+
Die Jugendabteilung des SV Kinsau hat der Gemeinde zwei Tornetze gespendet. Hinten von links: Jugendleiter Markus Amtmann, Bürgermeister Marco Dollinger, Jugendtrainer Holger Lieb.

Gemeinderat Kinsau

Ein Herz für die jungen Fußballer

Kinsau - Elf Freunde müsst ihr sein – aber manchmal reichen auch schon drei. Zwei Schulranzen als Torpfosten, ein Mann ins Tor, gern mal als fliegender Torwart eingesetzt – und los geht’s.

Damit die Kinsauer Mädchen und Buben in Zukunft ungestört bolzen können, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung ein Zeichen gesetzt: Mit einem 1,20 Meter hohen Zaun wird der neue (und eigentlich alte) Bolzplatz am Bachfeld umgefriedet. Im Gegenzug hat die Jugendabteilung der Gemeinde mal was spendiert: zwei Tornetze für den Bolzplatz am Pausenhof der Schule. Denn während die wilde Kickerei in manchen Gemeinden nicht so gern gesehen wird, fördert man sie in Kinsau.

„Die besten Spieler waren immer zuerst Straßenfußballer“, sagt Bürgermeister Marco Dollinger, „denn auf einem Bolzplatz ist man ständig am Ball, auch wenn im Verein gerade nichts passiert.“ Leuchtet ein, denn Pelé, Ronaldo und Rivaldo übten den Umgang mit dem Leder auch erst abseits der großen Plätze. Für Dollinger das absolute Plus: Mit einem Bolzplatz werden Kinder an den Sport herangeführt, und so auch an die Vereine. Und sie lernen, Konflikte eigenständig zu lösen. Vorteil aus Kindersicht: Man braucht keinen Schiedsrichter, geringe Truppenstärke, keinen Trainer, hat seine Ruhe vor den Erwachsenen.

Die Gemeinde hat in den vergangenen Monaten auf dem zirka 700 Quadratmeter großen Platz am Bachfeld einen Hügel abgetragen und das Gras neu angesät. Damit der Ball nicht etwa Fensterscheiben durchschlägt, wird nun ein Zaun aus Stahlgitter errichtet: 91 laufende Meter. Den Zuschlag für die Arbeiten erhielt die Firma Berger Zaunbau (Peiting), die Gesamtkosten betragen knapp 6000 Euro.

Dass am Bachfeld gebolzt wird, ist nicht ganz neu: Schon vor 20 Jahren entstand dort – fast ganz von selbst – das kleine Spielfeld. Eigentlich sollte aus dem Grundstück nach dem Willen der Gemeinde ein Bauplatz werden, doch die Kinder und ihre Eltern aus der Siedlung machten klar: Hier ist ein Bolzplatz notwendig. Zahlreiche Kinsauer Jugendlichen haben dort den Umgang mit dem Ball geübt, „die Hälfte unserer ersten Mannschaft vom SV Kinsau ist dort groß geworden“, erinnert sich Dollinger schmunzelnd.

Doch irgendwann entwuchsen die Kinder aus dem Wohngebiet dem Bolzalter. Die Gemeinde wollte schließlich vor etwa sieben Jahren einen Spielplatz daraus machen. Ein Abenteuerspielgerät wurde angeschafft. „Doch das wurde nie so recht angenommen“, sagt der Bürgermeister. Was tun? Ganz einfach: Den Platz seiner natürlichen Bestimmung übergeben. Als Stätte des schnellen Kicks, wenn ein Ball und ein paar Kinder mit Lust auf Fußball da sind.

Richtig schön soll der Platz nun werden. Die Gemeinde stellt noch eine Bank auf, falls es mal Zuschauer gibt (Eltern und Fans), auch die Linde darf als Schattenspender bleiben. Der Kinsauer Unternehmer Bruno Schilcher hat angekündigt, die Kosten für ein Fußballtor zu tragen.

Aber auch die jüngste Generation trägt dazu bei, dass in Kinsau alle Kinder am Ball bleiben: SV-Jugendleiter Markus Amtmann freute sich, bei der jüngsten Sitzung Bürgermeister Dollinger zwei Tornetze im Wert von 100 Euro für das Spielfeld auf dem Pausenhof der Schule zu überreichen: Das Geld dafür hatten die Jugendlichen beim Adventsmarkt und beim Kinderfasching eingenommen.

Selbst wenn Bürgermeister Dollinger sonst mit ganz anderen Summen umgeht, findet er: „Unbezahlbar, eine wirklich schöne Geste.“

Klaus Mergel

Auch interessant

Kommentare