Geburtstagsfeier als Schienenbus-Premiere

Schongau - Seit dem Wochenende ist der historische Schienenbus VT 98 in Schongau. Mit der Zuggarnitur will die Initiative Fuchstalbahn Sonderfahrten anbieten.

„Da werden Jugenderinnerungen wach“, schwärmte Norbert Moy. Der Weilheimer Chef der Fahrgastinitiative ProBahn war einer der ersten, die das Angebot genutzt und sich eine Fahrt mit dem fast 60 Jahre alten Schienenbus gegönnt hatte. Zusammen mit vielen Freunden hatte Moy den Zug in Weilheim bestiegen und bei der Rundfahrt über Landsberg nach Schongau seinen Geburtstag gefeiert.

So wie Moy dürfte es vielen gegangen sein, die am Samstag entlang der Strecke den roten Schienenbus erblickten. Hausbesitzer kamen eigens auf die Veranda, Autofahrer fuhren auf der B 17 langsamer, und der eine oder andere Jogger blieb ebenfalls neugierig stehen, als die dreiteilige Zuggarnitur in gemächlichem Tempo über die Gleise zuckelte.

Bis in die 80er Jahre hinein war der VT 98, bundesbahnintern als Baureihe 798 geführt, das Rückgrat des Personennahverkehrs auf Nebenstrecken. „Von Flensburg bis Garmisch“, wie Bernd Heinrichsmeyer ergänzt. Heinrichsmeyer gehören der Trieb- und die beiden Beiwagen, die die Initiative Fuchstalbahn vorerst bis zum Herbst gemietet hat, um damit Touristikfahrten anbieten zu können. Losgehen wird es am 25./26. Juli, wenn in Landsberg das Ruethenfest gefeiert wird. An diesen beiden Tagen wird es einen Regelverkehr zwischen Schongau und Landsberg geben, sagt Tyll-Patrick Albrecht, Vorstand der Fuchstalbahninitiative.

Daneben gibt es bereits drei fixe Charterfahrten, darunter am Wandertag des Schongauer Gymnasiums, und ein Tag für Eisenbahnliebhaber, wie Albrecht weiter berichtet. Enttäuscht ist Albrecht allerdings von der IHK, wo er seit vielen Jahren im Prüfungsausschuss für Bürokaufleute und Immobilienkaufleute sitzt. Für seine Idee, ein so genanntes Speeddating für Berufsanfänger in den historischen Wagen zu organisieren, habe es bereits mehr als 300 Anmeldungen gegeben. Doch dann verlegte die IHK die Veranstaltung in einen Zug der BRB (für die es nur noch sechs Anmeldungen geben soll) - und den Fuchstalbahnern fehlten die Geldmittel, mit denen der Schienenbus bezahlt werden sollte. Dank der Charterfahrten kamen die Mittel für den Schienenbus, Baujahr 1956, aber trotzdem zusammen.

Am Freitag war der historische Zug, er entstammt der ersten Bauserie, aus dem Hunsrück angekommen, gesteuert vom Besitzer Bernd Heinrichsmeyer persönlich. Er betreibt dort eine kleine Eisenbahngesellschaft, in der Hauptsache für Güterverkehr. Aber er nennt noch weitere dieser Schienenbusse sein Eigen. Und die begeistern die Bürger einfach. Insbesondere die Kinder seien fasziniert, sagt Heinrichsmeyer. Für viele sei es die erste Fahrt in einem Zug überhaupt. Auch für Albrecht erfüllt sich nun ein lang gehegter Wunsch, nämlich Schulklassen die Fahrt zum Wandertag anbieten.

Vermutlich bis zum Oktober will die Initiative Fuchstalbahn Fahrten mit dem Sonderzug anbieten. Wobei Albrecht betont, man mache keine Museumsfahrten, sondern Touristikfahrten. Am 1. August wird es eine Fahrt für alle Eisenbahnliebhaber geben, abends geht es sogar nach Augsburg, wo der Zug untergestellt wird. Bis dahin haben die drei Nebenbahntriebwagen ihr Domizil auf dem Gelände der UPM-Papierfabrik, wo sie geschützt vor Vandalismus auf ihren Einsatz warten. Der eben zum Ruethenfest beginnt - die Fahrpläne dafür werden noch ausgearbeitet, so Albrecht.

Oliver Sommer

Info: Erst wenn mehr als 100 Fahrgäste zusammenkommen, rentiert es sich, ihn zu chartern. 156 Fahrgäste können im Zug sitzen, mit etwa 25 Euro pro Mann komme man gut klar, so Albrecht. Die Strecke Schongau Landsberg kostet etwa 3000 Euro, immerhin muss auch die Sicherungstechnik bezahlt werden. Aber wer Lust und genügend Mitstreiter hat, kann sich den Zug jederzeit leisten. Weitere Infos unter www.fuchstalbahn.com.

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