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Sind beide echte „Hosen“-Fans: Pfarrer Josef Fegg (li.) und Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader.

Gemeinsame Mission in Rottenbuch

„Die Toten Hosen“ im Wohnzimmer

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Rottenbuch - Bürgermeister Markus Bader (31) hat eine Mission. Im Auftrag des Herrn soll er „Die Toten Hosen“ nach Rottenbuch holen. Das hat Pfarrer Josef Fegg (35) in einer Vision gesehen. Was klingt wie ein Scherz, ist ein lustiges Video, mit dem sich Rottenbuch für ein Wohnzimmer-Konzert bewirbt.

Himmlischer Gesang, ein Schwenk durch die Pfarrerwohnung, christliche Ikonographie, plötzlich Gitarrenklänge, die Musik wird härter. Ein Totenkopf erscheint im Bild – und dann Pfarrer Josef Fegg (35) zusammen mit Campino, Frontsänger der „Toten Hosen“, als Foto an der Wand.

So beginnt der Streifen für die Magical Mystery Tour der Band. Der Rottenbucher Bürgermeister Markus Bader (31) und der Geistliche wollen „Die Toten Hosen“ im kommenden Jahr ins Dorf holen. Genauer gesagt ins Wohnzimmer des Rathauschefs, das auch Kulisse für die Dreharbeiten war. Dieses Erlebnis ermöglichen die Punkrocker demjenigen, der die originellste Bewerbung einsendet. Rund 1000 sind es geworden. Jetzt geht es ans auswerten.

Coole Typen: Pfarrer Josef Fegg (re.) mit „Toten Hosen“-Sänger Campino.

Die Chancen für Rottenbuch stehen aber nicht schlecht. Denn wer hat schon so einen hippen Pfarrer zu bieten, der von der Kanzel predigt: „Du, Markus, lieber Bürgermeister, bist ab sofort unterwegs im Auftrag des Herrn!“ Letzterer zieht dann cool Sonnenbrille und Trachtenhut auf – Mission angenommen, scheint er dem Zuschauer sagen zu wollen.

Los geht’s! Auch der Gemeinderat – dargestellt von Rottenbucher Musikern – prostet dem Rathauschef anerkennend mit einer halben Bier zu. „Des wird die größte Sause die Roattabuach jemals erlebt hot“, kündigt Bader an. Ein Halleluja schallt durch den Raum, als das Gremium grünes Licht gibt. Es folgen Konzert-Fotos und schließlich ein Standbild mit Pfarrer Fegg und Bader, die die „Hosen“-Flagge halten – betitelt mit den Worten „Wir freuen uns auf Euch!!!“

Wer den knapp sechs Minuten langen Streifen gesehen hat, der aus rechtlichen Gründen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist und deshalb nicht auf merkur.de gezeigt werden darf, kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Inszeniert und zusammen mit seinem Bruder gefilmt hat das Video Markus Bader selbst. Unverkennbar, dass der 31-Jährige Theatererfahrung hat und sich für Film und Schauspiel interessiert. Und er hat noch eine weitere Leidenschaft: „Seit ich 12 Jahre alt bin, bin ich Hosen-Fan“, schwärmt Bader. Als er von der Magic Mystery Tour erfahren hat, versuchte er Pfarrer Fegg ins Boot zu holen. Mit Erfolg. „Er hat glatt mitgemacht. Es ist super, wie er bei der Jugend ankommt und aufgeschlossen ist für Neues“, lobt der Rathauschef. So einen Pfarrer zu haben – da freut sich die Gemeinde. „Wenn wir die jungen Leute für die Kirche begeistern wollen, müssen wir neue Wege gehen“, sagt Pfarrer Fegg selbst. Die Kirche sei ein Teil der alltäglichen Welt, nichts abgehobenes. „Ich möchte ein Zeichen setzen, dass auch ein Pfarrer einen normalen Zugang zum Leben hat.“ Man müsse eben raus zum Menschen und seinen Horizont aufmachen. „Da braucht es ein Umdenken.“

Prost mitanand: Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader (stehend) im Video mit seinem „Gemeinderat“.

Genau diese Einstellung ist es aber, die auch kritische Stimmen hervorruft. „Gewohnte Pfade zu verlassen, kommt leider nicht bei allen gut an“, sagt er. Dennoch möchte er seiner Linie treu bleiben. Und das ist eben das Besondere, das vielleicht auch „Die Toten Hosen“ begeistert. So ein Konzert bei Markus Bader im Wohnzimmer, des wär halt a echte Schau.

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