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Schwabsoien

Gemeinde kauft Gasthof Post auch für Flüchtlinge

Schwabsoien - Das Schild „Zu verkaufen“ ist seit einigen Tagen verschwunden: Sicheres Indiz dafür, dass das seit Jahren zum Verkauf stehende Gebäude des ehemaligen Gasthofs Post in der Schwabsoier Ortsmitte einen neuen Besitzer bekommt – die Gemeinde selber wird das Haus kaufen.

Diese Bekanntmachung war gestern Abend bei der Bürgerversammlung in Schwabsoien mit die interessanteste Neuigkeit: Die Gemeinde wird den seit Jahren zum Verkauf stehenden Gasthof Post kaufen, sagt Bürgermeister Siegfried Neumann in der Gemeindehalle. Unter anderem werden in dem Gebäude auch Flüchtlinge untergebracht.

Neumann verband diese Bekanntmachung gestern Abend mit einem chronologischen Rückblick, was die Gemeinde bislang alles unternommen hat, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden und Platz für Flüchtlinge zu schaffen. „Das alles unter der Maßgabe, dass der Gemeinderat und ich der Meinung sind, dass die Integration von Flüchtlingen, gerade in einem kleinen Ort wie dem unseren, nur in kleinen Gruppen oder im familiären Bereich zu schaffen ist“, so Neumann.

Nach der wiederholten Aufforderung der Landrätin hat Neumann Mitte des Jahres ein Rundschreiben an die Bürger verfasst mit der Bitte, Raum für Flüchtlinge zu melden. In diesem Zusammenhang meldete sich die Besitzerin des ehemaligen Gasthofs Rössle, die ihr Gebäude seit längerem wiederbeleben will. „Unser erster Gedanke war, dass man im zugehörigen Austragshaus zehn bis zwölf Flüchtlinge unterbringen könnte“, so Neumann.

Der Haken: „Sowohl das Austragshaus als auch der Gasthof Rössle, den wir uns bei dieser Gelegenheit auch angeschaut haben, müssten von der Besitzerin aufwändig saniert werden, was für sie aber finanziell nicht möglich wäre. Daraufhin hat sie ihr Angebot dann zurückgezogen“, sagte Neumann.

Nach diesem Rückschlag, so der Rathauschef weiter, hat Neumann das Gespräch mit dem Besitzer des ehemaligen Gasthofs Post gesucht, der das Gebäude schon seit mehreren Jahren verkaufen will. In dem Haus wohnen derzeit drei Mietparteien. „Mit ihm steh’ ich seit Jahren im Austausch, er hat mir immer schon von etwaigen Bewerbern und den Verhandlungsständen berichtet.“

Und in diesem Gespräch habe ihm der Besitzer erklärt, „dass ihm ein Angebot eines auswärtigen Investors vorliegt, der den Gasthof Post kaufen und renovieren will, um ihn dann komplett dem Landratsamt für 50 bis 60 Flüchtlinge anzubieten“, sagte Neumann. Das habe der Investor im Gespräch mit dem Bürgermeister bestätigt.

„Da war uns klar, dass wir als Gemeinde reagieren müssen“, sagte Neumann. „Weil wir uns im Gemeinderat wie gesagt über eine dezentrale Unterbringung einig waren und uns so eine Konzentration von Flüchtlingen im Ortszentrum – in direkter Nähe zu Kindergarten, Schule und Kirche – nur schwer vorstellen können.“ Von einer möglichen ablehnenden Reaktion der Bevölkerung ganz zu schweigen.

Also habe man sich im Gemeinderat die Frage gestellt, wie man das verhindern könne. „Klar könnten wir eine Veränderungssperre für den Ortskern erlassen, aber das wäre nicht zielführend und würde uns selber behindern“, so Neumann weiter. Als einzige Alternative blieb so nur der Kauf des Gasthofs Post übrig, „weil so die Gemeinde die Kontrolle über das Gebäude und die teilweise Nutzung als Flüchtlingsunterkunft in der Hand behält“, erklärte der Rathauschef. „Damit wir wie gewünscht nur eine kleine Gruppe von zehn bis zwölf Flüchtlingen aufnehmen und zudem die jetzigen Mieter im Gasthof auch wohnen bleiben können.“

Über den Kaufpreis des Gasthofs Post wollte Neumann nichts sagen, wohl aber, dass die nötigen Sanbierungsarbeiten im Gebäude rund 70 000 Euro kosten werden.

Das weitere Vorgehen:

Nach einer bau- und feuertechnischen Besichtigung des Gasthofs Post ist klar geworden, dass bei der Bausubstanz deutlich nachgebessert werden muss. Decken, Wände, Türen und die Installationen müssen erneuert und feuerschutztechnisch verbessert werden. Außerdem müssen Fluchtwege geschaffen werden. In einem ersten Schritt wird die Gemeinde jetzt einen Planer/Architekten suchen und beauftragen, der die Nutzungsänderung von Beherbergungsbetrieb in Wohnnutzung sowie die Eingabeplanung auf den Weg bringt. Erst wenn das alles geregelt ist, können die Bauleistungen ausgeschrieben werden. Das alles wird also noch eine Zeit dauern. Und auch der Kauf des Gasthofes ist noch nicht unter Dach und Fach: „Wir haben derzeit sechs Wochen Vorlaufzeit für einen Termin beim Notar“, erklärte Rathauschef Neumann.

Klar ist zudem auch, dass bei der nötigen Renovierung nur die Räume für die geplanten zehn bis zwölf Asylbewerber hergerichtet werden, nicht das ganze Gebäude. „Über die weitere Nutzung der anderen Räume im Haus werden wir später entscheiden“, erklärte Neumann.

Schon Flüchtlinge aufgenommen:

Wie Bürgermeister Siegfried Neumann am Montagabend im Rahmen der Bürgerversammlung so ganz nebenbei erwähnte, hat die Gemeinde schon Flüchtlinge aufgenommen und untergebracht. „Ja, seit Ende Oktober leben bei uns schon sechs Flüchtlinge aus Eritrea“, sagte er.

Wie Neumann weiter ausführte, habe sich das Landratsamt mit einer Art Notruf an ihn gewandt: „Es hieß, man habe zwei junge Frauen mit je einem Kleinkind, die dringend raus aus einer großen Flüchtlingsunterkunft müssten.“ Solche Personen, die nicht in einer zentralen großen Unterkunft, sondern eher im familiären Bereich aufgenommen werden sollten, seien genau die „Zielgruppe“ der in Schwabsoien aufzunehmenden Flüchtlinge. Die beiden Frauen und Kinder sind privat bei einer Schwabsoier Familie untergekommen. Ebenfalls aufgenommen worden ist das Kleinkind einer 16-Jährigen aus Eritrea, das in Pflege versorgt wird. „Außerdem lebt ein 16 Jahre alter anerkannter Flüchtling aus Eritrea bei einer Familie bei uns“, so Neumann. Der habe sich schon beim Sportverein angemeldet und helfe als Dolmetscher mit den anderen Flüchtlingen.

Jochen Schröder

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