Zeichen der 1,6 Kilometer langen Stadtmauer.

Anfang der 1970er Jahre startete in Deutschland die Städtebauförderung, seit mittlerweile 38 Jahren fest dabei ist auch die Stadt Schongau. In dieser Zeit wurden 40 Maßnahmen, zumeist die Sanierung und Erhaltung von alten Gebäuden, realisiert, dabei investierte der Staat rund 15 Millionen Euro. Daran erinnerte Bürgermeister Falk Sluyterman zu Beginn des neu eingeführten bundesweiten Tages der Städtebauförderung, den man in Schongau im Ballenhaus begann.

Dort berichtete Burgenforscher Joachim Zeune über die Schäden, aber auch über Geschichtliches der Stadtmauer und zeigte seine Erkenntnisse bei einer sich anschließenden Führung entlang der alten Stadtmauer. Dieses Baudenkmal, das bald 800 Jahre alt wird, soll verkehrssicher gemacht und attraktiv für die Öffentlichkeit erschlossen werden, so Zeune vor den rund 50 Zuhörern.

Eine Stadtmauer sei neben dem Schutz und der Verteidigung im Kriegsfalle vor allem Zeichen wirtschaftlicher und politischer Macht gewesen: Je größer, je mehr Türme, desto bedeutender. Wer vom Landesherren den Status der Stadt verliehen bekam, musste, so Zeune, zwingend eine Mauer bauen. Wobei die Geschichte Schongaus ein bisschen von hinten aufgezäumt erscheint. Denn die ursprüngliche Stadt lag ja weiter westlich, das heutige Altenstadt. Und mit der Gründung der Neustadt wurde zuerst die Mauer gebaut, wie sie in großen Teilen heute noch zu sehen ist. Und in diese Mauern zogen die Altenstädter dann ein, die Welfen gründen Oppidum Scongo, die Neustadt, um 1224. Mehrfach wird die Neustadt belagert, teilweise, um 1525, zerstört, ab 1819 werden Teile der Stadtmauer abgebrochen, vor allem die Tore. Das bedeutendste, das Lechtor, fällt 1877. 1955 werden erste Versuche unternommen, die Mauer zu sanieren, zwischen 1982 und 1990 nochmals. Welchen Eindruck die Neustadt mit ihrer Mauer auf Reisende hinterlässt, beschreibt ein Satz aus dem Jahr 1613: Oppidum Scongo sei „gar herrenmäßig aufferbaut mit Maurn und Thürm“.

Außer der augenfälligen Lücke am ehemaligen Lechtor weise die 1,6 Kilometer lange Mauer kaum Substanzverluste auf, so Zeune. Doch große Kopfschmerzen bereiten dem Burgenforscher die jüngsten Sanierungsversuche mit Betonputz. Daher hatten Zeune und seine Mitstreiter auch alte Bilder, Fotos und Skizzen herangezogen für ihre Arbeit und dabei erstaunliche Details herausarbeiten können. Teilweise kann sogar der Ungeübte die verschiedenen Zinnenreihen entdecken, nachvollziehen, wie die Mauer in den insgesamt vier Bauphasen von 1220 sowie dem 14. und 15. Jahrhundert aufgebaut und erweitert wurde.

Sorgen bereiten dem Forscher neben dem erwähnten Betonputz, der das Mauerwerk hermetisch abschließt und für Luftabschluss sorgt, auch der Bewuchs des Mauerwerkes. Wobei Zeune weniger an die alten Bäume entlang der Mauer als an den Efeubewuchs dachte, der das Mauerwerk regelrecht zerfressen kann bzw. das Mauerwerk durchfeuchtet. Das alles müsse bei einer Sanierung bedacht werden.

Zeune will die gravierendsten Schadensbilder reparieren und die Mauer in weiten Teilen wie im 15. Jahrhundert wieder auferstehen lassen. Anschließend könne man das Gemäuer mit Infotafeln, Modellen, dreidimensionalen Bildern und Grafiken ebenso wie richtigen Modellen und Figuren, die zum Beispiel den Einsatz von Büchsen in den Schießscharten dokumentieren, erschließen.

Dabei ging Zeune auch auf das Thema Grüngürtel und Kahlschlag ein. Und erkannte, dass die Menschen Bäume und Grün bräuchten, wenngleich der eine oder andere am liebsten Finanzmittel seitens der Kommune nutzen würde, um die Bäume ringsum zu fällen. Weg müsse der Efeu, so Zeune. Und es sollten Sichtachsen geschaffen werden, wo einzelne Bäume gefällt würden, um so die Stadtmauer wieder in ihrer ursprünglichen Form und Funktion darstellen zu können.

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