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Sagen Servus: Von links Gertie Breitenmoser sowie Marion und Hermann Noll an der Theke ihres Gasthauses, das sie am 31. Juli schließen.

Gasthof Breitenmoser in Reichling

Das Ende einer Ära und Familientradition

Reichling - Am 31. Juli schließt die Traditionsgaststätte Breitenmoser in Reichling. Für die örtlichen Vereine war die Wirtschaft in der Dorfmitte das Vereinslokal. Der Stammtisch war oft besetzt, die Watt- und Schafkopfrunden, Stammgäste bei Früh- und Dämmerschoppen, jeden letzten Donnerstag im Monat das „Strickkaffee“, die Tradition des Weißwurstessens am Lumpigen Donnerstag und der politische Aschermittwoch: Alles ist ab 1. August Geschichte.

Ein historisches Posthorn zeugt von der großen Vergangenheit des Gasthaus zur Post in Reichling. In den Unterlagen des Chronisten Manfred Mayr findet man, dass bereits etwa im Jahr 1400 an dieser Stelle ein Gasthaus erwähnt wird. In dem war von 1897 bis 1918 die Poststation untergebracht. Von 1902 bis 1912 machten die Postkutscher mit ihren Pferden dort Rast.

Das Wirtsanwesen hat im Jahr 1928 die Bräuwastl-Brauerei Weilheim erworben, die es 1931 an Josef und Rosina Breitenmoser verkauft hat. Man blieb die ganzen Jahrzehnte unter dem Vertrag von Bräuwastl- bzw. Spatenbräu. Die Wirtschaft sollte Sohn Josef vererbt bekommen, doch der Erste Weltkrieg forderte seinen Tribut, und der nur 28-Jährige fiel im Kaukasus.

Schließt zum 31. Juli: Das Gasthaus zur alten Post, auch als Gasthaus Breitenmoser bekannt, war über Jahrzehnte die Wirtschaft in der Dorfmitte und Vereinslokal der Reichlinger Vereine.

Sein Bruder Michael bekam nun die Wirtschaft. Er heiratete 1939 Therese Dirr. Sie bekamen die Kinder Irmgard, Thea, Michaela, Michael und Josef. Als Therese mit nur 46 Jahren starb, wurde die Witwe Maximiliane Mayr Michaels zweite Frau und Wirtin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der „Breitenmoser“ zum Flüchtlingsquartier. Im alten Rechnungsbuch aus dem 1965 findet man Belege von Hochzeiten, die später dort gefeiert wurden.

Im April 1975 übernahm Michael junior, gelernter Metzger, in dritter Generation die Gastwirtschaft. Mit Frau Gertie führte er die Wirtschaft weiter, die Landwirtschaft riss man 1985 ab und baute dafür ein Wohnhaus für die Familie. Nach einem Unfall musste er den Metzger-Beruf aufgeben und übernahm eine Allianzagentur. Die Kinder Michael junior und Marion wurden geboren.

In der Gastwirtschaft renovierten die Wirte in der Zwischenzeit viel. In der gemütlichen Gaststube stehen Kachelofen und Musikbox, und 60 Gäste konnten Platz nehmen. Der große Saal fasst 120 Personen.

1995 traf ein schwerer Schicksalsschlag die Familie, als Sohn Michael tödlich verunglückte. Die Familie hielt, wie schon Generationen vorher, zusammen und bewirtete weiter ihre Gäste. Gertie und Marion standen jedoch im Dezember 2013 plötzlich alleine mit der vielen Arbeit da, nachdem Vater Michael mit nur 61 Jahren an einer kurzen schweren Krankheit verstarb.

Die beiden Frauen machten weiter, funktionierten. Nur zwei Wochen später begann das Jahr wieder mit dem traditionellen Schützenball.

Nach einem Jahr Überlegungen und viel Abwägen haben sich die 65-jährige Gertie und das frisch getraute Ehepaar Marion und Hermann Noll entschlossen, die nächste Renovierung, die laut Vorschriften mit der Küche und dem Kühlraum, der sich im Nebengebäude befindet und so nicht mehr zulässig ist, nicht mehr anzupacken, sondern die Gastwirtschaft aufzugeben. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Gertie Breitenmoser. „Mama soll nicht mehr so viel arbeiten“, ergänzt Marion Noll. Planung, Küche und das Bedienen, und warten auf Gäste, unter der Woche kommen wenige oder auf einmal ein ganzer Schwung durstiger Radfahrer, dann ist es für einen alleine fast zu viel.

Die erste Wirtegeneration: Josef und Regina Breitenmoser.

Marion und Hermann werden die Wirtschaftsräume in Wohnungen umbauen, verpachten wollen sie sie aber nicht. In einem Schreiben wenden sich die bald Ex-Wirtsleute an ihre Gäste: „Alles hat seine Zeit. Wir sagen Danke für die Jahre, die wir mit unseren zahlreichen Gästen, Stammgästen, Freunden, Bekannten und Verwandten verbringen durften.“

Einen Dank an die Gemeinde und die Vereine für das gute Miteinander kann man darin lesen, und es heißt weiter: „Wir waren immer gerne für Euch da in all den schönen, lustigen, manchmal auch langen und traurigen Tagen und Nächten. In Zukunft sehen wir uns nicht mehr als Wirtsleut hinter, sondern als Gäste vor der Theke, und wir freuen uns darauf. Wir haben so viel mit Euch erlebt – es wäre ein schönes, langes und spannendes Buch geworden!“ 

ale

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