Die Stelle: Von dieser Abzweigung der Schmiedestraße aus könnte entlang der Staatsstraße 2014 in Schwabsoien auf der rechten Seite – unverhofft und unkonventionell – ein Gehweg gebaut werden. Dazu muss aber ein Grundstückseigentümer seine Zustimmung geben. Foto: Schröder

Gehweg in Schwabsoien zum Greifen nahe

Schwabsoien - Die Gemeinde Schwabsoien hat (vielleicht) eine einmalige Chance: Sie könnte unverhofft an den gewünschten Radweg vom Ortsausgang entlang der Schönach Richtung Sachsenried kommen.

Es war der Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben und Anfragen“, der in der jüngsten Sitzung des Schwabsoier Gemeinderates ein „Schwergewicht“ bereithielt: „Derzeit wird ja die Staatsstraße 2014 zwischen Schwabsoien und Sachsenried erneuert“, eröffnete Bürgermeister Konrad Sepp das Thema. Denn im Zuge von zahlreichen Ortsterminen wegen der Straßensanierung habe ihm die ausführende Baufirma ein außergewöhnliches Angebot gemacht: „Wir könnten jetzt während der Bauphase den schon lange angedachten Gehweg von der Ecke Schmiedestraße bis hin zum Schönach-Quellgebiet bekommen“, eröffnete er den erstaunten Gemeinderäten.

Das Besondere an diesem Angebot: Der Bau dieses Gehwegs müsste nicht erst noch ausgeschrieben werden, sondern könnte jetzt sofort erfolgen. Außerdem würde die Baufirma diesen zum „Einheitspreis“ anlegen, der sonst nur für Arbeiten des Straßenbauamtes fällig werde. Konkret heißt das: Für den rund 160 Meter langen und einen Meter breiten Weg müsste die Gemeinde rund 23 000 Euro brutto berappen.

Angedacht war und ist der Gehweg entlang der Staatsstraße 2014 in Schwabsoien in Richtung Sachsenried auf der rechten Seite von der Einmündung der Schmiedestraße rund 160 Meter am Schönach-Verlauf entlang. „Auf freier Strecke kann dann problemlos die Seite gewechselt werden zu dem Weg, der zur Schönach-Quelle führt“, so Sepp weiter.

Wie Siegfried Neumann erklärte, sei das jetzt bekommene Angebot eine einmalige Chance, denn viele Bürger würden gerne ins Quellgebiet spazieren, werden aber davon abgehalten, dass es dorthin noch keinen durchgängigen Gehweg gebe. „Außerdem wäre der neue Gehweg dann auch eine Attraktion für unseren Mühlenweg.“ „Ich kenne viele, die da gerne rausspazieren, aber eben auch viele, denen es zu gefährlich ist“, sagte Manfred Schmid und stieß dabei ins gleiche Horn. Obwohl er geschockt war über den Preis von fast 150 Euro pro Quadratmeter Gehweg, würde er den Weg „befürworten, wenn wir es stemmen können“. Ähnlich sah es Rudolf Kögel: „Klar wäre der Weg attraktiv und sinnvoll, aber können wir uns den überhaupt leisten?“, fragte er.

Wie Bürgermeister Sepp dazu erklärte, habe die Gemeinde im jüngst verabschiedeten Haushalt „Geld für zwei Projekte eingestellt, bei denen fraglich ist, ob sie auch realisiert werden“. Und: „Das jetzt ist eine Chance, sonst kommen wir in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht zu diesem Gehweg.“

Allerdings machten Sepp und Neumeier bei aller Freude über die Möglichkeit auch deutlich, dass zum Bau des Gehwegs ein Anwohner zustimmen müsste, dessen Grundstück berührt wird. „Wenn der nicht mitmacht, ist das Projekt gestorben“, so Neumeier.

Weil aufgrund der aktuellen Situation Eile geboten war, schlug Sepp eine Abstimmung vor. Das auch vor dem Hintergrund, dass damit er und sein Vertreter Neumeier beauftragt würden, vor Ort mit Vertretern der Baufirma über den konkreten Verlauf des Gehwegs sprechen könnten. „Das ist aber ein Punkt, der nicht zum Beschluss auf der Tagesordnung steht, also können wir darüber auch nicht diskutieren und abstimmen“, wandte Ulrich Starker ein. Er schlug vor, zuerst mit dem betreffenden Anwohner zu reden und den Punkt in der nächsten Gemeinderatssitzung zu behandeln.

„In der nächsten Sitzung ist es aber zu spät“, meinte Neumeier. „Wenn der Nachbar ,ja‘ sagt, sollten wir flexibel und gewappnet sein“, argumentierte auch Rathauschef Sepp. „In vier Wochen kann die Baufirma schon wieder weg sein.“

Gegen zwei Stimmen beschloss der Gemeinderat daraufhin, das Gespräch mit dem betreffenden Anwohner zu suchen und mit der Baufirma über den Gehwegbau zu sprechen - und wenn sich die Chance bietet, zuzuschlagen. „Dann müssen wir aber ins Protokoll reinschreiben, dass dieser Punkt nicht zur Abstimmung auf der Tagesordnung stand“, schloss Starker die Debatte.

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